Von Dieter Keller

Wer mit Thomas Cook, Neckermann Reisen oder Öger Tours in den nächsten Wochen in Urlaub fahren wollte, droht unfreiwillig zu Hause zu bleiben: Nach der britischen Mutter haben gestern auch die deutschen Thomas-Cook-Gesellschaften Insolvenz beantragt. „Der reguläre Geschäftsbetrieb ist eingestellt,“, hieß es aus der Zentrale. Das gilt auch für die Marken Bucher Reisen und Air Marin. Vorerst dürften alle Reisen ausfallen.

Allerdings hat Thomas Cook Deutschland beim Bundeswirtschaftsministerium einen staatlichen Überbrückungskredit von angeblich 375 Millionen Euro beantragt. Dies ist unabhängig von den 380 Millionen Euro Staatsbürgschaft für die Charterflugtochter Condor, die am Dienstagabend die Bundesregierung gewährt hatte. Dies sei möglicherweise gerechtfertigt, sagte FDP-Fraktionsvize Michael Theurer gegenüber der RUNDSCHAU: „Warum eine gesunde Tochtergesellschaft und ihre Kunden in Mitleidenschaft ziehen, wenn das Geschäftsmodell der Mutter nicht mehr funktioniert?“ Bei Thomas Cook Deutschland lehnte er dagegen eine Staatsbürgschaft ab.

Die Fluggesellschaft Condor fliegt weiter, nimmt aber keine Thomas-Cook-Kunden mit, die in Deutschland abfliegen. Um alle Kunden des insolventen Veranstalters muss sich die Zürich Versicherung kümmern, die für die Reisepreissicherung im Insolvenzfall zuständig ist. Sie beauftragte den Dienstleister Kaera AG mit der Abwicklung, wofür diese die Internetseite kaera-ag.de und eine Hotline einrichtete. Sie solle kontaktiert werden, wenn es zu Problemen komme, empfahl das Auswärtige Amt. „Bei erheblichen Problemen mit ihrem Hotel“ können sich Urlauber auch an die zuständige deutsche Auslandsvertretung wenden.

Nach Ansicht des Deutschen Reiseverbands haben Hotels in den Urlaubsgebieten keinen Grund, Urlauber zur Kasse zu bitten, weil die Versicherung einspringe. Der Insolvenzversicherer sei zur Rückführung der Reisenden verpflichtet. Seine Leistungen sind allerdings auf insgesamt 110 Millionen Euro pro Gesellschaft begrenzt. Das ist wenig: Derzeit sind 140 000 deutsche Urlauber von Thomas-Cook-Marken unterwegs, zudem haben Hunderttausende für die nächsten Wochen gebucht und den vollen Reisepreis oder eine Anzahlung geleistet. Daher könnte der Schaden viel höher sein.

Dann werde nur anteilig gezahlt, heißt es bei Kaera. Jeder bekäme also nur einen Teil seines Reisepreises zurück. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen sieht dagegen die Bundesrepublik in der Pflicht: Nach einer Richtlinie der Europäischen Union müsse jeder Staat Sorge tragen, dass auch bei großen Anbietern die Gelder der Kunden wirksam abgesichert seien.

Angesichts der von Thomas Cook Deutschland beantragten Insolvenz forderte die Gewerkschaft Verdi am Dienstag, dass alles dafür getan werden müsse, um die Weiterführung des Geschäftsbetriebs zu ermöglichen und die Arbeitsplätze zu erhalten.
„Es geht hier nicht nur um die rund 2000 Beschäftigten von Thomas Cook in Deutschland, sondern auch um die Beschäftigten von mehreren Tausend Reisebüros im ganzen Land, die auch für Thomas Cook Reisen verkaufen“, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle.