Condor, Fraunhofer Pyco, Anecom Aerotest und FTT mit ihrer Turbomaschinen-Technologie sind schon da. Weitere Unternehmen haben Interesse am Standort Wildau, der einen Katzensprung vom künftigen Flughafen BER und der Hauptstadt Berlin mit internationaler Sogwirkung entfernt ist. Deshalb will er wachsen, und das gleich richtig. 40 Hektar südlich der A 10 in Richtung Funkerberg könnten zu den 2,3 Hektar am ehemaligen Schwermetallbau-Standort hinzukommen. Wenn klar ist, wohin die Reise geht.

Dazu musste Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos) gar nicht den warnenden Zeigefinger erheben. Drei Monate lang hatten sich Professoren, Praktiker und Pragmatiker rund um die TH Wildau die Köpfe heiß geredet, welche Stärken und Schwächen der Standort mitbringt, welche Möglichkeiten sich daraus ergeben. Herausgekommen sind zahlreiche Ideen in Luftfahrt, Logistik, Energietechnik und Gesundheitswirtschaft.

"Hervorragende Ansatzpunkte, um da weiterzumachen", bescheinigte Kunst, mahnte aber auch: "Woran konkret die Entwicklungen ansetzen sollen, das wäre wichtig."

Auch die Professoren selbst forderten Strukturen, in denen ihre Ergebnisse weiterentwickelt und konkretisiert werden sollen. Die Vorträge von Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Die Linke) und Europa-Abgeordnetem Christian Ehler (CDU) unterstrichen, dass die finanziellen Zuschuss-Ressourcen in den kommenden Jahren schwinden. Christoffers setzte die entwickelten Ideen zudem in Realismus-Bezug zu den Landeszielen, wie er sie sah: beispielsweise die Entwicklung von industriellen Großspeichern in der Energietechnik statt der von den Professoren gesehenen Klein- und Mittelspeicher für Einfamilienhäuser und Wohnblocks. Oder die logistische Herausforderung des strukturschwachen Raums gegenüber der vorgeschlagenen Entwicklung für Megastädte. Mit Ehler und Kunst war er sich einig, dass der Standort, insbesondere die TH Wildau, bei der Forschung und Entwicklung auf Kooperationen setzen sollte. "Schauen Sie doch nach Cottbus", sagte Professor Stephan Staudacher, der im Bereich Luftfahrt die Vision "Entwicklung von Gondeln von Turboflugtriebwerken" vorstellte. "An der BTU gibt es Leute, die können das konstruieren. Tun Sie sich zusammen!" Dabei beschönigten die Gutachter wenig: "Die Hochschule hat noch einen sehr weiten Weg zu gehen", so Staudacher. Der Luftfahrt-Standort sei im Vergleich zu anderen sehr jung und habe ein sehr enges Kernkompetenzportfolio.

Warum der Standort trotzdem überzeugt, machte Praktiker Hans-Jürgen Kiesow deutlich. Er ist Geschäftsführer der FTT Deutschland, seit einiger Zeit aus Miami in Wildau angesiedelt. Die FTT entwickelt Technologien und baut Turbomaschinen, unter anderem für die US Army, die Nasa, Rolls Royce oder Siemens. Kundennähe, Infrastruktur (öffentliche Verkehrsmittel) und Ressourcen nannte er als große Vorteile. Die Nähe zu Berlin sei verlockend für Fachkräfte, auch hochspezialisierte. Neben dem Flughafen-Drama ("Wir sind sprachlos, mit welcher Leichtigkeit das hier behandelt wird. Und es ist nicht erkennbar, dass sich entscheidend etwas verbessert.") erwarte sein Unternehmen, dass die TH Wildau ihr Angebot an Studiengänge stärker an den Bedürfnissen der Firmen ausrichtet. Und, dass die Netzverbindungen schneller und die Übertragungsraten größer werden - was ihm ein einmütiges Nicken aus dem Publikum einbrachte.

Zum Thema:
Der Technologiepark Wildau hat sich nach 1990 am vormaligen Schwermaschinenbau-Standort mit mehr als 100 Jahren Industriegeschichte angesiedelt. Hier wurden Loks, Rüstungsteile und Kurbelwellen hergestellt. In den vergangenen 20 Jahren ließen sich rund 60 Unternehmen mit 500 Mitarbeitern aus den Branchen Luftfahrt, Anlagenbau, Software und Kommunikation sowie unternehmensnahe Dienstleistungen nieder. Bund, Land und Dahme-Spreewald haben in die Gebäude (Sanierung der Backsteingebäude und neue Häuser) rund 45 Millionen Euro investiert. Das Besondere am Standort wenige Kilometer südlich von Berlin ist die enge Verbindung von Technologiezentrum, TH Wildau und Flughafennähe. Diese Stärke soll die Grundlage für die weitere Entwicklung bilden.