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Architektur
Bauen nicht nur für den reinen Zweck

Preiswürdige Industriearchitektur: Die Trumpf-Gruppe hat für ihren Neubau in Neukirch/Lausitz den Industriekulturpreis des Freistaates Sachsen bekommen.
Preiswürdige Industriearchitektur: Die Trumpf-Gruppe hat für ihren Neubau in Neukirch/Lausitz den Industriekulturpreis des Freistaates Sachsen bekommen. FOTO: Uwe Menschner / Menschner
Neukirch/Lausitz. Trumpf-Gruppe erhält für ihren Hallenbau in Neukirch den Sächsischen Industriekulturpreis. Von Uwe Menschner

Industrie und Kultur – passt das überhaupt zusammen? Bleibt im Umfeld von Konkurrenzkampf und „Maloche“ Zeit und Geld, um sich auch um „weiche“ Faktoren zu kümmern? Die im schwäbischen Ditzingen ansässige Trumpf-Gruppe zählt zu den Unternehmen, die diese Frage für sich mit „Ja“ beantworten. „Wir möchten gesellschaftliche Zukunftsthemen in partnerschaftlichem Verhältnis mitgestalten und mit der Förderung kultureller und künstlerischer Projekte ein inspirierendes Gesamtumfeld für Innovationen schaffen“, heißt es im Leitbild des Unternehmens, das zu den weltgrößten Anbietern von Werkzeugmaschinen gehört.

Und so richtete die Trumpf-Gruppe auch den Neubau einer Montagehalle an ihrem ostsächsischen Standort Neukirch/Lausitz nicht nur an betriebswirtschaftlichen Kennziffern aus. Viel mehr sei es „beispielhaft gelungen, denkmalgeschützte Bausubstanz zu erhalten und durch einen durchdachten Einsatz von Formen und Materialien mit neuen Objekten harmonisch zu verbinden.“ So sieht es zumindest die sächsische Kunstministerin Eva-Maria Stange (CDU), die Trumpf für eben diesen Neubau den Industriekulturpreis des Freistaates überreichte. Mit dem Aufgreifen regionaler Bautraditionen würde das Unternehmen „Verbundenheit mit der Region erzeugen und die Identität der Oberlausitzer stärken.“ Dies sagt laut Ministerin Stange „viel über den respektvollen Umgang mit den eigenen Beschäftigten und deren Ansprüchen an ein modernes Arbeitsumfeld aus.“

Die beauftragten Architekten Barkow Leibinger aus Berlin schätzen selber ein: „Nur mit Blick auf die Details und die Oberflächen wird hier deutlich, was Bestand und was Erweiterung ist.“

Für die Trumpf-Vorstandsvorsitzende Nicola Leibinger-Kammüller stellt der Neubau nur „den ersten Teil eines Masterplans“ dar, der „in den nächsten Jahren fortgesetzt werden soll“. Die circa 4000 Quadratmeter große Hallenkonstruktion soll demnach „der Produktion von Komponenten für die Automatisierung unter anderem von Laserschneidmaschinen dienen, die weltweit verkauft werden.“ Als einen Hauptmarkt sieht Leibinger-Kammüller dabei die USA, trotz aller gegenwärtigen Meinungsverschiedenheiten: „Wir setzen dort auf Automatisierungsprojekte, mit denen wir die großen industriellen Kunden gewinnen wollen.“

Das Engagement der Trumpf-Gruppe in Ostsachsen begann bereits vor der politischen Wende 1989/90. Ab 1988 stattete sie Laserschneidmaschinen des damaligen Kombinates Fortschritt mit leistungsstarken Schneidköpfen aus. Heute beschäftigt Trumpf in Neukirch/Lausitz fast 450 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2016 am Standort einen Umsatz von 124 Millionen Euro. „Trumpf Sachsen steht für eine deutsch-deutsche Wirtschaftsgeschichte mit hoher Kontinuität. Wir sind vor mehr als einem Vierteljahrhundert gekommen, um zu bleiben“, bekräftigt Nicola Leibinger-Kammüller.

Die Trumpf-Gruppe beschäftigt weltweit 12 000 Mitarbeiter an 73 Standorten. Sie ist in den Geschäftsbereichen Werkzeugmaschinen und Lasertechnik tätig und erzielte im Geschäftsjahr 2016/17 einen Gesamtumsatz von 3,1 Milliarden Euro, was einer Steigerung von circa elf Prozent gegenüber dem vorherigen Geschäftsjahr bedeutet. Für die kommenden Jahre wird weiteres Wachstum vor allem im Bereich der Lasertechnik erwartet.