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| 06:18 Uhr

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Städte warnen Innogy vor Netz-Verkauf an Eon

Nach dem Rauswurf von Terium will Innogy endlich sparen. Spekulationen, RWE könne die Tochter zerschlagen, beflügeln die Aktie. Antje Höning

Nach dem Rauswurf von Terium will Innogy endlich sparen. Spekulationen, RWE könne die Tochter zerschlagen, beflügeln die Aktie.

Um markige Sprüche war Ex-Innogy-Chef Peter Terium nie verlegen: "Fliegende Autos können wir nicht versprechen. Aber aufladen", heißt einer der Slogans, mit denen er Innogy nach der Abspaltung von RWE bewerben ließ. Terium selbst flog im Dezember, geschasst vom Aufsichtsrat wegen fehlender Kostendisziplin. Doch bei Innogy tut sich wenig. In Großbritannien liefen die Kunden davon, das Ökostrom-Geschäft wächst kaum. Größter Gewinnbringer ist ein 100 Jahre altes Geschäft - das mit den Stromnetzen. Es trägt über 60 Prozent zum Innogy-Gewinn bei. Gestern befeuerten Spekulationen, der Konkurrent Eon könnte Interesse an einer Übernahme des Netzes haben, die Innogy-Aktie. Sie legte um gut ein Prozent auf 33 Euro zu. Innogy und Eon wollten sich zu Marktspekulationen nicht äußern.

Die Städte, die knapp ein Viertel der RWE-Anteile halten, schlagen Alarm. "Sowohl eine Zerschlagung der Innogy als auch einen Verkauf des Innogy-Stromnetzes an Eon sehe ich äußerst kritisch", sagte Guntram Pehlke, Chef der Dortmunder Stadtwerke DSW 21, unserer Redaktion. "Das Netzgeschäft ist ein ganz wesentlicher Bestandteil des Innogy-Geschäftsmodells, und es wären darüber hinaus auch keine nennenswerten Synergien durch den Zusammenschluss der Stromnetze von Eon und Innogy zu erwarten." Dortmund ist größter RWE-Einzelaktionär.

Auch die in Branchenkreisen kursierende Spekulation, dass RWE die Innogy aufspalten will, besorgt die Städte. "Eine Aufspaltung der Innogy lehne ich entschieden ab, denn sie ginge ausschließlich zu Lasten der Beschäftigten", warnte Pehlke.

Hintergrund: RWE-Chef Rolf Martin Schmitz sieht sich zwar nicht unter Zeitdruck, will aber auf Dauer den 77-Prozent-Anteil an Innogy kräftig reduzieren. Und Netze sind in Zeiten von Minizinsen besonders wertvoll. Von den 18 Milliarden, die Innogy an der Börse wert ist, entfallen laut Finanzkreisen 15 Milliarden auf die Netze, heißt es in Finanzkreisen.

Das alles wird aber keine Rolle spielen, wenn am 6. März der Innogy-Aufsichtsrat zusammenkommt, so Konzernkreise. Dann gehe es um die wohl wenig berauschende Bilanz 2017 und Kostensenkungen, die Aufsichtsrats-Chef Werner Brandt bei Terium vergeblich angemahnt hatte. Der Aufsichtsrat habe schon im Dezember die Notwendigkeit eines höheren Stellenwerts der Kostendisziplin und einer fokussierten Wachstums- und Investitionsstrategie hervorgehoben. "Mit diesen Themen wird sich der Aufsichtsrat in seiner kommenden Sitzung beschäftigen", sagte eine Innogy-Sprecherin.

Laut Konzernkreisen sollen Kosteneinsparungen im dreistelligen Millionen-Bereich auf den Weg gebracht werden. Dabei gehe es nicht um ein Jobabbau-Programm, sondern um diskretionäre Maßnahmen wie die Senkung der hohen Beraterkosten. So sollen allein für das Kulturwandel-Programm "New way of working", das zu Teriums Lieblingsprojekten zählte und auch allerlei esoterische Maßnahmen umfasste, über die Zeit 600 Berater am Werk gewesen sein. Die Suche nach einem neuen Innogy-Chef zieht sich derweil hin. Vor der Sommerpause werde das nichts, heißt es. Bislang habe der Aufsichtsrat das Profil für den Neuen auf den Weg gebracht. So bleibt Personalvorstand Uwe Tigges weiter Interims-Chef. Und das macht er besonnen und gut.