Der umstrittene Schweinezüchter Adrianus Straathof hat sich nach massiven Vorwürfen der Tierquälerei von Behörden und Tierschützern weiter aus dem Unternehmen zurückgezogen. Nach der Aufgabe der Geschäftsführung im vergangenen Herbst habe der 60-Jährige nun auch seine Anteile an der LFD Holding abgegeben, sagte der Berliner Rechtsanwalt Christian Graf Brockdorff als Treuhänder der Deutschen-Presse-Agentur. Ziel sei eine Neuausrichtung mit verbesserten Haltungsbedingungen in den Betrieben. Die Abkürzung LFD steht für Landwirtschaftliche Ferkel-Produktion Deutschland.

Der Landkreis Jerichower Land in Sachsen-Anhalt hatte gegen Straathof wegen Verstößen gegen den Tierschutz ein bundesweit gültiges Tierhaltungsverbot verhängt. Das Verbot konnte aber noch nicht durchgesetzt werden, weil Straathof beim Oberverwaltungsgericht Magdeburg gegen den sofortigen Vollzug erfolgreich vorging. Daraufhin hatte der Landkreis Mitte Juni die Fortsetzung des Prozesses in der ersten Instanz beantragt. Zur gleichen Zeit hatte auch die Augsburger Staatsanwaltschaft Betriebe und Büros wegen des Verdachts der Tierquälerei durchsucht.

Im Herbst vergangenen Jahres hatte Heidrun Spengler-Knappe von Straathof die Geschäftsführung übernommen. Ihr wurden nun als weitere Geschäftsführer der schleswig-holsteinische Landwirt Christian Heine und als kaufmännischer Geschäftsführer Andreas Jost zur Seite gestellt. Straathof soll als Mitglied eines Fachbeirats die LFD weiter unterstützen. "Er hat aber keinen Einfluss mehr auf operative Entscheidungen", betonte Brockdorff.

Heine erklärte, durch Umbauten in den Ställen und mehr Personal solle das Tierwohl verbessert werden. "Es hat in der Vergangenheit Fehler gegeben", räumte Heine ein. "Durch Umbauten in den Ställen und stärkere Kontrollen sollen Verletzungen der Tiere verhindert werden."

Die Grünen-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt warf Straathof vor, er setze auf "tricksen, tarnen, täuschen". "Der Treuhänder, der Berliner Anwalt Christian Graf Brockdorff, ist lediglich ein Strohmann", sagte die Agrarexpertin der Grünen, Dorothea Frederking. Straathof bleibe der Bestimmer über die Holding und letztlich auch über die Tiere. "Darüber hinaus trifft er durch seine Mitarbeit im Beirat weiterhin die Entscheidungen über die Tiere."

Straathof ist einer der größten Schweinezüchter Europas. In den fünf ostdeutschen Bundesländern sowie in Bayern gibt es insgesamt 18 Betriebsstätten. Nach Angaben des Unternehmenssprechers Dietrich Freiherr von Gumppenberg werden dort jährlich bis zu 1,4 Millionen Ferkel produziert. Weitere Schweinezuchtanlagen unterhält Straathof in den Niederlanden und in Ungarn.