ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:07 Uhr

Expertenrat zum Thema Steuern sparen
Steuererklärung versäumt? Das kann teuer werden!

Gefragte Gesprächspartner beim RUNDSCHAU-Telefonforum: Die Steuerexperten Mario Kahle (r.), Uwe Rauhöft (M.) und Dirk Rosenbaum.  Foto: Ch. Taubert.
Gefragte Gesprächspartner beim RUNDSCHAU-Telefonforum: Die Steuerexperten Mario Kahle (r.), Uwe Rauhöft (M.) und Dirk Rosenbaum. Foto: Ch. Taubert. FOTO: Ch. Taubert / LR
Cottbus. Scheinbare Erleichterung durch „Verzicht“ auf Belege fordert Verbraucher neu heraus: Die Umstellung auf eine automatisierte Bearbeitung von Einkommensteuererklärungen verlangt vom Steuerbürger seine Einkommensteuererklärung im Einklang mit den Vorgaben der Finanzverwaltung zu erstellen. Belege sorgfältig aufbewahren.

Beim Thema Steuern reagieren die Lausitzer sensibel. Der Expertenrat am RUNDSCHAU-Telefon und im Live-Chat zum Thema Steuern sparen war dementsprechend heiß begehrt.   Dirk Rosenbaum und Mario Kahle von der Rosenbaum Treuhand Steuerberatungsgesellschaft mbH Cottbus und Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Lohnsteuerhilfevereine hatten jede Menge Fragen zu beantworten. Die RUNDSCHAU hat die häufigsten Fragen zur Einkommensteuer und die Antworten der Experten zusammengestellt:

Ich habe 2017 für zwei  Monate Arbeitslosengeld 1 bekommen. Ansonsten hatte ich keinerlei Einnahmen. Muss ich eine Steuererklärung machen?

Obwohl viele Arbeitnehmer nicht unbedingt eine Einkommensteuererklärung abgeben müssen, kann sich dies auszahlen: Laut Finanzministerium haben brandenburgische Arbeitnehmer für 2016 im vergangenen Jahr durchschnittlich 1272 Euro zurückbekommen. In Sachsen erhielten Arbeitnehmer und Rentner im Schnitt 510 Euro zurück; bei freiwilligen Steuererklärungen waren es 714 Euro. Foto: dpa
Obwohl viele Arbeitnehmer nicht unbedingt eine Einkommensteuererklärung abgeben müssen, kann sich dies auszahlen: Laut Finanzministerium haben brandenburgische Arbeitnehmer für 2016 im vergangenen Jahr durchschnittlich 1272 Euro zurückbekommen. In Sachsen erhielten Arbeitnehmer und Rentner im Schnitt 510 Euro zurück; bei freiwilligen Steuererklärungen waren es 714 Euro. Foto: dpa FOTO: Daniel Reinhardt / dpa

Arbeitslosengeld ist zwar steuerfrei, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt. Somit müssen Sie eine Einkommensteuererklärung beim zuständigen Finanzamt einreichen.

Ich bin seit 2014 Rentnerin. Warum muss ich jetzt eine Einkommensteuererklärung abgeben?

Rentner müssen keine Steuererklärung erstellen, wenn der Gesamtbetrag ihrer Einkünfte unter dem Grundfreibetrag liegt. Bei Renteneintritt im Jahr 2014 liegt der steuerpflichtige Anteil  bei 68 Prozent. Dazu wird jährlich ein Grundfreibetrag gewährt. Im Jahr 2017 beträgt der Grundfreibetrag   8820 Euro. Liegt Ihre Brutto-Rente unter 12 900 Euro jährlich, fallen Sie mit dem steuerpflichtigen Anteil – also 8772 Euro –  unter den Grundfreibetrag.

Woran kann ich als Rentner erkennen, ob ich verpflichtet bin, eine Einkommensteuererklärung abzugeben?

Für die meisten Rentner ist es kaum möglich, das Vorliegen einer Steuererklärungspflicht einzuschätzen. Das wird dadurch so kompliziert, als der Rentenfreibetrag nur für das Jahr des erstmaligen Rentenbezugs zu ermitteln ist. Da sich die Bruttorente jährlich durch Anpassungsbeträge ändert, kann dieser aus dem aktuellen Rentenbezug nicht ermittelt werden. Die Finanzämter verfügen zwar über die vollständigen Rentenbezugsdaten, werten sie aber nur teilweise aus, indem sie einzelne Rentner zur Abgabe der Einkommensteuererklärung auffordern. Eine solche Aufforderung ist in jedem Falle verbindlich und ergeht immer dann, wenn die dem Finanzamt vorliegenden Daten darauf hindeuten, dass eine Steuerfestsetzung zu erwarten ist.

Ich bin bisher nicht zur Abgabe einer Steuererklärung aufgefordert worden. Kann ich mich darauf verlassen? Ich bin  2008 in Rente gegangen.

Sie können nicht automatisch davon ausgehen, dass Sie keine Einkommensteuererklärung abzugeben haben, nur weil Sie von Ihrem zuständigen Finanzamt keine Aufforderung dazu erhalten haben.   Der Steuerfreibetrag für die Rente wird ab  2005 für jeden Rentner-Jahrgang, der später in das Rentenalter eintritt, um weitere zwei Prozent gekürzt. Ab Renteneintritt 2040 ist die volle Rente steuerpflichtig. Wir empfehlen grundsätzlich jedem Rentner, einmal eine Steuererklärung erstellen zu lassen und dann – wenn keine Steuerlast eintritt – eine Nichtveranlagungsbescheinigung zu beantragen. Das ist formlos direkt beim zuständigen Finanzamt möglich. Bitten Sie schriftlich um die Befreiung von der  Pflicht, eine Einkommensteuererklärung abzugeben.

Wie verhalte ich mich richtig, wenn ich neben der gesetzlichen Rente noch eine private Rente aus der betrieblichen Altersvorsorge beziehe?

Soweit Rentner neben der gesetzlichen Rente weitere Einkünfte aus der betrieblichen Altersvorsorge beziehen, ist eine Zuordnung zur Arbeitgeber-finanzierten  und damit steuerpflichtigen  Zusatzversorgung oder aber zur selbstfinanzierten Zusatzversorgung vorzunehmen. Letztere ist steuerfrei, wenn zum Beispiel die Direktversicherung vor 2005 abgeschlossen wurde. Nach 2004 abgeschlossene  Verträge hingegen unterliegen der nachgelagerten Besteuerung, das heißt die Leistungen werden während der Auszahlungsphase anteilig besteuert.

Ich habe mir die private Zusatzversorgung aus der Direktversicherung  komplett auszahlen lassen, beziehe also monatlich keine weiteren Einkünfte neben der Rente. Muss ich die Einmalzahlung trotzdem versteuern?

Arbeitnehmer-finanzierte Zusatzversorgungen aus Entgeltumwandlungen, die in der Ansparphase von der Einkommensteuer und der Sozialversicherung befreit waren, müssen nun versteuert und um Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung gemindert werden. Das gilt auch, wenn die Altersversorgung im Wege einer Einmalzahlung abgefunden wird.

Welche Ausgaben kann ich als  unterhaltspflichtiger Vater steuerlich geltend machen, wenn die Kinder bei der Mutter wohnen und ich nur am Wochenende die Kinder teilweise betreue?

Wer Unterhalt für sein Kind zahlt, bekommt seinen hälftigen Anspruch auf das Kindergeld auf die Unterhaltsverpflichtung angerechnet, da der andere Elternteil das gesamte Kindergeld ausgezahlt bekommt. Im Einkommensteuerbescheid wird durch das Finanzamt im Wege der Günstigerprüfung ermittelt, ob der Elternteil das Kindergeld oder den halben Kinderfreibetrag erhält. Mit dem hälftigen Kindergeld bzw. Kinderfreibetrag sind alle Unterhaltsaufwendungen steuerlich abgegolten. Aufwendungen für Betreuungskosten,  die der Steuerpflichtige trägt, beispielsweise für Kita oder Hort,  können in der Steuererklärung zusätzlich geltend gemacht werden.

Ich habe eine kleine Erbschaft gemacht, muss ich die rund 3000 Euro in der Einkommensteuererklärung als Einnahme angeben?

Eine Erbschaft gehört nicht zu den laufenden Einkünften. Dafür müssen Sie eine Erbschaftsteuererklärung erstellen. Allerdings wird nach § 16 Abs. 1 Nr. 7 Erbschaftssteuergesetz (ErbStG) selbst Erben der Steuerklasse III ein Freibetrag von 20 000 Euro gewährt. Die Kosten für die Beerdigung und so weiter können nur dann als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden, wenn diese nicht durch den Nachlass gedeckt sind.

Ich bin Pensionär, meine Frau ist arbeitslos und bekommt 600 Euro im Monat.  Ich hätte gerne gewusst, welche Steuerklasse für uns beide zutrifft.

Rentner haben keinen Steuerabzug und benötigen somit keine Steuerklasse. Als pensionierter Beamter jedoch bleibt die Lohnsteuerklasse weiter wichtig, da hier ein Lohnsteuerabzug vorgenommen wird. Die Wahl der Steuerklasse sollte exakt berechnet werden, denn die Steuerklasse hat Auswirkungen auf das Arbeitslosengeld. Im Übrigen ist die Lohnsteuerklasse nur für die Höhe der Lohnsteuervorauszahlung von Bedeutung. Die endgültige  Steuerlast wird im Einkommensteuerbescheid festgesetzt. Jedenfalls besteht eine Pflicht zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung, wenn ein Steuerpflichtiger Arbeitslosengeld bezogen hat.

Ich wohne auf dem Land und habe weite Wege zum Facharzt. Kann ich die Fahrtkosten zum Facharzt  als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen?

Alle Aufwendungen, die für die Genesung einer Krankheit anfallen, können als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden. Die Höhe der Fahrtkosten beträgt 0,30 Euro pro gefahrenen Kilometer. Die Grenzen für die zumutbare Eigenbelastung pro Jahr werden individuell ermittelt, abhängig vom Familienstand und dem Gesamtbetrag der Einkünfte pro Jahr. Beispiel: Einem Ledigen ohne Kinder ist laut Paragraph 33 Einkommensteuergesetz (EStG) bei einem Brutto-Jahreseinkommen bis  15 340 Euro zumutbar, fünf Prozent des Einkommens (767 Euro)  selbst zu tragen. Nur diese Zumutbarkeitsgrenze übersteigende Aufwendungen können abgezogen werden. Für Verheiratete mit einem oder zwei Kindern läge bei diesem Jahresbruttoeinkommen die zumutbare Eigenbelastungsgrenze bei zwei Prozent  (306,80 Euro).

Meine Mutter, die bereits seit 2016 stationär im Pflegeheim lebt, muss eine Steuererklärung machen.  Welche Kosten,  die von ihr als Eigenanteil zu zahlen sind, kann sie als außergewöhnliche Belastung  geltend machen?

Ihre Mutter kann alle Kosten, die mit der Pflege und Betreuung anfallen, als außergewöhnliche Belastung geltend machen. Bitte beachten Sie, dass in der Zahlung an das Pflegeheim ein Anteil Mietaufwendung und Verpflegung enthalten ist. Diese sind nicht abziehbar.

Wir  sind seit 2005 Rentner, liegen zusammen unter 26 000 Euro Jahreseinkommen.  Ich beziehe  zusätzlich   Leistungen aus einer kleinen Betriebsrente. Andere Einkünfte haben wir nicht, müssen wir jetzt auch eine Steuererklärung abgeben?

Aufgrund der Betriebsrente unterliegen Sie der Pflichtveranlagung und müssen zwingend eine Steuererklärung abgeben. Ich empfehle, dass Sie sich an einen steuerlichen Berater wenden, um sich umfassend steuerlich beraten zu lassen.

Ich bin zurzeit arbeitslos und werde ab Mai Rentner. Meine Frau geht noch arbeiten. Nun wollen wir die Steuerklassen wechseln, ist das möglich und verändert sich durch den Wechsel   mein Rentenfreibetrag oder müssen wir mit dem Wechsel warten?

Ein Wechsel der Steuerklassen ist auch unterjährig möglich. Auf den steuerlichen Rentenfreibetrag wirkt sich das nicht aus. Jedoch wirkt sich zum Beispiel der Wechsel in die Steuerklasse III positiv auf die Nettolohn-Auszahlung Ihrer Frau aus. Vom Nettolohn werden Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosen- oder Krankengeld berechnet. Das kann von Vorteil sein, auch wenn es am Jahresende bei der Einkommensteuererklärung zu einer Nachzahlung kommen könnte.

Wieviel Steuern muss ich als Rentner zahlen, wenn meine Frau noch Teilzeit  arbeiten geht, da sie noch keine Rentnerin ist? Welche Steuerklassenkombination wäre denn für uns die Richtige? Zurzeit haben wir III/V, ich war der Besserverdienende.

Leider kann man ohne Angaben von Zahlen Ihre Frage nicht beantworten. Um sicher zu gehen, sollten Sie einen steuerlichen Berater aufsuchen und mit Hilfe der konkreten Einkommenshöhe eine Steuerberechnung durchführen und sich dann die richtige Lohnsteuerklasse empfehlen lassen.

Worauf muss ich mich denn einrichten als Rentner, wenn das Finanzamt meine Rente besteuert, mit welchen Abzügen muss ich rechnen?

Die Frage lässt sich pauschal nicht beantworten. Es hängt insbesondere von der Höhe Ihrer Rente und dem Rentenbeginn sowie eventuell  vorhandener weiterer Einkünfte ab.  Der Steuerfreibetrag für die Rente wird ab  2005 für jeden Rentner-Jahrgang, der später in das Rentenalter eintritt um weitere zwei Prozent gekürzt. Ab Renteneintritt 2040 ist die volle Rente steuerpflichtig.

Ich habe bis zum 31. Mai noch gar nicht alle steuerrelevanten Unterlagen zusammen, zum Beispiel bekomme ich die Abrechnung für absetzbare Kosten aus der Bewirtschaftung der Eigentumswohnanlage regelmäßig immer erst im Juli zugesandt. Verlängert sich dadurch nicht automatisch die Abgabefrist?

Nein, die Steuererklärung für 2017 ist  bis zum 31. Mai 2018 beim zuständigen Finanzamt  einzureichen. Eine „automatische“ Verlängerung gibt es nicht. Wenn Sie diese Frist nicht einhalten können, sollten Sie eine Verlängerung bei Ihrem zuständigen Finanzamt mit genau dieser Begründung beantragen. Wenn die Steuererklärung von Steuerberatern oder Lohnsteuerhilfevereinen erstellt wird, verlängert sich die Frist bis zum 31. Dezember. Ab der nächsten Steuererklärung, also für das Steuerjahr 2018, haben alle Steuerzahler zwei Monate länger Zeit für die Abgabe der Steuererklärung.

Es heißt immer, Verzug wird teuer.  Was verlangt denn das Finanzamt  bei verspäteter Abgabe der Steuererklärung von mir?

Das Finanzamt ist berechtigt, bis zu zehn Prozent der festgesetzten Steuer, maximal aber 25 0000 Euro als Verspätungszuschlag zu erheben. Das ist eine Kann-Bestimmung bis zum Kalenderjahr 2017. Der Verspätungszuschlag  ändert sich ab 2019. Wer ab dem Veranlagungszeitraum 2018 die Erklärung verspätet abgibt wird nach § 152 der Abgabenordnung (AO) mit mindestens 25  Euro Verspätungszuschlag pro Monat bestraft.

Ich   habe gelesen, dass ab diesem Jahr Belege nur auf Nachfrage einzureichen sind. Unser Steuerprogramm sagt  uns aber, dass wir Belege mit der Steuererklärung einreichen müssen. Wie ist die tatsächliche Situation und welche Belege sollte ich unbedingt sofort einreichen und welche nur auf Nachfrage?

Die für 2017 in der Abgabenordnung wirksam gewordenen rechtlichen Änderungen werfen Unsicherheiten und Risiken auf, die von der Finanzverwaltung so nicht kommuniziert und bewusst gemacht werden. Was als Erleichterung empfunden wird - der Übergang von der Belegvorlagepflicht zur Belegvorhaltepflicht  - wird als „Verzicht“ auf die Einreichung von Belegen und Nachweisen dargestellt,  ist in Wirklichkeit aber die Umstellung auf eine automatisierte Bearbeitung von Einkommensteuererklärungen, die vom Steuerbürger verlangt, seine Einkommensteuererklärung im Einklang mit den Vorgaben der Finanzverwaltung einzureichen. Vom Grunde her müssen die Belege bis zum Ablauf der Festsetzungsfrist (mindestens fünf  Jahre) vorgehalten werden. Aber das Finanzamt wird in der Regel die Belege abfordern. Sollten Sie mit einer Erstattung rechnen, empfehle ich, die Belege mitzusenden, um den Vorgang nicht unnötig durch Rückfragen zu verlängern.

Wie lange müssen Belege zur Steuererklärung überhaupt aufbewahrt werden?

Selbst bisher wurde vom Finanzamt bei der Rückgabe von Belegen und Nachweisen auf die Pflicht zur Aufbewahrung hingewiesen. Hier gilt grundsätzlich die Verjährung von vier Jahren. Diese beginnt jedoch erst mit Beginn des Jahres, das auf die Abgabe der Einkommensteuererklärung folgt. Selbst wenn das Finanzamt mitteilt, dass Ihr Steuerfall abschließend bearbeitet ist, sollten Sie Ihre Belege nicht vernichten.  Auch eine Jahre später stattfindende  Lohnsteuer-Außenprüfung beim Arbeitgeber kann schnell zu einer Änderung Ihres Einkommensteuerbescheides führen.  Und dann sind Sie in der Beweislast, zum Beispiel wegen Ihrer Reisekosten.

Noch mehr Unsicherheiten entstehen ab 2017 mit der Belegvorhaltepflicht: wenn Ihre Einkommensteuererklärung  ohne Prüfung Ihrer Nachweise und Belege vom Finanzamt bearbeitet wird, stellt das besonders hohe Anforderungen an die Richtigkeit und Vollständigkeit Ihrer Unterlagen. Denn wenn diese Jahre später angefordert werden und dann nicht den Angaben in der Einkommensteuererklärung gerecht werden, liegt unter Umständen auch eine leichtfertige Steuerverkürzung oder gar eine Straftat vor.

Ich bin ehrenamtlich als Schöffin tätig und erhalte dafür eine Aufwandsentschädigung. Muss ich diese in der Steuererklärung angeben und wenn ja an welcher Stelle?

Die Entschädigung für die Zeitversäumnis ist nicht steuerbar und nicht zu erklären. Die Entschädigung für den Verdienstausfall wird der von Ihnen ansonsten bezogenen Einkunftsart zugerechnet.

Ich bin im vergangenen Jahr verwitwet. Bisher brauchte ich mit meinem Mann aufgrund der geringen Rentenhöhe keine Steuererklärung einreichen. Ändert sich dies für mich jetzt?

Ja. Ab 2018 können Sie nicht mehr nach dem Splittingtarif für Eheleute veranlagt werden. Sie haben nur noch einen Grundfreibetrag, beziehen aber eine Witwenrente. Wir empfehlen Ihnen unbedingt für 2017 eine Einkommensteuererklärung abzugeben. Sollte sich danach weiterhin keine Einkommensteuerlast ergeben, können Sie für die Zukunft eine Befreiung von der Abgabepflicht beantragen.

Ich beziehe eine Unfallrente aus der gesetzlichen Versicherung. Wo muss ich diese in der Steuererklärung eintragen?

Unfallrenten aus der Berufsgenossenschaft sind in voller Höhe steuerfrei. Deshalb sind sie auch in der Steuererklärung nicht einzutragen.

Ich habe mit meiner Frau zusammen die Steuerklasse III/V. Wir haben bisher noch nie eine Steuererklärung eingereicht. Kann ich abwarten, bis das Finanzamt mich auffordert?

Zunächst ist zu prüfen, ob Sie überhaupt zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet sind. Aufgrund der Steuerklassenkombination III/V besteht Abgabepflicht, wenn der Partner mit der Steuerklasse V auch berufstätig ist. Alleinverdienerpaare müssen also nicht wegen der Steuerklassenkombination eine Steuererklärung einreichen. In diesem Fall sind aber auch weitere Gründe für eine Abgabe zu prüfen, beispielsweise ob Lohnersatzleistungen oder weitere Einkünfte von mehr als 410 Euro im Jahr vorlagen.

Wenn eine Pflicht zur Abgabe der Steuererklärung besteht, sollte man nicht bis zu einer Aufforderung durch das Finanzamt warten. So gilt eine mindestens siebenjährige Verjährungsfrist, und es drohen zudem Verspätungszuschläge sowie bei Nachzahlungen nach 18 Monaten eine sechsprozentige Verzinsung pro Jahr.

Ich benötige Unterstützung bei meiner Steuererklärung. An wen kann ich mich wenden?

Steuerberatung ist Rechtsberatung und in Deutschland den dafür befugten Personen und Organisationen vorbehalten. Steuerberater vertreten in allen steuerlichen Angelegenheiten. Als Arbeitnehmer oder Rentner können Sie sich auch an einen Lohnsteuerverein wenden. Auch bei Mieteinnahmen bis zu einer Höhe von 13 000 Euro pro Person und Jahr dürfen Lohnsteuervereine beraten. Sie werden Mitglied und zahlen einen Beitrag, mit dem die Erstellung der Einkommensteuererklärung einschließlich der Überprüfung des Steuerbescheides und gegebenenfalls erforderlicher Rechtsbehelfsverfahren abgegolten ist. Wenn Einkünfte aus selbstständiger oder gewerblicher Tätigkeit oder umsatzsteuerpflichtige Einnahmen vorliegen, entfällt die Befugnis der Vereine.

Im vergangenen Jahr haben wir unsere Wohnung umfangreich modernisiert. Die Kosten hierfür betrugen ohne Material mehr als 6000 Euo. Können wir einen Teilbetrag in das nächste Jahr übertragen?

Das ist leider nicht möglich. Der Höchstbetrag für die 20-prozentige Steuerermäßigung auf Handwerkerleistungen für privat genutzte Wohnungen beträgt 1200 Euro. Somit ist die Grenze bei 6000 Euro  Kosten erreicht. Maßgeblich für die Zuordnung zum Steuerjahr ist das Zahldatum. Deshalb lassen sich größere Baumaßnahmen zur Jahreswende durch Ratenzahlungen durchaus auf zwei Jahre verteilen. Ein Wahlrecht, die in einem Jahr gezahlten Beträge auf ein anderes Jahr zu übertragen, besteht jedoch nicht.