ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:04 Uhr

Stapellauf Mitte März

Auf der Schiffswerft Laubegast (SWL) in Dresden herrscht hektische Betriebsamkeit. Der Neubau für eine Ostsee-Fähre steht nach Auskunft von Geschäftsführer Gerhard Schilling vor dem Abschluss. Das Schiff ist bereits im Rohbau fertig und soll, wenn alles glatt geht, Mitte März vom Stapel laufen. Es ist seit langem das erste Mal, dass in Laubegast wieder ein seegängiges Fähr- und Ausflugsschiff entsteht, betont der Werftchef. Von Ernst W. Raymund

Den Namen des schmucken Neubaus will Schilling nicht preisgeben. "Der Auftraggeber hüllt sich noch in Schweigen", sagt er nur. Sicher ist, dass der Eigner, die Apollo-Reederei in Peenemünde, das Schiff für den Fährverkehr zwischen der Ostseeinsel Usedom und dem pommerschen Festland sowie für Ausflugsfahrten aller Art nutzen will. Die Reederei besitzt dem Werftchef zufolge bereits fünf Schiffe.

Grundzüge von den Elbfähren
In den Grundzügen entspricht der Neubau dem Standardtyp der Elbfähren, mit dem sich die SWL einen guten Namen gemacht hat, erläutert Schilling. Allerdings musste dem höheren Seegang auf der Ostsee Rechnung getragen werden. Die Fähre ist 18 Meter lang und knapp fünf Meter breit. Sie hat einen Tiefgang von 75 Zentimetern und kann bis zu 120 Personen befördern. Die Baukosten beziffert der Werftchef mit rund 400 000 Euro.
Die Werft liegt derzeit auf Erfolgskurs, betont Schilling, der das Schiffbauunternehmen 2000 mit zwei Partnern übernahm. Das Unternehmen schreibt schwarze Zahlen, beschäftigt 30 Mitarbeiter und hat in den vergangenen Jahren sechs Lehrlinge ausgebildet. Der Geschäftsführer räumt allerdings ein, dass die Flutkatastrophe von 2002 der Werft zahlreiche Aufträge bescherte. Kurzfristig mussten nach dem Hochwasser zerstörte Schiffe erneuert und beschädigte repariert werden.
Gute Kunden waren und sind die Dresdner Verkehrsbetriebe AG (DVB) und die Oberelbische Verkehrsgesellschaft Pirna-Sebnitz mbH (OVPS), die ihre Fähren hier auch überholen lassen. Auch die Sächsische Dampfschifffahrtsgesellschaft lässt einen Teil ihrer Flotte hier warten. Derweil bemüht sich Schilling, der spätestens zum Jahresende in Ruhestand treten will, um lukrative Nachfolgeaufträge. Die SWL bewirbt sich um den Neubau eines Ausflugsdampfers für einen sehr bekannten oberbayerischen See sowie für eine seegängige Weserfähre. Das wäre ein siebenstelliges Auftragsvolumen und würde den Dresdner Schiffbaubetrieb drei Jahre auslasten.
Die Anfänge des Traditionsbetriebs reichen bis ins Jahr 1836 zurück und waren eng mit der Weißen Flotte verbunden. 1855 bis 1896 liefen auf der nach Blasewitz verlegten Werft 46 Fahrgastschiffe vom Stapel. Dann wurde der Betrieb auf den heutigen Firmensitz Laubegast verlagert. Nach 1945 wurde die SWL als Betriebsteil Dresden-Laubegast in die Deutschen Binnenwerften mit dem Sitz in Berlin eingegliedert.

Dritter Anlauf erfolgreich
Daran änderte sich nach der Wende nichts. Wegen der zunehmenden wirtschaftlichen Probleme der Muttergesellschaft stand Laubegast zweimal vor der Liquidation, obwohl die Firma in Dresden ausgelastet war. Der Initiative von Land und Stadt war es zu verdanken, dass der einzige sächsische Schiffbaustandort erhalten blieb. Schilling und seine beiden Partner kauften 2000 das Unternehmen und wandelten es in eine Aktiengesellschaft um. Dank "erheblicher Investitionen" in den vergangenen Jahren wurde die Werft nicht nur gerettet, sondern hat auch gute Zukunftschancen, meint der scheidende Geschäftsführer. Informationen im Internet: www.werft-laubegast.de