In diesem Jahr werde die Deutsche Telekom zwar ein sehr gutes Ergebnis erzielen, doch müsse der Konzern die Kostenstrukturen stark verbessern. "Viele unserer Probleme werden zur Zeit noch überdeckt", sagte Ricke. "Aber wenn wir sie heute nicht lösen, können sie uns morgen schon umbringen."
Der Abbau in den kommenden drei Jahren soll ohne betriebsbedingte Kündigungen verlaufen. Die Telekom werde Abfindungen, Altersteilzeit und eine Vorruhestandsregelung für Beamte einsetzen, kündigte Ricke an. Zugleich sollen 6000 neue Mitarbeiter eingestellt werden. Die Gewerkschaft Verdi hatte Widerstand gegen die Abbaupläne angekündigt.

Telekom verliert Anschlüsse
Die Telekom steht unter wachsendem Druck der Wettbewerber. Vor allem in der Festnetzsparte - die auch am schwersten von dem Stellenabbau betroffen ist - schwinden die Umsätze. Auch im zukunftsträchtigen Geschäft mit DSL-Anschlüssen legen die kleineren Konkurrenten zu. "Wir verlieren derzeit allein 100 000 Kundenanschlüsse pro Monat an die Konkurrenz", sagte Ricke. Hinzu kämen zum Beispiel auch Call-by-Call-
Angebote oder die wachsende Konkurrenz des Mobilfunks.
Stellen entfielen auch durch den technischen Fortschritt, sagte Ricke weiter. So brauche man nicht mehr so viele Techniker für die Neu- oder Umschaltung von Kunden zum Beispiel nach Umzügen. "Wo keine Arbeit mehr ist, bleibt auch keine Aufgabe." Außerdem brauche man für einen besseren Service auch nicht unbedingt mehr oder gleich viele Mitarbeiter. T-Com verfüge derzeit über 180 Callcenter, die über die ganze Republik verstreut seien. "Wenn wir die Callcenter auf vier bis fünf konzentrieren, wobei ein Teil der Stellen wegfällt, können wir spürbar effizienter werden, ohne die Qualität zu verlieren."

Proteste in Leipzig
Gestern haben mehrere hundert Telekom-Mitarbeiter in Leipzig gegen die Entlassungspläne protestiert. Rund 900 Frauen und Männer seien nach einer turnusgemäßen Betriebsversammlung der Telekomniederlassung in Leipzig spontan auf die Straße gegangen, sagte der Sprecher der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in Sachsen, Jörg Förster.
Die Gewerkschaft Verdi befürchtet einen deutlich stärkeren Stellenabbau unter den Telekom-Mitarbeitern im Osten. "Dafür haben wir eine Reihe von Indizien", sagte Jörg Pfeiffer von Verdi Sachsen. So fehle den Telekom-Mitarbeitern im Osten ein Beamtenstatus, es gebe ausschließlich Tarifkräfte. Etwa ein Drittel der rund 7500 Mitarbeiter der Konzerntochter T-Com in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen arbeite zudem im Netzausbau. Dieser sei weit gehend beendet. Eine weitere Gefahr sieht die Gewerkschaft in den verstärkt im Osten eingerichteten Callcentern.
Nach Angaben der Telekom sind aber noch keine Personalmaßnahmen für einzelne Regionen abgestimmt worden. "Die Spekulation der Gewerkschaft ist unseriös", sagte ein Konzernsprecher.
Im vergangenen Jahr hatte die Telekom 57,9 Milliarden Euro umgesetzt und dabei 4,6 Milliarden Euro verdient. 2005 sollen Umsatz und Gewinn steigen. (dpa/ksi)