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Spenden und Kirchensteuer steuerlich geltend machen

Eine Finanzierung durch ausländische Geldgeber wäre eine Alternative zur Besteuerung. Foto: Hendrik Schmidt/Archiv
Eine Finanzierung durch ausländische Geldgeber wäre eine Alternative zur Besteuerung. Foto: Hendrik Schmidt/Archiv
Cottbus. Das Finanzamt beteiligt sich an den Ausgaben für Spenden, Kirchensteuer oder Ausbildung. Aber auch Aufwendungen für Arztbesuche oder Pflege können Steuerzahler verrechnen. Barbara Brandstetter

Mit Spenden, Kirchensteuer und Ausgaben für eine Ausbildung kann jeder schnell viel Steuern sparen. Die Finanz-beamten gewähren ohne Belege einen Pauschbetrag von 36 Euro (Alleinstehende) bzw. 72 Euro (Verheiratete) im Jahr. Dieser ist schnell überschritten. Sonderausgaben wie Kirchensteuer oder der Unterhalt an den Ex-Partner gehören in die Zeilen 37 bis 56 auf Seite 2 des Steuerhauptformulars. Ausgaben für die Altersvorsorge und Versicherungen tragen Steuerzahler in die "Anlage Vorsorgeaufwand" ein, Einzahlungen in die Riester-Rente in die "Anlage AV" (Teil 6).

Sonderausgaben

Unterhalt: Wer an seinen Ex-Partner Unterhalt zahlt, kann diesen bis zur Höhe von 13 805 Euro als Sonderausgaben in der Steuererklärung verrechnen (Zeilen 40-41 des Mantelbogens). Dazu muss jedoch die Zustimmung des Ex-Partners vorliegen, dass er die Zahlungen in seiner Steuererklärung als "Sonstige Einkünfte" versteuert. Zudem muss der Unterhaltszahler die "Anlage U" ausfüllen. Weigert sich der ehemalige Partner, können Steuerzahler die Unterhaltszahlungen alternativ bis zur Höhe von 8354 Euro als außergewöhnliche Belastungen abrechnen. Auch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung für den Verflossenen können über die Höchstbeträge hinaus als Sonderausgaben bzw. außergewöhnliche Belastungen steuerlich geltend gemacht werden. Kirchensteuer: Die gezahlte Kirchensteuer können Steuerzahler in unbegrenzter Höhe als Sonderausgaben steuerlich geltend machen. "Die Kirchensteuer auf Abgeltungsteuer fällt jedoch nicht in diesen Bereich", sagt Peter Pomian von der Vereinigten Lohnsteuerhilfe in Cottbus. Spenden: Das Finanzamt akzeptiert Zuwendungen für steuerbegünstigte Zwecke bis zur Höhe von 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte. Spenden, die darüber hinausgehen, können Steuerzahler im folgenden Jahr verrechnen. Wer bei Katastrophen auf ein Sonderkonto Geld überwiesen hat, muss keine Spendenbescheinigung vorlegen. Ein Kontoauszug genügt.

Außergewöhnliche Belastungen

Ausgaben für Ärzte, Medikamente und Pflege listen Steuerzahler als außergewöhnliche Belastungen auf Seite 3 des Steuerhauptformulars auf. Dabei müssen sie zwischen außergewöhnlichen Belastungen besonderer Art und allgemeiner Art unterscheiden.

Außergewöhnliche Belastungen besonderer Art (Zeilen 61-66) können Steuerzahler ab dem ersten Euro steuerlich geltend machen - jedoch nur bis zu einem bestimmten Höchstbetrag. Dazu gehören beispielsweise der Pauschbetrag für Hinterbliebene und für Behinderte sowie Unterhaltszahlungen an bedürftige Angehörige. Eltern verrechnen die Unterhaltsleistungen für ein Kind, für das sie kein Kindergeld mehr erhalten, bis zur Höhe von 8354 Euro als außergewöhnliche Belastung. Dazu müssen Eltern die "Anlage Unterhalt" ausfüllen.

Außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art (Zeilen 67-69) können Steuerzahler in unbegrenzter Höhe steuerlich geltend machen. In diese Kategorie fallen etwa Ausgaben für Medikamente, Krankenhausaufenthalte, Kuren, Pflege sowie Ehescheidungs- und Beerdigungskosten. Bevor sich bei diesen Aufwendungen jedoch der erste Euro steuermindernd auswirkt, müssen Steuerzahler eine zumutbare Belastung eigenhändig zahlen. Wie hoch diese ausfällt, hängt von der Höhe des Einkommens, dem Familienstand und der Anzahl der Kinder ab (s. Tabelle). Ein Beispiel: Herr Schneider ist ledig. Sein Gesamtbetrag der Einkünfte lag 2014 bei 52 500 Euro. Er muss demnach sieben Prozent, also 3675 Euro, aus eigener Tasche zahlen, bevor sich seine Ausgaben für Medikamente und Krankenhausaufenthalte steuermindernd auswirken.

Die Ausgaben für Zahnarzt, Arzt, Heilpraktiker, Medikamente, Brillen oder Rollstühle akzeptieren die Finanzbeamten, wenn diese von einem Arzt verordnet wurden. Aufwendungen für die häusliche Pflege eines Angehörigen können Steuerzahler in nachgewiesener Höhe steuerlich geltend machen. "Allerdings müssen sie Geld, das sie von Versicherungen erhalten haben, vorher abziehen", sagt Hans J. Kelleners, Fachanwalt für Steuerrecht. Die zumutbare Belastung, die Steuerzahler für Pflegeleistungen aus eigener Tasche zahlen müssen, können sie mitunter als haushaltsnahe Dienstleistungen verrechnen (Teil 9).

Die Kosten einer Scheidung erkennt das Finanzamt seit 2013 nicht mehr als außergewöhnliche Belastung an. Steuerzahler können Prozesskosten nur noch dann steuerlich geltend machen, wenn der Prozess existenziell notwendig ist. Betroffene sollten die Kosten trotzdem in der Steuererklärung als außergewöhnliche Belastungen angeben. Denn ob die seit 2013 geltende Regelung rechtens ist, muss der Bundesfinanzhof klären (Az.: VI R 66/14).

Kosten für eine Beerdigung akzeptieren die Finanzbeamten nur dann als außergewöhnliche Belastungen, wenn diese nicht aus dem Nachlass finanziert werden können. "Steuerzahler sollten die Ausgaben für außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art auch auflisten, wenn diese die zumutbare Belastung nicht übersteigen", sagt Gudrun Peters vom Lohnsteuerhilfeverein für Arbeitnehmer e. V. in Cottbus. Denn ob der Abzug einer zumutbaren Belastung rechtens ist, müssen die Richter des Bundesfinanzhofs klären (Az.: VI R 32/13).

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