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| 10:17 Uhr

Leverkusen
Staatsfonds ist neuer Großaktionär bei Bayer

Leverkusen. Der Konzern kommt voran beim Geldeinsammeln für den Monsanto-Deal. Temasek war auch bei Evonik engagiert. Antje Höning

Der Konzern kommt beim Geldeinsammeln für den Monsanto-Deal voran. Temasek war auch bei Evonik engagiert.

Bayer hat einen neuen Großaktionär: Die Investmentgesellschaft Temasek aus Singapur hält nun vier Prozent am Leverkusener Konzern. Bayer hat dafür 31 Millionen neue Aktien ausgegeben und im Gegenzug drei Milliarden Euro eingenommen. So füllt sich der Sack, aus dem Bayer die 59 Milliarden Euro teure Übernahme des US-Konzerns Monsanto bezahlen will. Damit kann auch die künftige Kapitalerhöhung geringer ausfallen. Den Anlegern gefällt das. Die Bayer-Aktie legte gestern um bis zu 2,7 Prozent auf 100,70 Euro zu, wenngleich sie vom Höchstkurs (146 Euro) weiterhin deutlich entfernt ist.

Der neue Investor ist kein Unbekannter: Bei Bayer war Temasek bereits mit 0,4 Prozent engagiert. Durch die Kapitalerhöhung ist der Staatsfonds nun zur Nummer zwei aufgestiegen. Größter Anteilseigner von Bayer ist der US-Investor Blackcrock mit sieben Prozent.

Temasek wurde 1974 gegründet und ist im Besitz von Singapur. Der Staatsfonds verwaltet ein Vermögen von 184 Milliarden Euro und ist in Branchen von Luftfahrt bis Telekommunikation engagiert, auch an der Fluggesellschaft Singapore Airlines und dem Anlagenbauer Mitsubishi Singapore Heavy Industries. Einmischen werde sich der Staat Singapur in die Geschäfte des Fonds aber nicht, beteuert der Investor in seiner Online-Präsentation.

Bayer-Chef Werner Baumann freute sich: "Temasek beteiligt sich weltweit an führenden Unternehmen und ist ein langfristig orientierter Anleger." Doch was heißt langfristig? Beim Essener Chemiekonzern Evonik war Temasek 2013 mit 4,6 Prozent ein- und schon 2016 wieder ausgestiegen. Doch für das Geschäft ist das egal: Mit vier Prozent ist Temasek ohnehin zu klein für einen Sitz im Bayer-Aufsichtsrat. An der Kapitalerhöhung für Temasek waren Bayers Altaktionäre nicht beteiligt. Es soll aber noch eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrechten für sie geben. Wann sie kommt und wie hoch sie ausfällt, ist noch offen. Baumann hatte gesagt, dafür müsse es eine "hinreichende Transaktionssicherheit" geben. Die EU-Kommission hat dem Monsanto-Deal bereits zugestimmt, mit dem US-Justizministerium gibt es eine grundsätzliche Vereinbarung. Details stehen noch aus, wie auch grüne Licht von Indien und Russland.

Bayer hatte 2016 angekündigt, rund ein Drittel des Deals mit Eigenkapital zu finanzieren. Über eine Pflichtwandelanleihe hat Bayer 2016 vier Milliarden Euro eingenommen. Der Verkauf von Covestro-Anteilen hat Bayer seit 2017 rund 5,5 Milliarden und so mehr als erwartet eingebracht. Um die Kartellauflagen zu erfüllen, will Bayer Beteiligungen an BASF verkaufen, das soll 5,9 Milliarden bringen. Zwar geht Bayer damit auch Cash Flow verloren, doch die von Anlegern wegen der Anteilsverwässerung gefürchtete Kapitalerhöhung wird geringer ausfallen als 2016 gedacht.