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| 02:34 Uhr

Startschuss in Silicon-Spree-Valley

Es soll die Initialzündung für weitere Investitionen der Solarbranche an der Landesgrenze zwischen Sachsen und Brandenburg sein: Im Spreetaler Industriegebiet Schwarze Pumpe ist gestern der Grundstein für die Silicon Pilot Production GmbH (SPP) gelegt worden. Nach Angaben des geschäftsführenden Gesellschafters Christian Schmid sollen rund 49 Millionen Euro in die Pilotanlage zur Herstellung von Monosilan und Polysilizium – Ausgangsstoffen für die Herstellung von Solarzellen – investiert werden. In der Pilotanlage sollen etwa 90 Arbeitsplätze entstehen. Von Christiane Klein

Auf die Baumaschinen auf dem 12 000 Quadratmeter großen Grundstück wartet eine Menge Arbeit. Schwere Bagger und Radlader müssen sich ihren Weg durch abgerissene Industriebauten bahnen, Platz für Neues schaffen. "Wir bauen hier eine Art große Waschmaschine", veranschaulicht Jochem Hahn, was genau auf Spreetaler Grund wachsen soll. Hahn ist Geschäftsleiter der Schmid Silicon Technology GmbH mit Sitz im baden-württembergischen Freudenstadt, die die Pilotanlage in der Lausitz baut. In bis zu 50 Meter hohen Anlagen soll Rohsilizium so gründlich gereinigt werden, dass es sich für die Weiterverarbeitung in der Fotovoltaik eignet. Das Verfahren sei weltweit einmalig und SPP damit Technologieführer in einem Bereich, der weiteres Wachstum in der Solarbranche ermögliche, ist Investor Christian Schmid überzeugt. Was der Pilotanlage Vorsprung am Markt sichern soll, ist eine spezielle Technologie, bei der die Produktionskosten für Monosilan rund 28 Prozent unter denen herkömmlicher Prozesse lägen. Die Materialausnutzung würde gesteigert und der Energieverbrauch reduziert, erklärt der SPP-Geschäftsführer. Die Technologie sei in einer Tochterfirma in der Ukraine entwickelt worden. Im Spreetaler Industriegebiet soll sie nun weiter verbessert und getestet werden.

Rund 540 Tonnen Monosilan sollen pro Jahr in Spreetal hergestellt werden. Bis zu 300 Tonnen davon gingen direkt an die Linde AG, so der Geschäftsführer. Mit dem Industriegase-Konzern sei bereits im April dieses Jahres ein langfristiger Liefervertrag abgeschlossen worden. Aus dem restlichen Monosilan will SPP Polysilizium gewinnen und auf dem Fotovoltaikmarkt anbieten. Schon im Juni kommenden Jahres könnte die Produktion in der ersten Ausbaustufe der Pilotlinie starten, die zweite gehe Ende Dezember 2009 in Betrieb, kündigt Schmid an.

Fördermittel vom FreistaatFür SPP nimmt der Schwabe aus Freudenstadt reichlich Geld in die Hand. Insgesamt fließen rund 49 Millionen Euro in das Projekt, darunter auch Fördermittel des Freistaates Sachsen. "Die Investition ist trotz der Finanzkrise sinnvoll", ist sich der Unternehmer sicher und froh, dass er die Finanzierung für das Projekt "schon vor dem Fiasko gesichert" hat. Mit der Grundsteinlegung wollte Christian Schmid gestern auch ein Zeichen für weitere Investoren setzen und ihnen Sicherheit vermitteln. Die Pilotanlage soll eine Art Magnetwirkung auf andere Unternehmen der Solarbranche entfalten. Die Schmid Silicon Technology GmbH - als Generalunternehmer für die Errichtung der SPP - will dabei auch als Dienstleister für weitere Investoren zur Verfügung stehen.

Ein Solarriese, der bereits Interesse angemeldet hat, ist die Sunways AG aus Konstanz. Das Unternehmen wolle von der Schmid Silicon Technology GmbH eine schlüsselfertige Anlage zur Produktion von Polysilizium erwerben, die im Spreetaler Industriegebiet stehen soll, gab der Konzern bereits Ende vergangenen Jahres bekannt. Die zuständige Pressesprecherin war gestern nicht erreichbar. Der früheren Mitteilung zufolge will Sunways aus dieser Anlage voraussichtlich Ende kommenden Jahres erstes Silizium gewinnen. Ab 2010 sollen die vollen 1000 Tonnen Jahreskapazität verfügbar sein, hieß es weiter. Dieses Siliziumvolumen reiche für die Produktion von Wafern genannten Siliziumscheiben für Solarzellen mit einer Gesamtleistung von 100 Megawatt.

Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) hofft, dass der Pilotanlage weitere Investoren folgen und erklärte zur Grundsteinlegung: "Das ist ein gutes Zeichen für den Standort und die Menschen hier. Der Grundstein könnte das Fundament für ein ganzes Siliziumcluster in der Lausitz werden." Reichlich Platz für neue Ansiedlungen ist im Industriegebiet vorhanden: Rund 20 Hektar stehen zur Verfügung. Die Gemeinde Spreetal sorgt gerade dafür, dass sie genutzt werden können. Etwa 47 Millionen Euro würden in den Ausbau der Infrastruktur wie neue Straßen, Brauchwasserleitungen und Abwasserentsorgung fließen, erklärt Spreetals Bürgermeister Manfred Heine (parteilos).

Energie-Problem gelöstEines der größten Probleme - die Energieversorgung - ist inzwischen gelöst. Das sei allerdings alles andere als einfach gewesen, sind sich die Beteiligten einig. Obwohl sich in Schwarze Pumpe das Vattenfall-Kraftwerk befindet, hätten zu Beginn der Planungen keine freien Kapazitäten an Elektroenergie zur Verfügung gestanden, berichtet Schmid. Es habe nicht am Willen Vattenfalls gemangelt, die notwendige Energie bereitzustellen, sondern an den technischen Möglichkeiten und gesetzlichen Auflagen, um ein Industrieunternehmen aus dem Großkraftwerk direkt versorgen zu können und zu dürfen. Künftig sollen nun neue 110-Kilovolt-Leitungen von envia Netz, einer 100-prozentigen Tochter der envia Mitteldeutsche Energie AG, die Produktionsanlage versorgen - und auch ausreichend Energie für weitere Unternehmen liefern.

Bürgermeister Manfred Heine ist optimistisch: "Das hier soll nur der erste Grundstein sein. Ich warte auf weitere." Jochem Hahn taufte Spreetal gestern vorsorglich schon einmal in "Silicon-Spree-Valley" um.