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| 01:02 Uhr

Supermarkt mit Sprachhilfe und Blindenschrift

Im Chemnitzer „Supermarkt der Generationen“ ist Einkaufen stressfrei. Breite unverstellte Gänge, gut rollende Einkaufswagen, lesbare Etiketten und Lupen erleichtern gerade Älteren und Sehschwachen den Griff ins Regal. Hier finden sogar Blinde dank eines ausgeklügelten Leitsystems, das von der Blindenschrift bis zum sprechenden Scanner reicht, den Weg zum gewünschten Produkt. Von Berthild Dietrich

"Unser Markt war der Erste, der sich Menschen mit besonderen Bedürfnissen zuwendet", sagt die Sprecherin der Edeka-Handelsgesellschaft Nordbayern-Sachsen-Thüringen, Ulrike Stöcker. "Er ist aber kein Markt nur für alte Leute", betont sie. Die Handelseinrichtung habe mit dem unmittelbar benachbarten Sächsischen Förderzentrum für Blinde und Sehbehinderte (SFZ) zusammengearbeitet. Fast alle Hinweise des Förderzentrums seien beim Umbau des Marktes berücksichtigt worden.
"Selbst das Personal haben wir geschult", berichtet Michaela Bitterlich, Rehabilitationslehrerin am SFZ. Sie nutzt zum Beispiel den Markt für das Orientierungs- und Mobilitätstraining ihrer Schüler. "Das Schöne daran ist, die Behinderten können dann selbstbestimmt einkaufen."
"Die Resonanz auf den Markt ist gut, täglich haben wir rund 1000 Kunden", sagt der stellvertretende Marktleiter Ronny Koch. Der 24-Jährige hat gemeinsam mit den 15 Mitarbeitern ein Auge darauf, dass die Brötchen stets frisch sind und der Kaffee im Regal gut erreichbar ist. "Wir haben zudem ein gutes Angebot an Bio-Produkten und Diät-Waren. Wichtig ist auch, dass die Waren nahezu am selben Platz bleiben", sagt der junge Mann. "Wenn doch ein Kunde nicht klar kommt, genügt ein Knopfdruck und wir sind für ihn da." Zwei große leuchtend rote Knöpfe am Eingang und in der Ruhezone lassen da keinen Wunsch offen.

Begeistert vom Personal
Vom netten Personal ist Gerda Wünsch begeistert. Die 85 Jahre alte Dame ist auch von den sortimentreichen Single-Packungen angetan. Die gleichaltrige Brunhilde Niklas findet den Supermarkt insgesamt schön. "In den breiten Gängen kann man auch mal schwatzen, da wird nicht gleich geschubst", sagt sie. Detlef Schönherr freut sich über das übersichtliche Warenangebot. Da er Probleme mit den Hüftgelenken habe, brauche er viel Platz. "Den habe ich hier, da nehme ich gern einen etwas weiteren Anmarschweg in Kauf."

Schon viele Nachahmer
Der Chemnitzer Generationenmarkt, der Ende 2004 öffnete, hat inzwischen in Bautzen, Großenhain, Flöha, Nünchritz, Annaberg-Buchholz, Görlitz und Großenhain Nachfolger gefunden. "2006 sollen weitere sechs Märkte in Sachsen und Thüringen nach diesem Baukastenprinzip gestaltet werden", erläutert Stöcker.
Das erfolgreich in Chemnitz gestartete Projekt wurde im Oktober auf der Seniorenmesse "vitactiv" in Essen mit dem Innovationspreis 2005 in der Kategorie Dienstleistungen ausgezeichnet. Das Konzept unter anderem mit Erste-Hilfe-Ausbildung für alle Beschäftigten und Defibrillatoren - das sind Elektroschockgeräte zur Beseitigung von Herzmuskelstörungen - im Sanitätsraum sorgten für einen sicheren und entspannten Einkauf, urteilte die Jury. So können Senioren länger selbstständig bleiben.