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Über die Anlage KAP lassen sich Steuern zurückholen

Cottbus. Einige Steuerzahler sollten trotz Abgeltungsteuer die "Anlage KAP" freiwillig ausfüllen. Denn so können sie sich zu viel gezahlte Abgeltungsteuer zurückholen. Barbara Brandstetter / bbr

Auch wenn mit der Abgeltungsteuer vieles einfach geworden ist: Um das Ausfüllen der "Anlage KAP" kommen einige Anleger nicht herum. Zum Beispiel alle, die Kapitalerträge aus ausländischen Investments erhalten haben. Andere wiederum sollten ihre Kapitalerträge in der Steuererklärung auflisten, wenn sie kein Geld verschenken wollen. Etwa dann, wenn Anleger vergessen haben, ausreichend hohe Freistellungsaufträge zu stellen. Über die Steuererklärung können sie sich zu viel einbehaltene Abgeltungsteuer zurückholen.

Freiwillig: In den folgenden Fällen sollten Anleger ihre Kapitalerträge in der "Anlage KAP" auflisten. Jeder, die darauf verzichtet, verschenkt Geld.

Steuerzahler mit einem geringen zu versteuernden Einkommen von unter 15 500 (Alleinstehende) beziehungsweise 31 000 Euro (Verheiratete) sollten in ihrer Steuererklärung eine Günstigerprüfung beantragen. Denn in diesen Fällen kann es günstiger sein, die Kapitalerträge mit dem persönlichen Steuersatz statt mit der Abgeltungsteuer zu versteuern. "In Betracht kommt diese Möglichkeit vor allem für Kinder, Studenten, Rentner oder Arbeitslose", sagt Peter Kauth vom Onlineportal Steuerrat24.de. Die Günstigerprüfung beantragen Steuerzahler, indem sie alle Kapitalerträge und die einbehaltenen Steuern in der "Anlage KAP" auflisten und in Zeile 4 eine 1 eintragen.

Die "Anlage KAP" können Anleger auch ausfüllen, wenn sie der Meinung sind, dass das Kreditinstitut zu hohe Steuern einbehalten hat. "Dies betrifft beispielsweise Anleger, die ihr Depot gewechselt haben", sagt Peter Pomian von der Vereinigten Lohnsteuerhilfe in Cottbus. Sind der Bank die Anschaffungskosten nicht bekannt, werden diese auf Basis einer Ersatzbemessungsgrundlage berechnet. Das kann für Anleger ungünstig sein. Wenn die Beamten prüfen sollen, ob zu viele Steuern einbehalten wurden, trägt man in der "Anlage KAP" in Zeile 5 eine 1 ein, listet in den Zeilen 7-13 die Angaben laut Steuerbescheinigung auf und daneben ihre Korrekturen. Die Gründe für die Differenz sollten Steuerzahler erläutern und belegen.

Jeder Anleger verfügt über einen Sparerpauschbetrag von 801 Euro (Alleinstehende) beziehungsweise 1602 Euro (Verheiratete). Bis zu dieser Höhe bleiben Zinsen, Dividenden und Kursgewinne steuerfrei - wenn Anleger bei ihren Kreditinstituten ausreichend hohe Freistellungsaufträge gestellt haben. "Wer dies versäumt hat, kann sich die zu viel einbehaltene Abgeltungsteuer über die Steuererklärung zurückholen", sagt Pomian. Einfach die Kapitalerträge in die Zeilen 7-11 eintragen. In Zeile 12 gehört der Teil des Sparerpauschbetrags, der bereits genutzt wurde. Vor allem Anleger, die ihr Geld bei mehreren Banken deponiert haben, sollten darauf achten, in der Summe den Sparerpauschbetrag von 801 beziehungsweise 1602 Euro nicht zu übersteigen. Anderenfalls müssen sie mit Fragen rechnen. Das Bundeszentralamt für Steuern ist über Freistellungsaufträge informiert.

Rentner sollten ihre Kapitalerträge immer in der "Anlage KAP" auflisten. Nur dann berücksichtigen die Beamten automatisch den Altersentlastungsbetrag. Wer beispielsweise im vergangenen Jahr seinen 64. Geburtstag feierte - also in der Zeit vom 2. Januar 1950 bis 1. Januar 1951 geboren wurde - erhält ab 2015 zeitlebens einen Altersentlastungsbetrag von 24 Prozent der Einkünfte, maximal 1140 Euro (Teil 5).

Anleger, die mit ihren Anlagen Verluste gemacht haben, sollten die "Anlage KAP" ausfüllen. Bereits im laufenden Jahr verrechnen die einzelnen Kreditinstitute Gewinne und Verluste des Anlegers miteinander. So wird weniger Abgeltungsteuer fällig. Bleibt unterm Strich ein Verlust, übertragen die Banken diesen in das folgende Jahr.

Anleger, die ihr Geld bei verschiedenen Instituten gebunkert haben, haben mitunter bei der einen Bank Gewinn und bei der anderen Verlust gemacht. In diesem Fall sollten sich Anleger eine Verlustbescheinigung ausstellen lassen. Stichtag für den Antrag ist der 15. Dezember des Steuerjahres. Mit der Bescheinigung können Anleger ihre Verluste bei dem einen Institut mit Gewinnen bei dem anderen Institut verrechnen. Verluste aus Aktien dürfen jedoch lediglich mit Gewinnen aus Aktien verrechnet werden.

Zudem gibt es seit 2014 eine Einschränkung bei der Verrechnung von Verlusten: Altverluste, die aus dem Verkauf von Wertpapieren stammen, die vor dem 1. Januar 2009 gekauft wurden, können nicht mehr mit aktuellen Gewinnen aus Wertpapierverkäufen verrechnet werden. Seit 2014 dürfen diese nur noch mit privaten Veräußerungsgeschäften verrechnet werden.

Pflicht: Einige Steuerzahler haben keine Wahl: Sie müssen die "Anlage KAP" ausfüllen.

Wer vergessen hat zu beantragen, dass die Kreditinstitute mit der Abgeltungsteuer und Soli auch die Kirchensteuer einbehalten sollen, muss dies in der Steuererklärung nachholen. Ein komplettes Ausfüllen des Formulars ist dafür nicht notwendig. Es reicht, wenn Anleger die einbehaltene Abgeltungsteuer plus Soli eintragen. Seit diesem Jahr behalten Banken die Kirchensteuer automatisch mit der Abgeltungsteuer ein. Die notwendigen Informationen erhalten Kreditinstitute vom Bundeszentralamt für Steuern. Wer damit nicht einverstanden war oder ist, konnte und kann dem widersprechen. Allerdings müssen sie dann weiterhin die "Anlage KAP" ausfüllen.

Steuerzahler, die auf ihre Geldanlagen im Ausland EU-Zinssteuer gezahlt haben, sollten ihre Kapitalerträge in der Steuererklärung auflisten. Die EU-Zinssteuer beträgt aktuell 35 Prozent und liegt damit über der Abgeltungsteuer von 25 Prozent. Daher erhalten Anleger eine Erstattung von zehn Prozent. "Den Abzug der EU-Zinssteuer können Steuerzahler vermeiden, wenn sie stattdessen Kontrollmitteilungen akzeptieren", sagt Gudrun Peters vom Lohnsteuerhilfeverein für Arbeitnehmer e. V. in Cottbus. Dies wird künftig verstärkt der Fall sein. Ende vergangenen Jahres haben 51 Staaten ein Abkommen über den automatischen Austausch von Kontodaten unterzeichnet.

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Zum Thema:
Für Steuerzahler mit geringen Einkünften lohnt es sich, in einigen Fällen eine Nichtveranlagungs-Bescheinigung (NV) zu beantragen. Wer diese seiner Bank vorlegt, erhält seine Kapitalerträge in voller Höhe - eine Abgeltungsteuer wird nicht einbehalten. Die NV-Bescheinigung gibt es nur in speziellen Fällen. Die Vergabe ist im Wesentlichen an zwei Bedingungen geknüpft: Beantragen können das Formular nur Steuerzahler, die nicht verpflichtet sind, eine Steuererklärung abzugeben und deren Einkünfte die steuerlichen Freibeträge nicht überschreiten. Bei Alleinstehenden liegen diese bei insgesamt 9191 Euro. Der Betrag setzt sich zusammen aus dem Grundfreibetrag (8354 Euro), dem Sonderausgaben-Pauschbetrag (36 Euro) sowie dem Sparerpauschbetrag (801 Euro). Eine NV-Bescheinigung beantragen Steuerzahler bei ihrem Finanzamt und legen das Formular bei ihren Kreditinstituten vor. Die Banken ziehen dann von Zinsen, Dividenden und Kursgewinnen keine Abgeltungsteuer ein. Eine solche Bescheinigung sollten nur Steuerzahler beantragen, deren Kapitalerträge den Sparerpauschbetrag übersteigen. Denn bis zur Höhe von 801 Euro (Alleinstehende) beziehungsweise 1602 Euro (Verheiratete) bleiben Kapitalerträge ohnehin steuerfrei. Einzige Bedingung: Die Freistellungsaufträge müssen richtig gestellt sein.Die NV-Bescheinigung gilt in der Regel drei Jahre. Treffen die Voraussetzungen für die NV-Bescheinigung nicht mehr zu, müssen Steuerzahler diese zurückgeben. Darauf zu setzen, dies bliebe unbemerkt, funktioniert nicht. Das Bundeszentralamt für Steuern ist auch über Kapitalerträge informiert, die die Kreditinstitute aufgrund einer NV-Bescheinigung steuerfrei ausgezahlt haben. bbr