ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:57 Uhr

RUNDSCHAU-Serie Steuern sparen
12 praktische Tipps zur Steuererklärung 2018 für Rentner

 Steuerrat aus erster Hand gab es beim ersten großen LR-Steuerforum - hier im Bild der Cottbuser Steuerberater Dirk Rosenbaum. Zusätzlich beantworteten Steuerexperten aus der Region Fragen, die RUNDSCHAU-Leser per E-Mail stellten.
Steuerrat aus erster Hand gab es beim ersten großen LR-Steuerforum - hier im Bild der Cottbuser Steuerberater Dirk Rosenbaum. Zusätzlich beantworteten Steuerexperten aus der Region Fragen, die RUNDSCHAU-Leser per E-Mail stellten. FOTO: Frank Hammerschmidt
Cottbus . Rentner und Pensionäre können ihre Steuerlast mindern. Wie das geht, sagen die Steuerexperten der Lausitzer Rundschau. Es geht um Ost-Renten, Witwenrente, Minijobs und Freibeträge. Manches erkennt das Finanzamt aber nicht als steuerlich absetzbar an.

Die Steuererklärung für 2018 ist fällig. Die Lausitzer Rundschau begleitet Sie mit einer Serie zum Thema. Regionale Steuerexperten antworten auf die Fragen der Leserinnen und Leser. Viele Fragen kamen von Rentnerinnen und Rentnern. Hier finden Sie die Antworten der Steuerberater und des Lohnsteuerhilfe-Vereins auf die häufigsten Fragen der Ruheständler.

Wir hören immer wieder, dass die Rentenerhöhungen vor allem im Osten zur Steuerfalle für Rentner werden. Was bedeutet das, worauf müssen wir jetzt achten?

 Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine, hat Leserfragen an die Lausitzer Rundschau zum Thema Steuern sparen beantwortet.
Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine, hat Leserfragen an die Lausitzer Rundschau zum Thema Steuern sparen beantwortet. FOTO: dpa-tmn / Agentur Baganz

Uwe Rauhöft, Geschäftsführer Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL): Während die ursprüngliche Rente nur zu einem bestimmten Prozentsatz steuerpflichtig und im Übrigen steuerfrei ist, sind die jährlichen Rentenerhöhungen voll steuerpflichtig.

Deshalb können Fälle auftreten, in denen Rentner zunächst mit ihren Einkommen knapp unter der Grenze des steuerfreien Existenzminimums liegen und deshalb keine Steuern zahlen müssen, nach der Rentenerhöhung diese aber überschreiten, sodass Steuern anfallen.

Allerdings erhöht sich jährlich auch der Grundfreibetrag, der das etwas ausgleicht. Weil die Rentenerhöhungen für das Rentengebiet Ost etwas höher ausfallen als im Rentengebiet West, sind die Rentner im Rentengebiet Ost häufiger hiervon betroffen. Die meisten Rentner kommen allein durch die Rentenerhöhungen allerdings nicht in die Steuerzahlung.

Ob am Ende tatsächlich Steuern anfallen, hängt im Übrigen auch davon ab, welche weiteren steuermindernden Ausgaben abgesetzt werden können.

Im Zweifel sollten Rentner sich beispielsweise von einem Lohnsteuerhilfeverein beraten und das Einkommen berechnen lassen.Wer ausschließlich gesetzliche Rente bezieht, kann sich an der Tabelle orientieren, ob für ihn Handlungsbedarf besteht.

 Wer ausschließlich gesetzliche Rente bezieht, kann sich an dieser Tabelle orientieren, ob für ihn Handlungsbedarf besteht.
Wer ausschließlich gesetzliche Rente bezieht, kann sich an dieser Tabelle orientieren, ob für ihn Handlungsbedarf besteht. FOTO: LR / Sebastian Lehmann

Wenn die aktuelle Monatsrente, nach der letzten Anpassung Juli 2018, den Tabellenwert nicht übersteigt, entsteht keine Steuerbelastung. Die Finanzämter verzichten deshalb in der Regel auf eine Steuerklärung. Maßgeblich ist die Bruttorente vor Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung. Die Tabelle gilt, wenn keine weiteren Einkünfte, beispielsweise aus Vermietung vorliegen. Für Ehepaare gilt der doppelte Wert.

Mein Mann ist 2018 verstorben. Ich bekomme Witwenrente. Ab wann muss ich eine Steuererklärung abgeben? Bis jetzt waren wir zur Steuererklärung nicht veranlagt.

Uwe Rauhöft: Sowohl im dem Jahr, in dem ein Partner verstirbt, als auch im Folgejahr gilt noch der günstigere Splittingtarif für Verheiratete, sodass Sie wahrscheinlich weiterhin keine Steuererklärung einreichen müssen. Erst im dritten Jahr, also 2020, gilt der Steuertarif für Alleinstehende. Ab dem Jahr müssen Sie dann prüfen, ob eine Steuererklärung erforderlich ist.

Wenn Sie sich unsicher sind, sollten Sie einen Lohnsteuerhilfeverein mit der Steuererklärung beauftragen. Für den Mitgliedsbeitrag prüft der Verein am Ende auch den Steuerbescheid vom Finanzamt. Sie können sich in diesem Zusammenhang gleich beraten lassen, ob eine Steuererklärung weiterhin erforderlich ist und die Mitgliedschaft dann auch gleich wieder beenden.

Wir haben unsere Einkommensteuererklärung bisher über einen Lohnsteuerhilfeverein erstellten lassen. Jetzt sind wir Rentner. Ich habe gehört, dass es ein Formblatt für die einfache Steuererklärung als Rentner gibt. Wie komme ich dazu?
Uwe Rauhöft: Eine vereinfachte Steuererklärung gab es bisher nur für Arbeitnehmer. Allerdings konnten dort auch nur bestimmte steuermindernde Ausgaben abgesetzt werden. Rentner müssen die normale Steuererklärung einreichen. Das sind in der Regel der Mantelbogen sowie die Anlage R (Rente) und Vorsorgeaufwand für Versicherungsbeiträge.

Ich bin seit 15 Jahren Rentner und verdiene im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung monatlich zu meiner Rente hinzu. Muss ich diesen Zusatzverdienst in meiner Einkommensteuer, zu der ich aufgrund der gemeinsamen Einkommenshöhe mit meiner Ehefrau verpflichtet bin, angeben?

Uwe Rauhöft: Einkommen aus geringfügiger Beschäftigung kann vom Arbeitgeber bereits pauschal besteuert werden mit einem sehr geringen Steuersatz von zwei Prozent. In diesem Fall sind die Einkünfte in der Steuererklärung nicht mehr anzugeben.

Falls keine Versteuerung vom Arbeitgeber erfolgt ist, müssen diese Einkünfte individuell mit dem übrigen Einkommen versteuert werden. In der Steuererklärung sind sie in der Anlage N einzutragen.

Wie viel darf ich als Rentner in einer Nebentätigkeit steuerfrei hinzu verdienen ?
Uwe Rauhöft: Steuerfrei bleiben auf jeden Fall Nebentätigkeiten, die als Arbeitnehmer im Rahmen eines Minijobs (geringfügige Beschäftigung) ausgeübt werden, wenn der Lohn vom Arbeitgeber pauschal besteuert wird.

Eine weitere Variante ist die sogenannte Übungsleiterpauschale, nach der bis 2400 Euro im Jahr steuerfrei bleiben können. Sie gilt jedoch nur für einzelne begünstigte Tätigkeiten und für bestimmte Auftraggeber. Ansonsten sind die Einkünfte dem steuerpflichtigen Einkommen aus der Rente hinzuzurechnen. Ob eine Steuer anfällt, muss jedoch im Einzelfall berechnet werden.

Welche Möglichkeit außer hauswirtschaftlichen Dienstleistungen habe ich als Rentnerin, meine jährliche Steuerschuld zu mindern?

Dirk Rosenbaum, Steuerberater, Rosenbaum Treuhandberatungsgesellschaft mbH, Cottbus: Bei Rentnern ohne andere Einkünfte sind die Möglichkeiten beschränkt. Sie können hauswirtschaftliche Leistungen und aus Handwerkerrechnungen den anteiligen Arbeitslohn als Steuerermäßigung absetzen.

 Dirk Rosenbaum (vorn im Bild), Steuerberater in Cottbus, informiert beim Steuerforum der Lausitzer Rundschau über Rente und Steuern.
Dirk Rosenbaum (vorn im Bild), Steuerberater in Cottbus, informiert beim Steuerforum der Lausitzer Rundschau über Rente und Steuern. FOTO: Frank Hammerschmidt

Des Weiteren können Sie Sonderausgaben über Ihre Krankenversicherung hinaus geltend machen. Das sind zum Beispiel Haftpflicht-, Unfall- und Lebensversicherung (keine Sachversicherungen).

Beachten Sie bitte, dass Lebensversicherungen, die in einen Investmentfonds eingezahlt werden, nicht in den Vorsorgeaufwendungen berücksichtigt werden.

Zuzahlungen zu Medikamenten, Behandlungen, Heilmitteln wie Brillen, Zahnersatz und so weiter können als außergewöhnliche Belastungen berücksichtigt werden, soweit diese die Zumutbarkeitsgrenze übersteigen.

Einige Rentner haben eventuell Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis, aber bisher keinen Grund gehabt diesen zu beantragen. Menschen mit Behinderung steht ein Pauschbetrag zu, der ihr Einkommen mindert und somit die Steuerzahllast.

FOTO: LR / Sebastian Lehmann

Warum wird bei Ruheständlern der Grundfreibetrag nicht jährlich erhöht, sondern bleibt bei dem Wert, der zu Beginn des Renteneintritts festgestellt wurde?

Dirk Rosenbaum: Das Gesetz ist im Jahr 2004 so verabschiedet worden. Die Idee des Gesetzgebers war es, den steuerpflichtigen Teil der Rente schrittweise anzuheben und parallel dazu auch den steuerlich absetzbaren Teil der Rentenbeiträge.

Ja, das ist nachteilig. Gerade erst seit vier Jahren wird immerhin der Grundfreibetrag für jeden Steuerpflichtigen sowie die Progressionskurve jährlich etwas angehoben, um die kleinen und mittleren Einkommen von der „kalten Progression“ zu entlasten.

Was bedeutet der Durchschnittssteuersatz?

Dirk Rosenbaum: Der Durchschnittssteuersatz ergibt sich aus der Formel: festgesetzte Steuer geteilt durch das zu versteuernde Einkommen, mal (multipliziert) 100 Prozent.

Er steigt mit wachsendem Einkommen, weil der im Progressionsbereich ansteigende (Grenz-)Steuersatz nicht auf das Gesamteinkommen, sondern nur auf jeden zusätzlichen Euro Einkommen anzuwenden ist.

Für 2018 gilt: Bis 9000 Euro fällt keine Einkommensteuer an. Das Einkommen von 9001 Euro bis 13.996 Euro wird mit 14 Prozent Einkommensteuer belastet.

Diese Belastung steigt ab 13.997 Euro mit jedem weiteren hinzuverdienten Euro weiter an, solange bis ab 54.949 Euro die 42 Prozent erreicht sind, die dann auf den gesamten übersteigenden Betrag anzuwenden sind. Festgelegt sind diese Sätze in Paragraf 32a Einkommensteuergesetz (EStG).

Wir fahren öfters zu unseren Kindern zwecks Enkelkinderbetreuung, wenn diese verhindert sind. Können wir die Fahrtkosten von der Steuer absetzen?

Dirk Rosenbaum: An solchen Aufwendungen beteiligt sich das Finanzamt leider gar nicht. Es sind Kosten der privaten Lebensführung.

Ist es richtig, dass ein Rentner, der nur Bezüge aus der gesetzlichen Rentenversicherung erhält, in Ruhe abwarten kann, bis ihn das Finanzamt zur Abgabe der Steuererklärung auffordert?

Uwe Rauhöft: Das ist nicht richtig. Wenn eine gesetzliche Abgabepflicht besteht, und insbesondere wenn sich aufgrund der Rentenhöhe eine Steuerzahlung ergibt, muss eine Steuererklärung eigenständig und fristgerecht eingereicht werden.

Anderenfalls kann eine verspätete Abgabe beispielsweise mit einem Verspätungszuschlag versehen werden. Allerdings verzichten die Finanzämter bei Rentnern bisher hierauf meist.

Kann man Sparanlagen für die Enkelkinder als Sonderausgaben geltend machen?

Jens Enke: Nein, das ist leider nicht möglich. Hier handelt es sich um eine reine Schenkung an die Enkelkinder. Bitte beachten Sie den Freibetrag für Schenkungen an Enkel und Urenkel von bis zu 200.000 Euro innerhalb von zehn Jahren.

 Jens Enke, Steuerberater aus Herzberg, beantwortet Fragen der Leser im Steuerforum der Lausitzer Rundschau.
Jens Enke, Steuerberater aus Herzberg, beantwortet Fragen der Leser im Steuerforum der Lausitzer Rundschau. FOTO: Frank Hammerschmidt

Ich bin Rentnerin und habe mir über einen Minijob etwas hinzu verdient zur Rente. Dafür musste ich 2017 allerdings Steuern nachzahlen. Was muss ich beachten, damit mir das in Zukunft nicht noch einmal passiert?

Martina Ehmke: Um eine nachträgliche Besteuerung als Minijobber zu vermeiden, müsste der Arbeitgeber, bei dem Sie den Minijob ausüben, alle abgabenrechtlichen Zahlungen übernehmen.

Dies sollten Sie von vornherein mit dem jeweiligen Arbeitgeber abstimmen. Eine Verpflichtung seitens des Arbeitgebers dazu besteht nicht. Er muss nur die notwendigen Anmeldungen vornehmen.

Weitere Beiträge zum Thema Steuern sparen lesen Sie hier

(moe)