Unter Verdacht: Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser; der Vorstandssprecher der Deutschen Bank Josef Ackermann; der frühere Mannesmann-Aufsichtsrats-Chef Joachim Funk und der Vorsitzende der IG-Metall Klaus Zwickel (v.l.o.).Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft hat gestern nach zweijährigen Ermittlungen Anklage bei der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Düsseldorf erhoben. Die Behörde teilte mit, dass sechs Personen betroffen seien. Namen nannte sie nicht, weil zunächst die Betroffenen die Anklageschrift erhalten sollten.
Der frühere Mannesmann-Chef Klaus Esser, der zu den Betroffenen zählt, nannte die Anklage "willkürlich". Die Wahrheit sei einfach: "Ich habe mich im Übernahmekampf äußerst korrekt verhalten."
Ob das Landgericht über die Eröffnung der Hauptverhandlung entscheidet, sei völlig spekulativ, meinte ein Gerichtssprecher. Kommt es zum Prozess, nehmen auf der Anklagebank prominente Manager und Gewerkschafter Platz: neben Esser die ehemaligen Aufsichtsräte Josef Ackermann und Klaus Zwickel; der eine ist Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, der andere Chef der IG Metall. Alle haben die Vorwürfe vehement zurückgewiesen.
In der Affäre geht es um Abfindungen und Prämien an Mannesmann-Manager und Pensionäre des Konzerns in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro. Diese Zuwendungen sollen nach der spektakulären Übernahme des Düsseldorfer Traditionskonzerns durch den britischen Mobilfunkriesen Vodafone vor drei Jahren geflossen sein. Der Vorwurf der Ermittler lautet: Untreue oder Beihilfe zur Untreue.
Den Kontrolleuren hält die Staatsanwaltschaft vor, die horrenden Zahlungen an die Manager genehmigt und damit das Vermögen der Aktionäre geschädigt zu haben. Dabei geht es nicht um die Frage der Angemessenheit der Zahlungen, sondern um eine Rechtsgrundlage.
Die IG Metall in Frankfurt am Main ließ gestern nach Bekanntwerden der Anklageerhebung verbreiten, dass sie eine schnelle Rehabilitierung Zwickels erwarte. "Jetzt ist Schluss mit Unterstellungen und Verdächtigungen", erklärte IG Metall-Sprecher Claus Eilrich. In der Öffentlichkeit hatte Zwickel die Abfindungen für Esser als "unanständig hoch und für keinen Arbeitnehmer nachvollziehbar bezeichnet". Doch im Aufsichtsrat stemmte er sich nicht dagegen.
Die Deutsche Bank zeigte sich zugeknöpft und wollte die Anklageerhebung nicht kommentieren.
Der frühere Mannesmann-Chef Esser hat nach eigenen Angaben rund 30 Millionen Euro Abfindungen und Vertragsvergütungen erhalten. Auch für ihn sind die Vorwürfe "willkürlich".

Hintergrund Die Übernahmeschlacht
 Es war die größte Schlacht der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Über Monate wehrte sich der deutsche Mannesmann-Konzern gegen die Übernahme durch den britischen Konkurrenten Vodafone. Hier ein Überblick der Ereignisse:
21. Oktober 1999: Mannesmann wirft Vodafone den Fehdehandschuh hin und kündigt die Übernahme des britischen Mobilfunkanbieters Orange an. Für Vodafone würde Mannesmann damit zum direkten Konkurrenten auf dem britischen Heimatmarkt.
15. November: Vodafone-Chef Chris Gent schlägt Mannesmann eine Fusion vor. Der Vorstoß wird von der Mannesmann-Chefetage umgehend zurückgewiesen.
16. November: Gent kündigt eine "feindliche" Übernahme an.
19. November: Vodafone veröffentlicht ein Übernahmeangebot an die Mannesmann-Aktionäre. Der Wert beläuft sich nach den damaligen Aktienkursen beider Unternehmen auf 242,5 Milliarden Mark (124 Milliarden Euro). Mannesmann lehnt ab.
23. Dezember: Vodafone stellt sein Umtauschangebot für die Mannesmann-Aktionäre vor, dessen Wert sich auf 268 Milliarden Mark (137 Milliarden Euro) beläuft.
20. Januar: Vodafone erklärt sich bereit, sein "feindliches Übernahmeangebot" zu Gunsten einer einvernehmlichen Lösung fallen zu lassen, wenn dies einen Erfolg garantiert.
28. Januar: Mannesmann sucht in der Abwehrschlacht Verbündete und gibt Gespräche mit dem Online-Dienst AOL Europe über eine Zusammenarbeit bekannt.
3. Februar 2000: Mannesmann und Vodafone einigen sich gütlich auf eine Fusion. (afp/sm)