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| 08:51 Uhr

Wuppertal
Tee statt Thermomix

Wuppertal. Vorwerk hat eine neue Produktreihe: Mit der Teemaschine Temial hofft das Wuppertaler Unternehmen auf neue Umsätze. Das Gerät kann losen Tee nach chinesischer Tradition aufbrühen und ist mit dem Smartphone verknüpft. Milena Reimann

Vorwerk hat eine neue Produktreihe: Mit der Teemaschine Temial hofft das Wuppertaler Unternehmen auf neue Umsätze. Denn das Geschäft mit der Küchenmaschine schwächelt.

Seit Wochen hatte Vorwerk seine Online-Community auf die Folter gespannt: In kleinen Videos und Texten gab das Unternehmen Hinweise auf sein neues Produkt. Ein neuer Thermomix, mit dessen digitaler Variante Vorwerk für eine Hype gesorgt hatte, sei es nicht, hieß es. Dafür habe das Gerät mit Dampf, Konnektivität, Haptik und Wohlfühlen zu tun. Seit gestern weiß man: Es ist eine Teemaschine.

Temial heißt das Gerät, mit dem Vorwerk für neue Umsätze sorgen will. Den Mehrwert beschreibt das Unternehmen so: Die Maschine braut losen Tee nach traditioneller, chinesischer Zeremonie. Wer eine der zunächst zehn Teesorten - von Minze-Zitrus über Schwarztee mit Kakao-Vanille-Geschmack bis hin zu einem Weißtee namens Fu Ya Bai Ming - mit Temial brühen will, hält den auf der Packung aufgedruckten QR-Code an die Maschine. Diese brüht dann je nach Sorte mit einer anderen Temperatur und Ziehzeit. Wie bei der chinesischen Zeremonie wird der erste Aufguss weggeschüttet, danach kann der Tee mehrfach aufgebrüht werden.

Die neue Maschine soll für neues Wachstum sorgen. Die Umsätze des Wuppertaler Unternehmens - Gewinne veröffentlicht Vorwerk traditionell nicht - waren im Geschäftsjahr 2017 leicht von 3,05 Milliarden Euro im Jahr 2016 auf nun 2,9 Milliarden zurückgegangen. "Wir hatten 2016 allerdings ein absolutes Rekordjahr, das sich so nicht dauernd wiederholen lässt", sagt Reiner Strecker, einer der drei persönlich haftenden Gesellschafter.

Vor allem der Umsatz der smarten Küchenmaschine Thermomix ging 2017 zurück. Hatte der Verkaufsschlager 2016 noch fast 1,3 Milliarden Euro eingebracht, fiel der Umsatz 2017 auf 1,1 Milliarden. Einzig Vorwerks Mittelstands-Finanzierer Akf konnte nennenswerte Umsatzzuwächse verzeichnen (2016: 430 Millionen Euro, 2017: 446 Millionen Euro). Strecker sagt, man sei zufrieden und gehe nun nach sieben Jahren des Wachstums in eine Phase der Konsolidierung.

Nun also Tee. Vorwerk will mit dem Temial zunächst in Deutschland und China starten. In dem asiatischen Land sei vor Jahren bei einem internen Workshop auch die Idee für eine smarte Teemaschine entstanden. Anfangs habe es lange Diskussionen mit den Vorwerk-Gesellschaftern gegeben, deuten die beiden neuen Geschäftsführer von Temial bei der Geräte-Präsentation an. Letztlich habe Vorwerk sie aber machen lassen, quasi ein Start-up im Unternehmen gegründet. Das Zwei-Mann-Team ist inzwischen auf über 30 Mitarbeiter gewachsen.

In den kommenden Monaten will Vorwerk die Marketing-Maschine für ihren Temial anlaufen lassen. Dabei setzt das Unternehmen im Unternehmen neben Videos und Bloginhalten auch auf Influencer. Diese jungen Leute, die mit Marketing und Selbstdarstellung in den sozialen Medien Geld verdienen, sollen zu Probieraktionen eingeladen werden - und im Idealfall Tee und Teemaschine über ihre Social-Media-Kanäle bekannt machen. Auch bei der Produktpräsentation wird ordentlich die Werbetrommel gerührt. Man wolle den Teegenuss revolutionieren, heißt es etwa. Statt den "Tee mit 100 Grad heißem Wasser zu ertränken" verspreche man eine "Gelinggarantie". Natürlich sei die Maschine per Smartphone steuerbar, dort kann auch Statistik über den eigenen Teekonsum geführt werden.

Allerdings: Was Vorwerk im Vorfeld als "Weltneuheit" angekündigt hat, gibt es in ähnlicher Form schon auf dem Markt. So bieten etwa Teekanne oder Krups Kapsel-Geräte an, unter anderem Gastroback hat einen Teeautomat für losen Tee im Angebot - alle sind deutlich günstiger, als die 599 Euro, die der Temial mit Zubehör kosten soll. Ab Juni kann er vorbestellt werden, ausgeliefert wird im Spätsommer.

"Viele Millionen" sind laut Gesellschafter Strecker in das Projekt geflossen. Noch gießen Chinesen ihren Tee "mit der Hand", sagt er. Ist der Temial also auch ein Angriff auf die chinesische Tradition? "Sagen wir: ein freundlicher Angriff."