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| 15:54 Uhr

KOLUMNE MEINE WIRTSCHAFTSWOCHE
Kommissionieren und machen lassen

Beate Möschl
Beate Möschl FOTO: LR / Sebastian Schubert
Wenn die Kohle(kommission) nicht zu uns und vor allem mit uns kommt, dann kommen wir eben – ihr zuvor. Mit besten Ergebnissen und einer  Vielfalt des  Strukturwandels, die das später von Altkanzler Helmut  Kohl als Fehleinschätzung bewertete Versprechen von blühenden Landschaften im Osten nach der Vereinigung keineswegs Lügen straft.

Denn noch haben wir das Potenzial – und schon längst viele neue Dinge auf  den Weg gebracht. Stichwort Erneuerbare Energien, Algen, Gesundheits- und Pflege-Campus, Rekultivierung, Lausitzer Seenland, digitale  Fernwartung...

 Der Strukturwandel in der Lausitz ist auf den ersten Blick tatsächlich bunter, als er oft gemalt wird. Freilich zeigt der zweite Blick, dass das nicht über die substanzielle Schwäche der Lausitz, des Ostens überhaupt, hinweg täuschen kann. Nicht über verlängerte Werkbänke. Und nicht über mangelnde Industriearbeitsplätze samt Forschung und Entwicklung und gut bezahlte Jobs. Eines aber haben wir, worauf wir stolz sein und aufbauen können: Starke mittelständische Unternehmen und leistungsbereite Menschen, die auch an verlängerten Werkbänken alles geben, damit  ihnen keiner ihren Arbeitsplatz wegnehmen kann. Inzwischen wird das Durchhalten sogar belohnt, und das schöpferische Bewusstsein des Ostens gewinnt eine neue Qualität. Dafür stehen  die Ausweitung der Exportquote und millionenschwere Investitionen in Traditionsunternehmen wie REISS Bad Liebenwerda,  Logistikzentren, Eisengießerei und Papierfabrik genauso wie Tarifabschlüsse  in der Metall- und Elektroindustrie und in der Baubranche, die überraschend gut dotiert sind – der Fachkräftemangel macht es möglich. Die nächste Botschaft könnten wieder mehr Arbeitsplätze in Glaswerken sein, denn dank denen  könnten wir dem  Rohrkrepierer EU-Plastik-Verbot einiges entgegensetzen, das über Verbote  oder die Wiederverwendung von Einwegflachen als Einkaufstasche und Fleece-Pullover hinausgeht. Bringt wieder mehr Lebensmittel und Kosmetik  ins Glas, das stärkt auch unsere Gesundheit und entlastet das Krankheitssystem, möchte man laut bis Brüssel rufen – und  obendrein  für Gewächshäuser mit Gemüseproduktion und Lieferung auf kurzem Weg statt über weites Ausland werben – angesichts der Wetterkapriolen sind bei exzellentem Wassermanagement wohl auch hierzulande bald mehrere Ernten im Jahr möglich und neues Landwirtschaftsmanagement. In der Schweiz machen Bauern  inzwischen  mit Seidenraupenzucht sogar Asien Konkurrenz.  Natürlich könnten wir hier  noch ganz andere Fäden und Netzwerke spinnen, denn nicht zuletzt geben Textilfabriken wie die Spinnerei Forst als älteste und zugleich modernste ihrer Zunft in Europa oder namhafte  Hersteller traditioneller wie technischer Gewebe in Sachsen noch Stoff, unterstützt von exzellenten Universitäten und innovativen Dienstleistern, was sie zu weltweit gefragten Adressen macht. Das lädt ein, dabei zu sein im Strukturwandel-Kompetenzlabor  Lausitz und mit den nachnutzbaren Erfahrungen von hier  nicht weniger als die ganze Welt zu bewegen. Lausitzer können das. Nur reden wollen sie nicht so gern, schon gar nicht ihre Worte fehlinterpretieren oder ignorieren lassen. Machen statt Reden, das ist ihre Stärke. Man muss sie nur lassen.