Das ist das Ergebnis einer Konjunkturumfrage der Industrie- undHandelskammer (IHK) Cottbus unter 400 von 36 300Mitgliedsbetrieben. IHK-Hauptgeschäftsführer Joachim Linstedtmeint jedoch, dass die Stimmung schlechter ist als die Lage.Ursachen für die gedrückte Stimmung im Kammerbezirk seien diefehlende Binnennachfrage und der damit einhergehendeAuftragsrückgang in allen Wirtschaftsbranchen sowie dieinnenpolitischen Unsicherheiten, erläuterte Linstedt gestern inCottbus. „Wir rechnen in den ersten drei Monaten dieses Jahresnicht mit einer Belebung der Wirtschaft in Südbrandenburg“ ,sagte er. Vor allem im Baugewerbe sei der Auftragsbestand weiterrückläufig. Die Ertragslage habe sich in vielen Betriebendramatisch verschlechtert. Das werde zu weiteren Insolvenzenführen.

Weiterer Stellenabbau geplant
Lediglich dasDienstleistungsgewerbe konnte sich Linstedt zufolge zuJahresbeginn auf Vorjahresniveau halten. Jedoch sei auch indieser Branche „kein wesentliches Wachstum“ zu erwarten. „Dieungünstige wirtschaftliche Lage in der Industrie und imBaugewerbe verursacht bei den unternehmensnahen Dienstleisterneinen sinkenden Auftragsbestand und somit eine Verschlechterungder Ertragslage“ , machte der IHK-Hauptgeschäftsführer deutlich.Besonders stark unter Druck seien die Verkehrsbetriebe. „Diesteigenden Kosten, bedingt durch hohe Kraftstoffpreise, und dermassive Preiswettbewerb bringen sie an die Grenze ihrerunternehmerischen Handlungsspielräume.“
Wo Wachstum ausbleibe, könne sich der Arbeitsmarkt nicht erholen,so der Kammerchef. 40 Prozent der befragten Unternehmen gingenvon einem weiteren Stellenabbau aus.
Auch mit Investitionen hielten sich immer mehr Betriebe zurück.Gaben zu Beginn des vergangenen Jahres 52 Prozent der Unternehmenan, keine Investitionen zu planen, waren es in diesem Jahrbereits 62 Prozent. Jedoch steige die Bereitschaft, im Ausland zuinvestieren, insbesondere in Polen.
Der IHK-Chef wehrt sich gegen Pessimismus: „Es gibt keinen Grund,alles hinzuschmeißen und das Licht auszumachen.“ Es gebe eineReihe „positiver Signale“ wie das Wachstum der Auslandsumsätze imverarbeitenden Gewerbe Südbrandenburgs um 20 Prozent imvergangenen Jahr. „Das unterstreicht die Wettbewerbsfähigkeitunserer Unternehmen, die sich in einem hartenVerdrängungswettbewerb durchsetzen.“ Auch die Ansiedlung derPapierfabrik in Schwarze Pumpe als jüngstes Beispiel sei einHoffnungssignal. Ebenso wie das Feinsteinzeugwerk in Vetschauoder der Windkraftanlagenbauer Vestas, der in Lauchhammerinvestiert, die Biodieselanlage in Schwarzheide oder dieAnsiedlung des europaweit größten Gebrauchtwagencenters vonDaimlerChrysler in Niederlehme. „Das Gründergeschehen war 2002nicht rückläufig“ , setzte Linstedt die Positiv-Liste fort. Zudemgebe es erste gute Erfahrungen mit länderübergreifendenNetzwerken von Unternehmen und Hochschulen. „Netzwerkarbeitwerden wir aus eigenen Mitteln in diesem Jahr unterstützen. Dasist einmalig in der IHK-Landschaft“ , sagte Linstedt.

IHK teilt Fördermittel aus
Die Vollversammlung der IHK habe im Dezember 2002 grünes Lichtgegeben, einen Teil der Mitgliedsbeiträge als Anschubfinanzierungfür die regionale Wirtschaft zu verwenden. Drei spezielleFörderprogramme soll es geben, deren Volumen Linstedt allerdingsnicht beziffern wollte. Die Kammer trete damit nicht inKonkurrenz zur Förderung auf EU-, Bundes- und Landesebene. Siewolle die regionale Wirtschaft ermutigen, Neues zu unternehmen,betonte der IHK-Chef.
Der Reformstau in der Bundespolitik laste schwer auf derregionalen Wirtschaft. „Nur wenn es gelingt die sozialenVerkrustungen in der Tarifpolitik und beim Kündigungsschutzaufzubrechen, die überbordende Bürokratie abzubauen und dieLohnnebenkosten zu reduzieren, hellen sich die Aussichten auf“ ,erklärte Linstedt. Auf Landesebene dürfe nicht zu Lastenöffentlicher Investitionen und Fördermittel gespart werden. „Wirbrauchen die Förderung des Landes dringend als Ausgleich für dieDefizite unseres Standortes.“