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| 05:00 Uhr

Strukturwandel in der Lausitz
Zukunft scheint gesichert: Neuer Großauftrag für Bahnwerk Cottbus

 Dieselloks sind die Spezialität der Cottbuser. Mit ihrer neuen Technik sollen sie den Bahn-Rangierlok-Park umweltfreundlicher und fit für die Zukunft machen.
Dieselloks sind die Spezialität der Cottbuser. Mit ihrer neuen Technik sollen sie den Bahn-Rangierlok-Park umweltfreundlicher und fit für die Zukunft machen. FOTO: Z1015 Bernd Settnik
Cottbus. Nach Jahren der Ungewissheit ist die Zukunft des Bahn-Instandhaltungswerkes in Cottbus offenbar gesichert. Gründe dafür sind der Erfindergeist der Lausitzer Bahntechniker und der Kohleausstieg. Derzeit gibt es offenbar vertrauliche Gespräche zum Bahnwerk. Von Jan Siegel

Wenn in Brandenburg die Rede ist von Instandhaltungswerken der Bahn, dann war das in den vergangenen Jahren immer irgendwie verbunden mit Angst. Groß ist die Unsicherheit seit Jahren in Cottbus wenn es um die Zukunft des dortigen Werkes ging. Und das diese Angst nicht ganz unbegründet war, zeigte sich am Beispiel des Bahnwerks in Eberswalde.

Die Deutsche Bahn hatte vor einigen Jahren das Interesse an an dem einstigen 300-Mann-Betrieb in der Brandenburgischen Provinz verloren. Ein erster Verkauf des Wekes endete krachend im Jahr 2017 mit einer blitzsaubere Insolvenz. Das Bahnwerk wurde zu einem Politikum.

Sachverstand und regionale Wurzeln

Inzwischen zwischen läuft der Laden in Eberswalde wieder. Der Fall beweist, dass Geld allein in der Branche nicht reicht, um am Markt erfolgreich zu sein. Regionale Verwurzelung und vor allem technischer Sachverstand hatten das Werk in Eberswalde letztlich wieder aus dem Sumpf der Insolvenz gezogen.

 Zurückgehende Aufträge waren der Grund für die Probleme in Eberswalde.
Zurückgehende Aufträge waren der Grund für die Probleme in Eberswalde. FOTO: Bernd Settnik

Anfang 2018 übernahm die Schienenfahrzeugbau Wittenberge GmbH den Betrieb in Eberswalde. Die Firma ist eine Tochter der Deutsche Eisenbahn Service AG (Desag). Seit 2015 schon hatten sich die Desag-Fachleute aus Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern um den Eberswalder Fertigungs- und Instandhaltungsbetrieb beworben, doch zum Zug gekommen waren sie erst, als die Lage aussichtslos schien. Inzwischen sind die Eberswalder auf Wachstumskurs.

Bahn-Instandhaltung im Aufwind

Was im Januar 2018 mit nur 79 verbliebenen Mitarbeitern begonnen hatte, wuchs bis zum Jahresende auf 133 Mitarbeiter. „Für 2019 rechnen wir mit 150 Mitarbeitern bis Juli und hoffentlich 165 Mitarbeiter bis Ende des Jahres.", gab sich Oliver Wiechmann, der Geschäftsführer der Schienenfahrzeugbau Wittenberge, Ende vorigen Jahres optimistisch.

 Ein Radsatz am Haken. Die Cottbuser Bahntechniker kennen sich aber nicht nur mit der ganz schweren Technik aus. Sie sind auch fit für eine hybride Zukunft.
Ein Radsatz am Haken. Die Cottbuser Bahntechniker kennen sich aber nicht nur mit der ganz schweren Technik aus. Sie sind auch fit für eine hybride Zukunft. FOTO: Z1015 Bernd Settnik

Im Cottbuser Instandhaltungswerk ging zu dieser Zeit gerade wieder einmal die große Verunsicherung um. Das Werk in der Lausitz gehört nach wie vor zum Bahnkonzern. Das Staatsunternehmen wolle den Standort in Cottbus in den kommenden Jahren deutlich schrumpfen, hieß es noch Ende 2018. Von einer drastischen Verkleinerung war die Rede, von 415 auf rund 260 Mitarbeiter. Jetzt sind die Schrumpfungspläne in Cottbus vom Tisch.

Die aktuellen Pläne für Cottbus

Der Lausitzer Bundestagsabgeordnete Ulrich Freese (SPD) sprach in dieser Woche nach einem Treffen mit Bahnvorstand Ronald Pofalla von „guten Nachrichten“ für die Cottbuser Instandhaltungsfachleute.

 Künftig sollen solche Rangierloks der Bahn auch elektrisch fahren können. Cottbuser Entwicklergeist macht das möglich. Der Umbau und die Wartung sollen nach aktuellen Plänen der Bahn wohl in Cottbus durchgeführt werden.
Künftig sollen solche Rangierloks der Bahn auch elektrisch fahren können. Cottbuser Entwicklergeist macht das möglich. Der Umbau und die Wartung sollen nach aktuellen Plänen der Bahn wohl in Cottbus durchgeführt werden. FOTO: Z1015 Bernd Settnik

Und die Bahn bestätigte der RUNDSCHAU ihren Plan, „den Standort Cottbus in den nächsten Jahren schwerpunktmäßig für die Umrüstung von Diesel-Rangierloks aus dem Güterverkehr auf einen elektromechanischen Hybridantrieb zu nutzen.“ Die Technik mache die Loks umweltfreundlicher, effizienter und leiser. „Im Cottbuser Werk sichert das nach aktueller Planung bis zu 500 Arbeitsplätze, die dort bis etwa Mitte der 2020er Jahre mit Aufträgen ausgelastet sind“, hieß es am Freitag von der Bahn.

Die Cottbuser hatten ihren bahntechnischen Sachverstand in den vergangenen zwei Jahr unter Beweis gestellt, als sie die Umrüstung der betagten Diesel-Rangierloks projektierten und testeten. Das zahlt sich jetzt aus. Die Tests der in Cottbus umgerüsteten Loks seien absolut überzeugend verlaufen, hatte Ronald Pofalla Ulrich Freese erzählt.

 Hybrid-Lok: Zukunftsprojekt für Cottbuser Bahnfachleute.
Hybrid-Lok: Zukunftsprojekt für Cottbuser Bahnfachleute. FOTO: Deutsche Bahn

Vertrauliche Gespräche mit Brandenburg

Und nach den Jahren der Unsicherheit für Instandhaltungswerk in Cottbus scheint sich jetzt der angeordnete Kohleausstieg und der damit notwendige wirtschaftliche Strukturwandel für die Lausitzer Bahnexperten auszuzahlen. Der Bahnstandort Cottbus wird immer wieder genannt, wenn es um die Empfehlungen aus der Kommission Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung (Kohlekommission) für die Lausitz geht.

Die Bahn plant nach Recherchen der RUNDSCHAU nämlich noch weitere Investitionen in Cottbus. Demnach wird gerade geprüft, das Instandhaltungswerk künftig mit dem Aufbau von neuen Kapazitäten für elektrische Triebzüge zukunftssicher zu machen. Brandenburgs Regierungssprecher Florian Engels bestätigte, dass es dazu derzeit direkte Gespräche zwischen Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und dem Bahnvorstand gibt. Mit der Instandhaltung der Elektrozüge verbunden wären Investitionen in eine neue Instandhaltungshalle sowie die Einstellung und Qualifizierung zusätzlicher Mitarbeiter.