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| 19:57 Uhr

Interview
„Strukturbrüche zu verhindern, ist nicht sinnvoll“

 Professor Dr. Oliver Holtemöller: Es kommt darauf an, was mit dem Geld gemacht wird.
Professor Dr. Oliver Holtemöller: Es kommt darauf an, was mit dem Geld gemacht wird. FOTO: IWH-Halle / Drohen in der Lausitz IWH
Halle. Professor vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle im RUNDSCHAU-Interview über Folgen des Kohleausstiegs.

Professor Dr. Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hält im RUNDSCHAU-Interview Strukturbrüche im Zusammenhang mit dem Braunkohleausstieg für unvermeidlich. Wichtig sei die Unterstützung der betroffenen Menschen.

Herr Professor Holtemöller, wer ist Initiator oder was war der Auslöser Ihrer Untersuchung zum schnellen Kohleausstieg?

Holtemöller Der wirtschaftliche Strukturwandel gehört zu den Forschungsgebieten des IWH. Das IWH war auch an entsprechenden Berechnungen für das Umweltbundesamt beteiligt. Die jetzt vorgelegten Berechnungen sind aber eigenständige Berechnungen des IWH ohne konkreten Auftraggeber.

Halten Sie die von Ihrem Team errechneten gesellschaftlichen Folgen eines beschleunigten Kohleausstiegs in den Revieren für gesamtgesellschaftlich verantwortbar?

Holtemöller Es ist Aufgabe der Politik, die Gesamtbewertung vorzunehmen. Wir weisen als Wirtschaftswissenschaftler lediglich auf die zu erwartenden ökonomischen Effekte des Braunkohleausstiegs hin.

Gibt es keine Alternative zum unvermeidlichen Strukturbruch in den Revieren bei maximalem Umweltschutz?

Holtemöller Die Frage verstehe ich nicht. Ob es technische Alternativen gibt, die formulierten Umweltziele zu erreichen, ohne aus der Braunkohleverstromung auszusteigen, müssen entsprechende Spezialisten sagen.

Könnte sehr viel Geld aus Sicht des Ökonomen die harten Strukturbrüche in den Kohleregionen doch verhindern?

Holtemöller Es kommt darauf an, was mit dem Geld gemacht wird. Strukturbrüche zu verhindern, ist nicht sinnvoll und funktioniert langfristig nicht. Die Verstromung von Braunkohle ist wohl für sich genommen kein relevantes Ziel, sondern Mittel, um bestimmte wirtschaftliche Ziele zu erreichen. Es ist wichtig, diejenigen Menschen, die von Strukturbrüchen betroffen sind, zu unterstützen