"Überall wo Kunststoffe verstärkt werden müssen, kommen unsere Produkte zum Einsatz", erklärt Geschäftsführer Wilfried Queisser. Auch zur Wärmeisolation sei Glasseide ein wichtiges Produkt. "Unsere Auftragsbücher sind voll", freut sich Chef Queisser.

Rettung durch Privatisierung
Dabei hing das Unternehmen, einziges Glasseidenwerk in Ostdeutschland, nach der Wende an einem seidenen Faden. Drastische Umsatzeinbrüche bedeuteten fast das Aus. Erst mit der Übernahme durch die mittelständische Preiss-Daimler Gruppe (Grumbach bei Dresden) von der Treuhand im Jahre 1993 ging es wieder aufwärts. Seitdem konnte das Werk die Umsätze jährlich steigern. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 62 Millionen Euro. Queisser hofft auch in diesem Jahr auf eine Steigerung. Schwarze Zahlen schreiben die Oschatzer seit 1995.
Das Werk gehört zu den wichtigsten Arbeitgebern der Stadt, sagt Grit Walbe von der Abteilung Wirtschaftsförderung der Stadtverwaltung Oschatz. Angesichts einer Arbeitslosenquote von 16,4 Prozent in der Region sei die gute Entwicklung der Glasseidenfabrik ein bedeutendes Signal.
Ein Grund für den Erfolg sieht der Geschäftsführer in der Spezialisierung auf Nischenprodukte. So wurde die Produktionspalette total umgekrempelt, unrentable Erzeugnisse verschwanden aus dem Programm. Außerdem investierte das Werk in moderne Technik. Etwa 35 Millionen Euro sind es seit der Privatisierung.
Produziert werden die Fäden, deren Durchmesser nur 15 Prozent eines menschlichen Haares ausmachen, in Schmelzwannen. Kaolin, Quarz, Kalkstein und Bor werden darin bei 1530 Grad geschmolzen und danach zu Fäden gesponnen. Rund um die Uhr läuft die Produktion. Etwa 20 000 Tonnen Glasseide verlassen jährlich das Werk. Kunden gibt es im EU-Raum ebenso wie in den USA, Kanada, China und Japan. 60 Prozent der Oschatzer Produkte gehen in den Export.
"Wir haben nie eine Lizenz aufgenommen, all unsere Verfahren sind im Haus entstanden", erläutert Queisser stolz. Für ihn ist das ein weiterer Grund für den Erfolg. Glasseide sei ein Werkstoff der Zukunft. Seine Stärke sei die Leichtigkeit und Festigkeit. So finde der Werkstoff in der Automobilindustrie immer größere Verwendung. "Leichtere Materialien helfen, den Kraftstoffverbrauch zu senken", weiß der Geschäftsführer.

Töchter im Ausland
Zur Festigung seiner Position hat das Unternehmen mit 350 Beschäftigten 1996 ein Tochterunternehmen in Lettland gegründet. Dieses Werk sei stark auf die Herstellung von Isolationsmaterial spezialisiert, sagt Queisser. Außerdem wurde 2001 ein Joint-Venture-Unternehmen in China gegründet. Dort will die Glasseiden GmbH künftig noch stärker präsent sein.