Das Energieversorgungsunternehmen enviaM hat angekündigt, am 1. Januar 2020 die Strompreise für seine rund 700 000 Privat- und Gewerbekunden in seinem Grundversorgungsgebiet zu erhöhen. Das betrifft große Teile Brandenburgs, Sachsens, Sachsen-Anhalts und ein Teilgebiet in Thüringen.

Konkret werden die Verbrauchspreise in der Grundversorgung und daran angelehnte Sonderprodukte im Grundversorgungsgebiet im neuen Jahr um 1,65 Cent je Kilowattstunde brutto angehoben. Die Grundpreise bleiben nach Auskunft des Unternehmens konstant.

Als Grund für die Veränderung der Strompreise seit einer Preissenkung Anfang 2018 seien vor allem gestiegene Beschaffungskosten für den Strom.

Die Beschaffungskosten sind gestiegen

„Unsere Beschaffungskosten haben sich seitdem um 47 Prozent erhöht“, sagt Andreas Auerbach, der enviaM-Vorstand für den Vertrieb. Gestiegen seien beispielsweise die Preise für Brennstoffe, die zur Erzeugung von Strom eingesetzt werden. Gleichzeitig habe auch der Preis für die CO2-Zertifikate deutlich angezogen.

Dr. Andreas Auerbach, Vorstand Vertrieb der enviaM.
© Foto: enviaM

Während in diesem Jahr die sinkenden Netzentgelte und Umlagen den Anstieg der Beschaffungskosten noch hätten ausgleichen können, reicht dieser Puffer ab dem kommenden Jahr offenbar nicht mehr. Denn neben den Beschaffungskosten steigen nach Aussagen von Andreas Auerbach auch die Umlagen, wie beispielsweise die EEG-Umlage, und auch die Netzentgelte. Dies Netzentgelte sind bundesweit nicht einheitlich hoch. Denn sie sind abhängig von den konkreten Kosten im jeweiligen Netzgebiet und vom Stromverbrauch in dieser Region. Diese Regeln kosten die Stromkunden in Brandenburg besonders viel Geld.

Warum Strom in Brandenburg besonders teuer ist

Weil es hier inzwischen besonders viele Wind- und Solaranlagen gibt, muss die Strom-Infrastruktur besonders stark ausgebaut werden. Dafür bezahlen vor allem die Kunden in der Region. Die installierte Leistung der Erneuerbaren ist nach enviaM-Angaben in Brandenburg doppelt so groß wie der hiesige Verbrauch. Allerdings sind all diese Anlagen nicht grundlastfähig, weil sie nicht liefern wenn keine Sonne scheint oder kein Wind weht. EnviaM-Vorstand Auerbach fordert auch von der Bundesregierung, dass die Erzeuger erneuerbarer Energie mit beteiligt werden an den Kosten des Netzausbaus. Inzwischen hat die Regierung in Berlin auch reagiert. Die regionalen Unterschiede bei den Übertragungsnetzentgelten werden durch das Gesetz zur Modernisierung der Netzentgeltstruktur schrittweise bis zum Jahr 2023 abgebaut. Wie sich das mittelfristig auf die Strompreise der Kunden auswirkt, ist aber noch nicht klar.

Strom wird „auf Vorrat“ gekauft

Die Netzbetreiber kaufen ihren Strom immer im Voraus. Strom der also im Jahr 2023 an die Kunden verteilt wird, wird in den Jahren ab 2020 in Tranchen eingekauft. Auf diese Weise weiß der Betreiber schon jetzt, was sein Strom 2020 kosten wird. Gleichzeitig können auf diese Weise berechenbare Mittelwerte erreicht werden.

Was auf den Strom zutrifft, gilt nicht für den Gasbetreiber MitGas, der auch zur envia-Gruppe gehört. Die Preise beim Gas sollen im kommenden Jahr unverändert bleiben.

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Wie stark die Preise steigen


EnviaM hat in Beispielrechnungen dargestellt, was die angekündigten Strompreiserhöhungen bedeuten.

Privatkunden, deren Haushalt pro Jahr 2000 Kilowattstunden (kWh) verbraucht, bezahlen aktuell 688,44 Euro brutto für ihren Strom. Im kommenden Jahr sind es dann 721,28 Euro. Das bedeutet eine Verteuerung von mehr als 30 Euro.

Mit der Ankündigung der Preiserhöhung haben Kunden ein Sonderkündigungsrecht. Da es heutzutage hunderte unterschiedliche Stromanbieter gibt, ist auch die Auswahl riesig. Allerdings sollten sich Kunden gut informieren und nicht auf unseriöse Lockangebote hereinfallen. Auch in diesem Jahr hatten Insolvenzen von Stromanbietern bereits für Schlagzeilen gesorgt.