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Starthilfe für Meister

Nutzen die Starthilfe: die Meister für Elektrotechnik René Pabst (l.) und Thomas Krause aus Spremberg.
Nutzen die Starthilfe: die Meister für Elektrotechnik René Pabst (l.) und Thomas Krause aus Spremberg. FOTO: dpa
Spremberg. Viele Handwerker suchen aus Altersgründen Nachfolger. Damit das nicht zum Firmensterben führt, helfen die Länder mit finanziellen Anreizen. Anna Ringle

Werkzeug, ein gebrauchter Transporter und ein paar Büromöbel: Der kleine Meisterbetrieb von zwei Elektronikern in Spremberg (Spree-Neiße) ist noch ganz jung. Seit Jahresbeginn arbeiten René Pabst und Thomas Krause am Aufbau ihrer Zwei-Mann-Firma, erste Kundenaufträge gibt es schon.

Die Erstausstattung konnten sie sich auch deshalb leisten, weil sie beim Land Brandenburg eine Prämie für die Gründung eines Meisterbetriebes im Handwerk bekommen haben. Auch andere Bundesländer bieten Förderprogramme an - sogar für die Übernahme einer bestehenden Handwerksfirma. Das kommt nicht von ungefähr: In Deutschland suchen viele Firmen in den kommenden Jahren aus Altersgründen händeringend Nachfolger.

Die beiden Meister sitzen in Arbeitskleidung in einem kleinen Bürozimmer in Spremberg und organisieren Termine. Vor einiger Zeit hatten sie sich für das Förderprogramm "Meistergründungsprämie" des Wirtschaftsministeriums in Potsdam angemeldet. Seit der Einführung im Herbst 2015 wurden bis Ende 2016 in Brandenburg 110 Anträge gestellt. Das Wirtschaftsministerium wertet dies als Erfolg.

Wie wäre der Firmenstart verlaufen, wenn es die Prämie nicht geben würde? "Wir hätten unser Darlehen hochschrauben müssen", sagt Elektroniker Pabst. "Und das gebrauchte Auto wäre älter und damit preiswerter gewesen", ergänzt sein Kollege Krause. Das Geld strecken die beiden vor und reichen später die Rechnungen ein.

Im deutschen Handwerk zeichnet sich schon seit Längerem ein großes Problem ab. Etwa 180 000 Betriebe suchen nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) bis zum Jahr 2020 eine Nachfolge, in der Regel aus Altersgründen. Es drohe der Verlust von Wissen und wichtiger Infrastruktur gerade im ländlichen Raum, wenn die Firmen keinen Nachfolger finden. Die Suche gestalte sich häufig schwierig.

Experten gehen davon aus, dass mit den Zuschüssen und Prämien für Meister etwas gegengesteuert werden kann. Im Bereich der Handwerkskammer Cottbus zum Beispiel haben sich im zweiten Halbjahr 2016 22 Meister in die Selbstständigkeit begeben. Es sei erkennbar, dass das Förderprogramm mehr in Anspruch genommen werde, heißt es bei der Kammer.

Zugleich kritisierten aber einige Meister, dass der bürokratische Aufwand für den Mittelabruf sehr aufwendig sei. Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Magdeburg, Burghard Grupe, sagt: "Die Meistergründungsprämie ist ein Instrument, das den Nachwuchsmangel bei der Unternehmensübergabe abmildern kann." Er betont aber zugleich: "Lösen kann sie ihn nicht." In Sachsen-Anhalt gab es bislang die Unterstützung von Meistern bei der Existenzgründung nicht, sie ist aber inzwischen in Planung.

Mehrere Bundesländer setzen derzeit auf die Förderung von Meistern, wenn sie Firmen gründen. Der ZDH zählt neben Brandenburg auch Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen auf. In Mecklenburg-Vorpommern wurden nach Landesangaben ähnliche Instrumente entwickelt. Neben einer Meisterprämie, bei der ein Zuschuss von 7500 Euro bei einer Unternehmensnachfolge an Handwerks- und Industriemeister ausgezahlt wird, erhalten Meisterabsolventen das "Meister-Extra" in Höhe von 1000 Euro. Der Betrag werde für dieses Jahr auf 2000 Euro aufgestockt, hieß es.

Auch in anderen ostdeutschen Bundesländern gibt es Bewegung. Thüringen kündigte unlängst an, dass es im Handwerk in diesem Jahr erstmals eine Meisterprämie geben soll: Die besten Absolventen der Meisterprüfungen jedes Gewerks sollen eine Einmalzahlung von 1000 Euro erhalten.

Warum werden gerade Meister gefördert? Eine Existenzgründungsprämie an den Meister zu binden, ist aus Sicht des Verbands ZDH sinnvoll, da Gründungen im Handwerk ohne Meisterqualifikation in der Vergangenheit häufiger scheiterten. Es gebe - vor allem seit 2004 mit der Aufhebung der Meisterpflicht für viele Gewerke und in den zulassungsfreien Handwerken - einen Trend zu Neugründungen mit geringer Lebensdauer. Der Verband führt das auch auf eine "unzureichende Qualifikation der Gründer" zurück "aufgrund fehlender Meisterprüfung".

Zum Thema:
Sachsen unterstützt junge Meister seit vergangenem Jahr mit einem Bonus in Höhe von 1000 Euro. 942 Meister haben die zum 1. September 2016 eingeführte Bonus-Zahlung in Anspruch genommen, das heißt, 942 000 Euro wurden ausgereicht. In diesem Jahr sind 1,6 Millionen Euro eingeplant, um Meisterabsolventen unter die Arme zu greifen. Derzeit liegen bereits 17 neue Anträge vor. Vergeben wurde der Bonus vor allem an Kraftfahrzeug- und Elektrotechniker, Installateure, Heizungsbauer und Friseure. Der Meisterbonus ist nicht an eine Unternehmensgründung gekoppelt. Die Kosten für eine Meisterausbildung liegen je nach Gewerk bei 4600 Euro und bis zu 12 000 Euro. Brandenburg gewährt eine Meistergründungsprämie. Sie ist ein Förderprogramm der Investitionsbank des Landes im Auftrag des Wirtschaftsministeriums. Der Zuschuss richtet sich an Handwerksmeister für die erstmalige Gründung oder Übernahme einer Firma. Die Prämie wird auch gezahlt, wenn sich Meister an einer Firma beteiligen. Das Förderprogramm läuft seit Herbst 2015. Die Förderung beträgt bis zu 8700 Euro. Wenn zusätzlich noch Arbeits- oder Ausbildungsplätze geschaffen werden, gibt es noch einmal bis zu 3300 Euro dazu.