Von Igor Steinle

Nach den Ölkrisen der 1970er-Jahre hat der Staat Erdöl-Reserven für den Notfall angelegt. In ober- und unterirdischen Tanks lagert genug Öl, um den Bedarf des Landes für 90 Tage abzudecken.Um die Lage auf dem Kraftstoff-Markt zu entspannen, hat die Bundesregierung nun erstmals ihre strategischen Erdölreserven für die Mineralölwirtschaft geöffnet. 70 000 Tonnen Benzin, 150 000 Tonnen Diesel und 56 000 Tonnen Kerosin stehen für diese nun bereit. Die Bestände werden vom Erdölbevorratungsverband (EBV) verwaltet, einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft mit Sitz in Hamburg.

Der EBV hat die Pflicht, Kraftstoffe, Heiz- und Rohöl in einer Menge zu bevorraten, die dem Verbrauch in der Bundesrepublik in 90 Tagen entspricht. Das sind insgesamt rund 24 Millionen Tonnen Treibstoff. Dazu haben sich sowohl die EU als auch die Mitglieder der Internationalen Energieagentur (IEA) verpflichtet.

Ein Teil der Vorräte muss sofort verfügbar sein und wird oberirdisch in Tanklagern aufbewahrt. Und zwar so über die Bundesrepublik verteilt, dass in der Nähe jeder deutschen Raffinerie Kraftstoffe vorhanden sind. Ein erheblicher Teil des Rohöls wird jedoch auch in Norddeutschland in unterirdischen „Ölseen“ gelagert. Diese Kavernen sind künstlich geschaffene Hohlräume in Salzstöcken, die bis zu 1500 Meter unter der Erde liegen. Eine der insgesamt 58 Kavernen in Deutschland enthält so viel Öl, wie in einen Supertanker hineinpasst. Der Bestand der Vorräte befindet sich in ständiger Verwendung, muss also ständig ausgetauscht werden, um nicht zu veralten.

Die Mitgliedschaft im Verband ist für alle Unternehmen aus der Mineralölwirtschaft per Gesetz verpflichtend. Es sind auch die Mitglieder, die den Betrieb des Verbands finanzieren. Wie auf der Rückseite von Tankstellen-Belegen zu lesen ist, legen die Mitglieder den Preis jedoch auf die Endverbraucher um. Bei einer Freigabe müssen die Reserven zu aktuellen marktüblichen Preisen auf den Markt geworfen werden.

Der EBV wurde in den Zeiten der Ölkrisen in den 1970er-Jahren eingerichtet, um eine mögliche Unterbrechung der Ölversorgung abzufedern. Das Bundeswirtschaftsministerium kann Mengen der 90-Tage-Reserve „zum Zwecke der Verhütung unmittelbar drohender oder Behebung eingetretener Störungen in der Energieversorgung“ freigeben. Als Störung gilt, wenn auf dem Weltmarkt nicht in ausreichendem Maß Öl und Produkte beschafft werden können, egal zu welchen Preisen. Eine Freigabe ist auch möglich, wenn dies die EU oder die IEA anordnen.