Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt verbrauche im Jahr für 800 bis 900 Euro Strom, sagte Stephan Kohler von der Deutschen Energie- Agentur gestern. Mithilfe der Sparpläne lasse sich die Stromrechnung um bis zu 340 Euro drücken. Kohler gehört der Expertengruppe Pepp an, die im Auftrag von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) 21 Vorschläge für mehr Energieeffizienz erarbeitet hat.
Konkret sehen die Vorschläge ein Bonusprogramm vor, das Verbraucher für den Kauf besonders energiesparender Kühlschränke oder Waschmaschinen mit einer Prämie von bis zu 150 Euro belohnen soll. Ein sehr sparsamer Kühlschrank könne die Stromrechnung um 80 Euro im Jahr entlasten. Allerdings liege der Anteil hocheffizienter Modelle an verkauften Kühlschränken noch unter drei Prozent - das müsse sich ändern, sagte Kohler. Damit Verbraucher die Gerätekosten - also Anschaffung und Betrieb - besser vergleichen können, sollen zudem neben den Energieklassen künftig auch die Stromkosten der Geräte ausgewiesen werden.
„Die Elektroindustrie unterstützt die Pläne der Bundesregierung, die Verbraucher zum Einsatz besonders energiesparender Kühl- und Gefriergeräte mit einem finanziellen Zuschuss gezielt anzuregen“ , teilte der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) mit. Der ZVEI habe die Internationale Funkausstellung genutzt, um in Gesprächen mit Beteiligten etwa aus Industrie und Politik die Umsetzung vorzubereiten.
Die Vizechefin der Grünen im Bundestag, Bärbel Höhn, kritisierte die Initiative in der "Braunschweiger Zeitung" als "PR-Geklimper", mit dem Glos "von seiner bisherigen Blockierer-Rolle" bei den Bemühungen um mehr Energieeffizienz ablenken wolle. Der Hausgeräte-Bonus sei "ein Programm für Besserverdienende, denn ein Hartz-IV-Empfänger kann sich ein solches Gerät trotz Zuschuss nicht leisten", bemängelte Höhn.
Nach Angabe des Wirtschaftsministeriums summierten sich die Energieausgaben der Privathaushalte Ende 2007 auf mehr als 95 Milliarden Euro. Damit seien auf einen einzelnen Haushalt rund 2300 Euro entfallen.
Glos sagte, er könne "keine Prognose" geben, wann die Pepp-Vorschläge im Kabinett behandelt würden. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte Glos am Dienstag eine jahrelange Blockade der Bemühungen um mehr Energieeffizienz und Klimaschutz vorgeworfen. (AFP/B.M.)