ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:27 Uhr

Sonnige Perspektiven für die Energieregion Lausitz

Den Übergang vom Labor in die industrielle Massenproduktion von Spezialbeschichtungen für großformatige Dünnschicht-Solarmodule will die Precision Coating GmbH in Forst (Spree-Neiße) vollziehen. Dafür legte das Unternehmen aus Aschheim bei München gestern den Grundstein in der Neißestadt. Mit der 30-Millionen-Euro-Investition verbindet sich die Hoffnung auf weitere Ansiedlungen aus der Branche der erneuerbaren Energien, die inzwischen mehr als 2200 Arbeitsplätze im Land Brandenburg sichert beziehungsweise plant, darunter rund 560 in der Region Lausitz-Spreewald. Von Beate Möschl

Passend zum Anlass brannte die Sonne heiß. Die Precision Coating GmbH wird ihre Kraft zum einen nutzen, um den Energiebedarf für die eigene Produktion mit abzusichern: Fotovoltaik-Anlagen auf Dach und Fassade des Werkes sollen das Sonnenlicht in Strom umwandeln und per Einspeisevergütung eine Entlastung bei den Energiekosten bringen. Zum anderen soll die im eigenen Hause entwickelte und mit Unternehmen wie der von Ardenne Anlagentechnik Dresden umgesetzte Technologie der Zinkoxidbeschichtung Dünnschicht-Solarmodule leistungsfähiger und leichter machen. Letzteres würde auch den Einsatz im Fassadenbau ermöglichen. „Wir gehen davon aus, dass es uns gelingt, den Wirkungsgrad innerhalb von vier Jahren von derzeit fünf bis sechs Prozent auf zwölf bis 16 Prozent zu erhöhen“ , sagte Karsten Wagner, Geschäftsführer von Precision Coating. Die Besonderheit der Forster Produktion sei die Spezialisierung auf etwa sechs Quadratmeter große Module – „ein Alleinstellungsmerkmal in der Branche“ .
Auf Testanlagen der von Ardenne Anlagentechnik seien bereits Muster hergestellt worden. Das Urteil potenzieller Kunden sei „hervorragend“ ausgefallen. Namen nannte Wagner nicht. Ideal sei ein Lieferradius von etwa 300 Kilometern rund um Forst – und in diesem hätten sich bereits 90 Prozent aller deutschen Fotovoltaik-Produktionsstätten angesiedelt. Das sei mit ausschlaggebend gewesen für die Standortwahl, ebenso wie die Glashistorie der Region und das damit verbundene Know-how sowie die engagierte Zusammenarbeit aller Entscheidungsträger, die „eine schnelle Realisierung unseres Projektes ermöglicht hat“ .
Wagner zufolge ist der scharfe Produktionsstart für Mai/Juni 2009 vorgesehen. Produziert werden sollen 2,3 Millionen Quadratmeter beschichtetes Solarglas pro Jahr. „Die Anlagen werden an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr laufen, das heißt, wir brauchen in der ersten Stufe 60 Mitarbeiter“ , so Wagner. Ein Großteil der Jobs würden Glasfachleute aus Döbern und Tschernitz ausfüllen, die in den bereits seit März laufenden Bewerbergesprächen ausgewählt worden sind.
Die 30-Millionen Euro-Investition, hinter der die Bayerische Solar AG, München, und die Münchner Solar-Tec AG als Gesellschafter der Precision Coating GmbH stehen, wird über ein Leasing-Modell finanziert. Per Einzelfallentscheidung des brandenburgischen Wirtschaftsministers Ulrich Junghanns (CDU) soll den Investoren derselbe Fördersatz gewährt werden wie in einem regionalen Wachstumskern, obwohl der Standort Forst diesen Status nicht besitzt. Der Forster Bürgermeister, Jürgen Goldschmidt (FDP), regte erneut an, dies zu ändern.
Spree-Neiße-Landrat Dieter Friese (SPD) nannte die Solar-Investition in Forst einen „wichtigen Baustein“ für die Energieregion Lausitz-Spreewald. Energie sei zentrales Thema im Landkreis, der seit Jahrzehnten von der Kohle geprägt sei und mit neuen Technologien etwa zur CO 2 -armen Braunkohleverstromung sowie im Bereich erneuerbare Energien neues Profil und Gewicht erhalte. Das müsse vom Land anerkannt werden. „Es bedarf einer Korrektur der Branchenschwerpunktstandorte“ , forderte Friese. Minister Junghanns ließ sich dazu gestern keine Aussage entlocken.

Hintergrund Die Solarbranche in Deutschland und der Region
Die Solarbranche in Deutschland umfasst nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft 10 000 Fotovoltaik-(Solarstrom)-Unternehmen, einschließlich Zulieferern und Handwerksbetrieben, darunter mehr als 80 Produzenten von Solarzellen, -modulen und Komponenten.
In der Region Lausitz-Spreewald sind die FGT Glaswerk GmbH mit der FK Solartechnik Kleinkoschen und die Algatec-Gruppe Elsterwerda tätig. Sie sichern zusammen 70 Solar-Arbeitsplätze.
Neu angesiedelt hat sich die Interfloat Corporation, Liechtenstein. Sie baut für 50 Millionen Euro in Tschernitz ein Solarglaswerk mit 140 Arbeitsplätzen. EPV Solar investiert bei Senftenberg 45 Millionen Euro in eine Solarmodulfabrik mit 270 Jobs. Precision Coating errichtet in Forst für 30 Millionen Euro eine Solarglasbeschichtung mit 60 Mitarbeitern. Die Solarglas AG München plant eine 60 Millionen-Euro-Investition in ein Flachglaswerk mit 120 Jobs in Forst.