Die Auswirkungen der anhaltenden niedrigen Zinsen frustrieren viele Sparer. Wie legt man sein Geld in diesen Zeiten am besten an? Wo gibt es noch eine attraktive Rendite? Die Fragen der Rundschau-Leser zur Geldanlage beantworteten die Experten Silvana Baltin, Ronny Buck und Kerstin Rehbein vom Bundesverband deutscher Banken.

Wir hören überall von Negativzinsen aufs Kontoguthaben. Wie kann man das verhindern?

Aktuell betreffen Negativzinsen in der Regel erst relativ hohe Beträge. Sollte es bei Ihrer Bank dazu kommen, werden Sie vorab informiert. Und dann ist es wichtig, dass Sie aktiv werden und Ihr Vermögen zum Beispiel nach Laufzeiten und verschiedenen Anlageklassen aufteilen. Der Negativzins wird, wenn überhaupt, nur auf Sichteinlagen, Kontoguthaben und Festgelder berechnet. Depoteinlagen sind hiervon nicht betroffen. Sprechen Sie mit Ihrem Berater über Alternativen.

Es gibt keine Zinsen mehr und alles ist unsicher. Da wäre es doch besser, das Geld zu Hause aufzubewahren, oder?

Nein, da laufen Sie Gefahr, dass Einbrecher sich Ihr Geld holen, der Enkeltrick funktioniert leider immer noch gut. Dank der gesetzlichen Einlagensicherung in der Europäischen Union sind Ihre Guthaben auf Girokonten, Sparkonten, Tagesgeldkonten und Festgeldkonten bis 100 000 Euro pro Kunde je Bank abgesichert. In Deutschland liegt die Einlagensicherung aufgrund der zusätzlichen Schutzmechanismen meist wesentlich höher – bei privaten Banken ist das zum Beispiel der Einlagensicherungsfonds.

Aktien schütten ja oft hohe Dividenden aus Aber die Kurse an den Börsen sind hoch – lohnt sich eine Anlage in Aktien jetzt noch?

Langfristig hat eine Aktienanlage die höheren Renditechancen. Doch Sie müssen Kursschwankungen aushalten können. Um das Risiko zu mindern, sollte man nie alles Geld auf eine Karte setzen. Das heißt, Sie sollten nicht in eine, sondern in mehrere Aktien anlegen, am besten weltweit und branchenübergreifend. Wer jetzt einsteigen will, sollte überlegen, nicht alles auf einmal zu investieren, sondern nach und nach mit Teilbeträgen zu kaufen. Achten Sie nicht allein auf die Höhe der Dividenden. Wichtig ist, dass Aktienunternehmen nachhaltig wirtschaften, damit sie regelmäßig Dividenden ausschütten können.

Mein Prämiensparvertrag wurde gekündigt und nun habe ich 45 000 Euro, die ich neu anlegen möchte. Was raten Sie mir?

Hier gibt es keine Pauschalantwort. Es hängt von Ihrer persönlichen Lebensplanung, Ihrer individuellen Risikoneigung, Ihren bisherigen Kenntnissen und Erfahrungen sowie Ihre persönlichen Wünschen und Zielen ab. Wichtig ist eine breite Streuung des Vermögens, um Risiken zu mindern und Flexibilität zu haben. Abhängig von der Anlagezeit ergibt sich ein Mischungsverhältnis aus sicheren Anlageformen (z.B. Bankeinlagen/Anleihen/Renten/offene Immobilienfonds) und offensiveren Wertpapieren (z.B. Aktien/ETFs/Fonds). Lassen Sie sich beraten und holen Sie ruhig mehrere Angebote zum Vergleich ein.

Und was mache ich mit dem monatlich frei gewordenen Sparbetrag? Ich möchte gerne weiterhin monatlich 200 Euro zur Seite legen.

Für den weiteren, langfristigen Vermögensaufbau sind Fondssparpläne (ETFs, Aktienfonds, ETCs) gut geeignet. Wer regelmäßig in Fonds anlegt, kann vom Cost-Average-Effekt profitieren: Bei niedrigen Kursen werden mehr, bei hohen Kursen weniger Fondsanteile gekauft. So ergibt sich langfristig ein günstiger Durchschnittskurs. Fondssparpläne sind flexibel, Sie können jederzeit den Betrag erhöhen oder reduzieren, oder sogar ganz aussetzen. Sie müssen aber Kursschwankungen aushalten können, die je nach Fondsart unterschiedlich stark sein können.

Sparen in der Niedrigzinsphase
Sparen in der Niedrigzinsphase
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Ich bekomme in Kürze Geld aus einem gekündigten Sparplan. Soll ich das Geld in Gold- oder Silbermünzen anlegen?

In unsicheren Zeiten ist Gold beliebt, doch der Goldpreis ist momentan hoch. Und er entwickelt sich nicht stabil, vielmehr schwankt der Goldpreis erheblich. Zudem bringen Gold und Silber keine regelmäßigen Erträge, eine Rendite ist nur zu erzielen, wenn Sie zu einem höheren Preis verkaufen, als Sie gekauft haben. Edelmetalle sind nur als kleine Beimischung eines breit gestreuten Vermögens ratsam, auf keinen Fall sollten Sie alles in Edelmetalle anlegen. Achten Sie auf die Kauf- und Verkaufsgebühren und denken Sie an die Sicherheitsaspekte bei der Verwahrung.

Warum dauert es mittlerweile so lange, wenn ich Aktien kaufen oder verkaufen möchte?

Die regulatorischen Anforderungen sind stark gestiegen, sorgen aber für einen höheren Kundenschutz. Dazu gehört unter anderem auch eine größere Transparenz der Kosten, um Vergleiche zu ermöglichen und Renditeaspekte besser verfolgen zu können. Und die Kundenberatung samt Dokumentation bezüglich Ihrer Risikobereitschaft, dem Anlagehorizont, Ihrer Erfahrungen und Wünschen nimmt Zeit in Anspruch.

Ich habe ca. 100 000 Euro zur Anlage frei, will mich aber nicht regelmäßig um die Anlage und deren Details kümmern. Was für Möglichkeiten gibt es?

Sie könnten sich überlegen, ein Großteil der Summe in eine Vermögensverwaltung zu geben. Nach einem ausführlichen Gespräch bestimmen Sie die Anlageziele und Ihre Risikobereitschaft. Die Vermögensverwaltung verteilt dann weltweit und reagiert aktiv auf die Veränderungen am Kapitalmarkt. Behalten Sie sich eine Liquiditätsreserve für Notfälle und geplante Ausgaben.

Ich habe 30 000 Euro geerbt. Soll ich das besser anlegen oder lieber meinen Immobilienkredit mit einem Zinssatz von 3,5 Prozent reduzieren?

Grundsätzlich lohnt sich im Moment der Abbau von Schulden. Wenn Ihr Kredit also ein Sondertilgungsrecht vorsieht, wäre es eher sinnvoll, den Kredit zu reduzieren. Mit sicherheitssorientierten Anlagen ist der genannte Zinssatz momentan nicht zu erreichen.

Bei einer Bank im Ausland gibt es noch über ein Prozent Zinsen fürs Festgeld. Ist mein Geld dort sicher?

Informieren Sie sich gründlich über die Einlagensicherung der ausländischen Bank. Die ist nicht überall so gut wie in Deutschland. Möglicherweise „zahlen“ Sie für den höheren Zins weniger Sicherheit.

Ich möchte für meine Enkel sparen, sowohl monatlich als auch zusätzliche Einmal-Einzahlung zum Bespiel zum Geburtstag. Was kommt infrage?

Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, zum Beispiel Sparpläne mit Wertpapieren (Aktien/Fonds/ETFs), Bausparverträge oder fondsgebunde Versicherungen. Die Auswahl hängt davon ab, wie lange der Sparplan laufen soll, was damit erreicht werden soll und welche Verfügungsmöglichkeiten bestehen sollen. Auch die Risikobereitschaft spielt eine Rolle. Holen Sie sich individuelle Angebote bei mehreren Kreditinstituten ein, dann können Sie vergleichen.

Ich bin 80 Jahre alt und möchte 10 000 Euro anlegen. Weiteres Vermögen in verschiedenen Anlageklassen sowie Liquidität sind vorhanden. Mit Aktienfonds habe ich auch schon Erfahrungen. Wie kann ich das Geld anlegen, um zumindest die Inflation zu schlagen?

Mit festverzinslichen Anlagen ist das aktuell nicht zu machen. Mit etwas Risikobereitschaft kommen zum Beispiel Mischfonds infrage. Mischfonds beinhalten, je nach Fondsausrichtung, eine breite Streuung in verschiedene Anlageklassen und Länder. Es gibt Mischfonds, die ihre Erträge ausschütten und solche, die sie wieder neu anlegen. Langfristig bieten Mischfonds je nach Höhe der Aktienquote im Vergleich zu festverzinslichen Anlagen gute Renditechancen. In der Regel kann man seine Fondsanteile kurzfristig verkaufen, falls das Geld benötigt wird.

Was ist von offenen Immobilienfonds zu halten?

Wenn Sie Ihr Geld mittel- bis langfristig anlegen können, also fünf Jahre oder länger, können offene Immobilienfonds als Beimischung zu einem breit gestreuten Vermögen gut geeignet sein. In der Regel bieten offene Immobilienfonds eine stabile Rendite von etwa zwei bis drei Prozent bei überschaubarem Risiko und geringer Wertschwankung. Da der Fonds in Immobilien und somit in Sachwerte investiert, bieten sie gleichzeitig noch einen gewissen Inflationsschutz. Sie müssen eine zweijährige Mindesthaltefrist beachten und eine einjährige Kündigungsfrist - wobei bereits während der Mindesthaltefrist gekündigt werden kann. Achten Sie auch auf die Kosten.