Bis Ende März 2019 soll klar sein, an welchen Standorten in Deutschland Fabriken zur Fertigung von Batteriezellen für Elektroautos gebaut werden, sagte Altmaier in Berlin nach einem Treffen mit EU-Energiekommissar Maroš Šefcovic. „Um die Jahreswende“ soll feststehen, welche Firmen sich an den voraussichtlich drei Konsortien beteiligen. Dafür gebe es „wachsendes Interesse“. Die Produktion soll 2021 anlaufen.

Altmaier wollte noch keine Namen von Unternehmen nennen. Er spreche mit „wesentlichen Akteuren der deutschen Industrie“. Zwei der drei Bündnisse seien international aufgestellt. Im Gespräch sind unter anderem der Batteriehersteller Varta, der Chemiekonzern BASF sowie der Autobauer Ford. Auch über VW wird spekuliert. BMW und Daimler sollen dagegen außen vor sein.

Für Standorte haben sich fast alle Bundesländer ins Gespräch gebracht. Insbesondere die bisherigen Braunkohle-Reviere in der Lausitz und in Nordrhein-Westfalen hoffen auf neue Arbeitsplätze. Pro Fabrik rechnet Altmaier mit 1000 bis 2000 Stellen.

Der Wirtschaftsminister hat ehrgeizige Ziele: Im Jahr 2030 sollen 30 Prozent der weltweiten Nachfrage nach Batteriezellen aus deutscher und europäischer Produktion befriedigt werden. Mit dieser Schlüsseltechnologie will er den Automobilstandort Deutschland erhalten und stärken. Daher will der Bund nicht nur für die Rahmenbedingungen sorgen, sondern auch bis 2021 insgesamt eine Milliarde Euro als zeitlich begrenzte Anschubhilfe zuschießen. Das Geld für deutsche Unternehmen, die mit europäischen Partnern kooperieren, sei mit Finanzminister Olaf Scholz (SPD) abgesprochen, und es stehe in seinem Etat zur Verfügung.

Šefcovic befürwortete die Förderung ausdrücklich, obwohl staatliche Beihilfen in der EU eigentlich verboten sind. Er nennt Airbus als Vorbild: Auch der europäische Flugzeugbauer brauchte massive staatliche Hilfe vom Staat. Heute teilt er sich mit dem US-Konzern Boeing weitgehend den Markt für größere Verkehrsflugzeuge. Im Gegensatz zu Airbus ist aber keine staatliche Beteiligung an den Batterie-Konsortien geplant.

„Der Wettlauf um die besten Batterien ist noch nicht entschieden, wir nehmen ihn auf“, sagte Altmaier. Die Zellen sollen sich durch hohe Leistungsfähigkeit zu wettbewerbsfähigen Preisen, lange Lebensdauer sowie nachhaltige und umweltverträgliche Produktions- und Entsorgungsbedingungen auszeichnen. Mit ihnen sollen nicht nur Elektroautos bestückt werden, sondern auch Schiffe, Busse oder Häuser. Zunächst sollen die derzeit üblichen Lithium-Ionen-Batterien gefertigt werden und erst später neue Generationen.

Für die erste Stufe einer Fabrik rechnet Altmaier mit Investitionen von 500 Millionen Euro, um die Produktion in Gang zu bekommen. Als Anhaltspunkt für die staatliche Förderung nannte er eine Halbleiterfabrik von Bosch in Dresden: Zu den Investitionen von einer Milliarde Euro schieße der Bund dort einen „niedrigen dreistelligen Millionen-Betrag“ zu.

Interesse an einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit gibt es auch in anderen EU-Ländern, etwa in Polen, Österreich und Frankreich. Altmaier ist mit seinen dortigen Amtskollegen sowie mit der EU-Kommission im Gespräch. Šefcovic kommt am heutigen Mittwoch in die Lausitz, um sich vor Ort zu informieren.