Wo die Hausfrau das Sagen hat, gelten andere Regeln. Die Farben werden wärmer, die Oberfläche kann leicht angeraut sein, sie sollte natürlich wirken. Sandsteinstrukturen sind gefragt oder hölzern aussehende Dekore – auch wenn der Fußboden aus Stein ist. Porcelaingres-Geschäftsführer Wolfgang Bludau nennt solche Trends für den Einsatz von Feinstein oder Feinstein-Fliesen im privaten Wohnbereich. Hier kommt es im Vergleich zu Großobjekten in Handel, Wirtschaft und öffentlichen Bereichen weniger auf Großformatigkeit und „technische Parameter“ eines Fußbodens an, hier soll das Produkt „Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen“ , ist das Auge wichtiger als die Füße.

Was damit gemeint ist, verdeutlicht das Beispiel KaDeWe. Berlins größtes und repräsentativstes Kaufhaus ist von Porcelaingres mit Platten aus „Royal Marmor“ ausgestattet worden. Täglich wird der Boden von 40 000 Besuchern beansprucht. Klar, dass höchste Anforderungen an seine Verschleißfestigkeit gestellt werden. Auch für das künftige Cottbuser Einkaufszentrum Blechen-Carré liefern die Vetschauer abriebfeste Feinsteinplatten – eine beigefarbene Sandsteinimitation.
Für die wenigen Barfuß- oder Pantoffelgänger in Privathaushalten ist fehlender Abrieb aber kaum ein Kaufargument. Bei ihnen sind auch kleinteiligere Formen gefragt. Wenn die Vertriebsleute des erst im Herbst 2003 in Betrieb genommenen Vetschauer Werkes besonders stolz darauf sind, selbst Großplatten in den Abmessungen von 120 mal 60 Zentimetern liefern zu können, so ist das für die Hausfrau ziemlich uninteressant. Deshalb ist die 2007 eingeführte Marke „Schöner Wohnen Fliesen“ konsequent auf die Bedürfnisse der Privathaushalte ausgerichtet und tatsächlich eine gänzlich neue Produktlinie in Vetschau.

Wachsen auf schrumpfendem Markt

Das nunmehr zweite Standbein in Fertigung und Vertrieb bringt schon rund 20 Prozent des Umsatzes, der im vergangenen Jahr 26,2 Millionen Euro erreichte nach 20,6 Millionen 2006. Es hilft dem Unternehmen mit 128 Beschäftigten, in einem schrumpfenden Markt weiter zu wachsen. 1994 habe es in Deutschland noch einen ausgewiesenen Bedarf an Keramik-Fliesen und Feinsteinplatten von 190 Millionen Quadratmetern gegeben, sagt Bludau, heute seien es im Jahr nur noch zwischen 110 und 120 Millionen Quadratmeter. Er nennt dafür mehrere Gründe.

So sei der vereinigungsbedingte Nachfrageboom vorbei, die Bautätigkeit sinke vor allem im privaten Bereich, zudem gebe es eine immens gewachsene Konkurrenz seitens der Laminat- und Parketthersteller. Trotz alledem haben die Vetschauer in ihren ersten vier vollen Produktionsjahren ständig zugelegt – zuletzt auch mithilfe der neuen Marke. Hinzu kommt, dass sie bereits einen Exportanteil von rund 50 Prozent erreichen. Vor allem der osteuropä ische Markt erweist sich laut Bludau als wachstumsstark.

Damit Porcelaingres davon profitieren kann, investiert das italienische Unternehmen Granitifiandre, dem das Vetschauer Werk gehört, kontinuierlich in neue Technik. 50 Millionen Euro flossen in den Aufbau des Betriebes, der als einer der weltweit modernsten der Branche gilt. Weitere fünf Millionen Euro sind seit der Inbetriebnahme in technische Erweiterungen gesteckt worden. Ende Januar nimmt bei Porcelaingres in Vetschau eine weitere Presse – die fünfte – ihre Arbeit auf. Die 2,3 Millionen Euro teure Anlage werde die Kapazität weiter erhöhen und „eine Umsatzsteigerung um etwa 20 Prozent möglich machen“ , sagt der Geschäftsführer.

Im neuen Jahr soll das Händlernetz insbesondere für die Marke „Schöner Wohnen Fliesen“ erweitert werden. Etliche Fachhändler, darunter auch in Cottbus und Forst, führen sie schon. Unter der Marke werden sowohl durchgängig strukturierte Feinsteinplatten angeboten als auch nur oberflächlich strukturierte und glasierte Feinstein-Fliesen. Im Unterschied zu Keramik-Fliesen seien solche aus Feinstein deutlich härter und abriebfester, versichert Bludau. Und mit zehn Millimetern auch dicker und bruchfester als „eine Sechs-Millimeter-Zwei-Euro-Fliese aus Fernost“ .

Auf Qualität gesetzt

Über den Preis, sagt Bludau, „könnten wir im Wettbewerb mit Billigproduzenten nicht bestehen. Wir setzen auf Hochwertiges, auf Qualität, auf die Marke“ . Deshalb „haben wir hier im Werk nur Fachkräfte und keine Zeitarbeiter, wir lassen auch keine Ergänzungsprodukte in Fernost herstellen“ .

Eines der modernsten Feinsteinwerke
Der Porcelaingres-Betrieb in Vetschau gilt als eines der modernsten Feinsteinwerke der Welt. Der Betrieb, der eine 100-prozentige Tochter des italienischen Unternehmens Granitifiandre ist, wurde von diesem 1 : 1 in Crossville (USA/Tennessee) nachgebaut.
Granitifiandre wiederum ist Teil der familiär geführten Iris-Gruppe aus Italien, die global agiert und in 27 Werken etwa 3000 Mitarbeiter hat.