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| 09:37 Uhr

Türöffner zu Aufträgen in Polen

Wer in Guben, Forst oder Bad Muskau über die Grenze fährt, der kann eine rege Bautätigkeit beim polnischen Nachbarn beobachten. Meist sind es Tiefbauarbeiten. Die Unternehmen der Euroregion Spree-Neiße-Bober könnte dieses auch durch EU-Fördermittel ausgelöste Baugeschehen enger zusammenrücken lassen, meint die Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus. Sie ebnet mit einem neuen Service den Zugang zu öffentlichen Aufträgen in Polen. Damit will sie zugleich Anstöße zu Kooperationen geben. Beate Möschl

Alexander Knapczyk spricht perfekt deutsch. Der gebürtige Pole kennt die Mentalität der Lausitzer inzwischen ebenso gut wie die der Lebuser. Nach seinem Bergbau-Studium in Aachen arbeitete er als Prokurist in Zary für das polnische Tochterunternehmen von Magnaplast, einem deutschen Hersteller von Kunststoffrohren. Seine Erfahrungen bringt er seit dem Sommer vergangenen Jahres beim Regionalen Kooperationsbüros Cottbus – Zielona Gora der IHK Cottbus mit ein.

100 Interessenten gelistet Knapczyk hat dort den Hut auf für einen neuen Service der Kammer: Er informiert interessierte Unternehmen über öffentliche Aufträge, die im polnischen Teil der Euroregion Spree-Neiße-Bober ausgeschrieben werden. Dieser Teil umfasst den Süden der Wojewodschaft Lebuser Land (Lubuskie) – ein Wirtschaftsraum mit rund 500 000 Einwohnern. Dem steht im deutschen Teil der Euroregion – der kreisfreien Stadt Cottbus und dem Landkreis Spree-Neiße – eine Wirtschaftsraum mit rund 250 000 Einwohnern gegenüber.

Rund 100 Unternehmen haben bei der IHK Cottbus bislang Interesse bekundet. Sie erhalten seit Ende vergangenen Jahres regelmäßig Informationen. Mittlerweile umfasst die wöchentliche Übersicht 20 bis 30 Ausschreibungen im Baubereich, wie der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus, Dr. Andreas Kotzorek, berichtet. Hinzu kommen Ausschreibungen im Dienstleistungsbereich wie Straßenreinigung und Winterdienst – "oft mit langfristiger Vertragsbindung", wie Knapczyk ergänzt.

Der Kreis der Interessenten ist, wie Kotzorek betont, erweiterbar. Voraussetzung sei lediglich, dass sich die Unternehmen bei der Kammer melden. Dann bekommen sie die von Knapzcyk gesammelten Informationen zugesandt. Er durchforstet regelmäßig die Internet-Seiten der polnischen Nachbarstädte nach öffentlichen Ausschreibungen und die offizielle Ausschreibungs-Datenbank der polnischen Regierung. Die Ergebnisse stellt er in einer Übersicht zusammen, aus der auf einen Blick hervorgeht, wer was wo ausschreibt, bis wann die Angebotsunterlagen abzugeben sind, wann Fertigstellungstermin ist und welche Voraussetzungen verlangt werden.

So weist zum Beispiel die Übersicht für die dritte Kalenderwoche zwei mit EU-Fördermitteln unterstützte Baumaßnahmen mit einem Volumen von knapp 2,5 Millionen Euro aus sowie zwei nationale Ausschreibungen zur Instandhaltung und Instandsetzung von Häusern der Wohnungsgesellschaft Gorzow. Bis Ende Februar beziehungsweise Anfang März können Angebote abgegeben werden.

"Die kleinen und mittleren Bauunternehmen der Wojewodschaft Lubuskie würden gern an solchen Ausschreibungen teilnehmen, doch fehlen ihnen dafür oft die Mittel und die technischen Voraussetzungen", beobachtet Knapczyk. "Kooperationen mit deutschen Bauunternehmen, die in der Regel über eine bessere Kapitalausstattung und Technik verfügen, könnten ihnen helfen, die Lücken zu schließen und zum Zuge zu kommen. Dann bliebe das Geld auch in der Region", ist er überzeugt.

Auch in Polen ist der Billigste gefragt Obwohl das Ausschreibungsrecht Spielraum lässt, reduziert die Knappheit der Mittel die Entscheidungsfreiheit der ausschreibenden Kommunen: "Den Zuschlag erhält in 70 Prozent der Fälle immer der Billigste", schildert Knapczyk. Deutsche Unternehmen hätten dennoch Chancen, vom Baugeschehen in Polen zu profitieren, "vor allem bei Projekten, die mit EU-Geldern gefördert werden, denn hier muss das zur Verfügung gestellte Geld auch ausgeschöpft werden".

Zwölf Unternehmen hat Knapzcyk im Auftrag der IHK sogar bis zur Angebotseröffnung begleitet. Den Zuschlag bekommen habe zwar keiner der Bewerber, beim nächsten Mal aber könne das schon anders sein. "Es ist ein Lernprozess, es braucht Geduld, bis sich Vertrauen bildet", erklärt Knapczyk.

Der mit EU-Fördermitteln unterstützte Service der Kammer ist zeitlich befristet und ein Angebot an die hiesigen Mittelständler, die nötigen Kenntnisse zu erwerben, um später selbstständig agieren zu können, wie Kotzorek sagt.

Hintergrund Interessenten sollten sich registrieren lassen Der kostenlose Service ist in dieser Art einmalig in den IHK-Bezirken der Lausitz. Interessenten melden sich direkt bei Alexander Knapczyk in der IHK Cottbus, Telefon: 0355 / 365 272. Sie bekommen Informationen über öffentliche Aufträge beim polnischen Nachbarn, Hinweise zu Dolmetschern und in Ausnahmefällen auch Begleitung bis zur Angebotseröffnung.

Die IHK Cottbus bietet gemeinsam mit der Auftragsberatungsstelle Brandenburg im Gegenzug für polnische Unternehmer Seminare in Cottbus an, bei denen sie sich über öffentliche Ausschreibungen in Deutschland und Kooperationen informieren können.

Das Kooperationsbüro Cottbus – Zielona Gora ist im Mai 2003 von der IHK Cottbus und der Euroregionalen Industrie- und Handelskammer Zielona Gora in Cottbus eröffnet worden. Es soll die Wirtschaftsförderungsaktivitäten beiderseits der Grenze koordinieren und den Zugang zu europäischen Förderprogrammen erleichtern.