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| 01:06 Uhr

Tröbitzer Sahnestück von Sachsenring

Das brandenburgische Werk Tröbitz hat sich zum Sahnestück im Zwickauer Sachsenring-Verbund entwickelt. Der Betrieb mit derzeit rund 40 Beschäftigten schreibt tiefschwarze Zahlen und hat erfolgreich in eine neue Produktreihe investiert. Die Insolvenz der Sachsenring-Gruppe im Jahr 2002 hat die Geschäfte nicht beeinträchtigt. Von Beate Möschl

„Es gab und gibt keinen Grund, an unserer Struktur etwas zu ändern. Wir sind ein verlässlicher Standort, schreiben tiefschwarze Zahlen“ , sagt der Tröbitzer Werkleiter Dieter Lange. Seit 1983 werden an dem Standort Brems- und Kraftstoffleitungen hergestellt. Damals noch für den Trabant aus den Zwickauer Sachsenring-Werken. 1992 begann die Produktion für Volkswagen – zunächst unter Treuhandregie und nach Insolvenz der Tröbitz Systemtechnik unter dem Dach des Zwickauer Sachsenring-Verbundes.

Sachsenring Zwickau AG gegründet
Der sächsische Automobilzulieferer musste zwar im Mai 2002 Insolvenz anmelden, konnte aber unter Regie des Insolvenzverwalters Dr. Bruno Kübler den Geschäftsbetrieb fortführen. 2003 leitete er die Eigensanierung ein. An beiden Standorten wird nahtlos weiter produziert.
In Tröbitz ohne Einschnitte bei Arbeitsplätzen und Produktprogramm. Hier hat sich im letzten Jahr einiges getan. Rund 700 000 Euro wurden in den Aufbau einer neuen Fertigung investiert. „Wir haben mit der Produktion von Druckmessleitungen für Rußpartikelfilter begonnen“ , erzählt Werkleiter Lange. Auslöser sei eine Anfrage des größten amerikanischen Abgastechnikherstellers Arvin Meritor gewesen. Er habe einen Zulieferer gesucht, der Erfahrung hat mit dem Biegen und Bearbeiten dünnwandiger Rohre. Und die haben die Tröbitzer mittlerweile seit gut 20 Jahren. Heute bestellt Arvin Meritor sämtliche Druckmessleitungen für Rußpartikelfilter im Tröbitzer Sachsenring-Werk. Auch andere Firmen zeigen Interesse, wie Lange schildert. „Es gibt Anfragen von Audi für den neuen A8 und den A6, der ab Herbst in Serie gehen soll, und auch von DaimlerChrysler. Für den neuen Opel Sigma haben wir bereits die Fertigung begonnen.“
Lange rechnet damit, dass das neue Segment Umsatzrückgänge bei Kraftstoff- und Bremsleitungen wettmachen hilft. Der Autokonjunktur-Motor stottert seit geraumer Zeit, die Zahl der Pkw-Neuzulassungen geht zurück. Das bekommen auch die Tröbitzer zu spüren. Bei den Bremsleitungen steht das Werk im Wettbewerb mit Hockenheimer und Heidelberger Herstellern, die unter dem Dach des britischen Autozulieferers ITT beziehungsweise der amerikanischen TI Groupe arbeiten.
Die Produktion von Kraftstoffleitungen hingegen ist reine Hausproduktion. Hier fertigen die Tröbitzer für den Golf 4 und den Passat B 5 von VW, für den Skoda Superb und das Cabriolet Audi A4.
Für den neuen Passat B6, der ab Januar 2005 in Zwickau-Mosel vom Band laufen soll, werden die Tröbitzer erstmals keine Kraftstoffleitungen mehr liefern. „Hier kommen Kunststoffleitungen zum Einsatz“ , erklärt Lange. Er rechnet mit einem Umsatzverlust von rund drei Millionen Euro bei den Kraftstoffleitungen für den Passat. Da die Druckmessleitungen für Rußpartikelfilter nur gut ein Zehntel des Preises erlösen, für den eine Kraftstoff- oder Bremsleitung verkauft werden kann, muss es die Masse machen.

Mehr Absatz durch Euronorm
Lange ist dabei nicht bange. Er weiß: Die Autobauer beginnen zwar zunächst nur in der Premium-Klasse damit, Diesel-Fahrzeuge mit dem Filter auszustatten. Ab 2005 aber wird in Europa die neue Euronorm EU 4 für Abgase wirksam „Diese Norm wird bei den meisten Dieselfahrzeugen nur durch den Einsatz von Rußpartikelfiltern erreicht“ , schildert Lange.
Bei den Bremsleitungen hofft Lange auf eine Kooperation mit der Tube Technology Systems AG, die in Finsterwalde-Massen in einen technologisch einmaligen Betrieb zur Produktion von Bremsleitungen investiert. „Das könnte uns unabhängig machen von unseren Lieferanten und Kosten sparen helfen.“ Derzeit kaufen die Tröbitzer die Bremsleitungsrohre bei ihren direkten Wettbewerbern ITT und TI-Groupe. Sie werden bereits in der passenden Länge geliefert. Im brandenburgischen Sachsenring-Werk werden sie gebogen, konfektioniert und die Enden bearbeitet.

Hintergrund Sachsenring in Eigensanierung
 Knapp 500 Mitarbeiter beschäftigt Rechtsanwalt Dr. Bruno Kübler in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender der im Juli 2003 neu gegründeten Sachsenring Zwickau AG (SRZ AG), darunter 40 im Werk Tröbitz.
Im Mai 2002 hatten die Sachsenring Fahrzeugtechnik GmbH (SFG) und deren Muttergesellschaft, die als Holding fungierende Sachsenring Automobiltechnik AG (SAG), Insolvenzantrag gestellt. Der zum Insolvenzverwalter bestellte Kübler führte den Geschäftsbetrieb mit 850 Mitarbeitern fort.
Nach Darstellung von Kübler war jedoch eine rasche Veräußerung zu einem für die Gläubiger akzeptablen Kaufpreis bei gleichzeitigem Erhalt eines Großteils der Arbeitsplätze nicht möglich. Er stoppte deshalb die Verkaufsbemühungen und leitete die dauerhafte Eigensanierung ein. Dafür wurde die SRZ AG gegründet. Ziel ist, das Unternehmen ohne die Altlast Insolvenz so lange allein fortzuführen, bis eine seinem Wert entsprechende Veräußerung an einen Investor möglich ist. Dafür sieht das Sanierungskonzept einen Zeitrahmen bis Ende 2006 vor. Die Banken, die IG Metall und die Beschäftigten tragen das Konzept mit.
Bis Ende 2003 wurde die Zahl der Arbeitsplätze in Zwickau um 150 auf 460 reduziert. Die verbleibenden Mitarbeiter verzichten auch in diesem Jahr auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie Lohn- und Gehaltserhöhungen. Die Einführung der 35-Stunden-Woche ist ebenfalls kein Thema.
In Zwickau sind der Karosseriebau, die Montage von Achsen, Fahrwerksmodulen, mechanischen Komponenten und Schaltbetätigungen konzentriert. In Tröbitz werden Brems- und Kraftstoffleitungen sowie Rohrleitungen zur Abgasrückführung produziert.