Es werde geprüft, rund 160 000 kleinere und mittelständische Kunden an die Privatkundensparte T-Home zu verlagern, sagte Vorstand Reinhard Clemens gestern vor Journalisten in München. Konzernkreisen zufolge macht die Telekom-Tochter einen jährlichen Umsatz von rund vier Milliarden Euro. Bei T-Systems sollen nach der Umstrukturierung nur noch Großkunden wie die Deutsche Post und Daimler verbleiben. Der Umstrukturierung muss der Aufsichtsrat im November noch zustimmen.

8000 Mitarbeiter betroffenNach Angaben von Clemens sind von dem Umbau rund 8000 Mitarbeiter betroffen, die zu unveränderten Konditionen für T-Home arbeiten sollen. Für die Beschäftigten werde sich nichts ändern, sie würden an ihrer Arbeitsstelle bleiben, sagte Clemens. Nach Informationen der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX könnten aber einige Hundert Stellen wegfallen, da es im Vertrieb Überschneidungen gibt.

Bei den Kunden, die künftig von T-Home betreut werden sollen, handelt es sich um kleinere Geschäfte wie Metzgereien oder Steuerbüros. Diese benötigen Telekom- und selten IT-Dienstleistungen. Bei der Kundengruppe steht die Telekom unter starkem Konkurrenzdruck, was Umsätze und Margen schmälert.

Dies macht sich auch 2008 bemerkbar: Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Clemens einen deutlichen Umsatzrückgang. Der um zwei bereits abgegebene Bereiche bereinigte Umsatz werde allerdings nur leicht zurückgehen und sich damit besser als erwartet präsentieren. Den Rückgang begründete Clemens mit geringen Geräte-Verkäufen sowie dem Wettbewerb auf dem Telekommarkt. Operativ entwickele sich das Geschäft besser als erwartet, was Clemens mit Einsparungen begründete. Entgegen frühere Planungen rechnet er nun sogar mit einem positiven Ergebnis vor Steuern und Zinsen.

Ungeachtet des Umbaus hält Clemens Ausschau nach Akquisitionen. Ziel sei es, der größte Anbieter Europas zu werden und weltweit unter die ersten fünf aufzurücken. T-Systems tritt damit in stärkere Konkurrenz zu den US-Schwergewichten IBM und Hewlett-Packard. Nach Angaben von Clemens wird T-Systems vor Jahresende einen weiteren Großauftrag erhalten. Dabei handele es sich um einen deutschen Großkonzern, sagte der Konzern-Manager. Details nannte er nicht.

T-Systems war erst im März vom Ölkonzern Shell mit der Betreuung seiner Rechenzentren beauftragt worden. Der Auftrag hat ein Volumen von einer Milliarde Euro.

Fokussiert auf IT-GeschäftMit der geplanten Verlagerung von Kunden zu T-Home geht die Neuausrichtung von T-Systems weiter.

Im Jahr 2008 hat sich die in Frankfurt/Main angesiedelte Telekom-Tochter zudem von Randbereichen getrennt und die Sparte Systems Integration mit rund 15 000 IT-Fachkräften in eine Kooperation mit der indisch-amerikanischen Cognizant eingebracht. Mit der Umstrukturierung will Clemens T-Systems stärker auf das IT-Geschäft fokussieren und damit vom Telekommunikationsmarkt unabhängig machen. dpa/rb