Es ist eine Begegnung auf Augenhöhe – auch wenn BTU-Professor Günter Busch seinen Kollegen auf Zeit vom erhöhten Platz der Diskussionsrunde gegenübersitzt. Insgesamt 55 arbeitslose Akademiker und Fachkräfte der Altersgruppe Ü 50 hat die Kooperationsstelle Wissenschaft und Arbeitswelt (Kowa) Cottbus in in den vergangenen drei Jahren in praxisbezogene Projekte regionaler Unternehmen vermittelt.

Zusammenarbeit mit BTU

Eine Bilanz des mit Mitteln des Landes und der EU geförderten Projekts hat die Kowa am Dienstag in Cottbus vorgestellt. Ziel ist es, einerseits älteren Fachkräften bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu vermitteln, andererseits Kompetenz dort zum Einsatz kommen lassen, wo sie gebraucht wird: in kleinen und mittelständischen Betrieben, die meist weder die Mittel noch das Personal haben, um Ideen für Produkte und Dienstleistungen weiterzuentwickeln. Neben Sozialprojekten im städtischen Wohnungsbau, Konzepten für IT-Schulungen oder für ein Kompaktstudium zur Fachkräftegewinnung im Kupfererz-Bergbau, standen vor allem regenerative Energien im Fokus. So haben drei Diplomingenieure aus Cottbus mit Unterstützung der BTU für die C&S Connect GmbH nach Wegen gesucht, Energie aus Biomasse von brachliegenden Flächen zu gewinnen.

Wirtschaft trifft Wissenschaft

Daraus soll eine weiterführende Zusammenarbeit der Projektteilnehmer mit den BTU-Lehrstühlen Abfallwirtschaft, Qualitätsmanagement, Konstruktion und Fertigung entstehen. „Über das Projekt lassen sich Wissenschaft und Wirtschaft enger verzahnen und arbeitslose Akademiker in den einzelnen Fachgebieten auf den neuesten Stand bringen. Die Teilnehmer sehen, wo sie ihre Kenntnisse noch vertiefen müssen. Gemeinsam mit demWeiterbildungszentrum der BTU lassen sich dann an den Lehrstühlen geeignete Ansprechpartner ermitteln“, erklärt Frank Hühner, Geschäftsführer der Kowa.

Der Kolkwitzer Unternehmer Ehrenfried Schulz hat mit einem Projektteam nach technischen Lösungen gesucht, um die Abwärme von Großbacköfen einer Kreislaufnutzung zuzuführen. Die theoretische Qualifizierung erhielten die beteiligten Kraftwerkstechniker und Maschinenbauer über die BTU-Lehrstühle für Mechanische Verfahrenstechnik und Versorgungstechnik. „Allein hätte ich ein solches Projekt nicht angehen können“, erzählt Schulz. Jetzt soll an einer Pilotanlage die Marktfähigkeit des entwickelten Geräts getestet werden. Anfang Dezember schließt die Kowa „erfahren-kreativ-teamorientiert“ ab. Etwa 20 Teilnehmer seien inzwischen sozialversicherungspflichtig beschäftigt oder in die Selbstständigkeit gestartet. Die Kowa hofft, das Projekt auch 2012 über Mittel des brandenburgischen Ideenwettbewerbs weiterführen zu können. Für Helmgard Petke wäre es eine Chance, die Arbeit am Konzept für Personalrekrutierung im Kupferbergbau fortzusetzen. Die 55-jährige Cottbuserin bringt als Diplombauingenieurin und Berufsschullehrerin für Bautechnik/Hochbau das mit, was Eveline Schubert von der Kowa das „Potenzial der kreativen Erfahrung“ nennt.

Umdenken bei Betrieben nötig

Eine „Mentalität der Wertschätzung“ für dieses Potenzial älterer Fachkräfte, so Ursula Klingmüller, Leiterin des Referats Arbeitsmarkt- und besondere Zielgruppenförderung, Existenzgründung aus Erwerbslosigkeit im Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie, müsse bei den meisten Betrieben aber erst noch wachsen.

Zum Thema:

HintergrundDas Projekt „erfahren-kreativ-teamorientiert“ ist Teil der Innopunkt-Kampagne des Landes Brandenburg „Ältere – Erfahrung trifft Herausforderung“. Neben der Kowa sind das IBWZ der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder), die Technologietransferstelle/Unitec GmbH und die Zentralstelle für Weiterbildung der BTU beteiligt. Gefördert wird das Projekt durch das Land Brandenburg, das Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie sowie den Europäischen Sozialfonds. Die Teilnehmer kommen aus Frankfurt (Oder), Cottbus, den Landkreisen Oder-Spree, Märkisch-Oderland und Spree-Neiße.