Im Akkord pressen die modernen Maschinen in der Betriebsstätte der Feurer Febra GmbH in Schwarzheide (Oberspreewald-Lausitz) unter Dampfdruck die Kerne für Sonnenblenden. Rund eine Million sind es im Monat. Das reicht für 500 000 Fahrzeuge in Europa.

Die Wahrscheinlichkeit ist also groß, dass Autofahrer bei störender Sonne eine Blende aus Schwarzheide herunterklappen. Die Lausitzer beliefern so namhafte Kunden wie Mercedes-Benz, BMW, Audi, Volkswagen, Audi, Skoda, Seat, Porsche und sogar die Luxusmarke Bentley.

Komplettiert in Massen

Die aus dem superleichten Polypropylen (EPP) gepressten Grundkörper werden nach Auskunft von Werkleiter Achim Ungerer im Intier-Werk Massen bei Finsterwalde (Elbe-Elster) mit Elektrik und einem Bezug aus Folie oder Stoff (für hochwertigere Fahrzeuge) komplettiert, bevor sie die Reise in europäische Automobilwerke antreten.

Produziert wird am Standort Schwarzheide mit mehr als 80 Mitarbeitern dreischichtig an sieben Tagen in der Woche. Im Jahr 2014 wurden 330 Produktionstage gezählt.

Der Auftragsbestand reicht bis in das Jahr 2022. Das heißt nach Angaben von Achim Ungerer, der seit sieben Jahren das Werk leitet, nicht, dass die Auftragsbücher bis dahin voll sind. "Dies hat vielmehr mit der Laufzeit der jeweiligen Automodelle zu tun", erläutert er. Hergestellt werden von den Sonnenblenden 20 Serienprodukte und weitere zehn Produkte anderer Art, wie für Sitze und Türverkleidungen in Automobilen.

Eigenständiger Standort

Schwarzheide habe sich innerhalb des inhabergeführten Familienunternehmens aus dem Landkreis Heilbronn in Baden-Württemberg von der verlängerten Werkbank zu einem eigenständigen Standort mit Entwicklung, Produktion und Lieferung gemausert, ergänzt Markus Feurer, Geschäftsführender Gesellschafter der Feurer Group GmbH. Kurze Wege seien effektiv. Denn: "Das Hin und Her macht Taschen leer", zitiert er eine Unternehmerweisheit.

"Wenn ein Produkt entwickelt wird, dann sitzen wir mit am Tisch, zum Beispiel bei VW in Wolfsburg, aber auch bei Rolls-Royce und Bentley", ergänzt Werkleiter Achim Ungerer und schiebt hinterher: "Wir sind ein selbstbewusstes, solides Unternehmen, das weiter wachsen will." Doch das sei nicht einfach. Trotz steigender Kosten dürfen die Produkte nicht teurer werden. Hierbei seien die Entwickler gefragt. Nicht zuletzt werde in immer modernere Maschinen investiert, die mehr Produktivität bei hoher Energieeffizienz erzielen. In Schwarzheide sind es vornehmlich Schäumautomaten. Die Feurer Febra GmbH verarbeitet im Monat etwa 50 Tonnen Polypropylen. Dieses Vorprodukt wird ebenso wie die Elektroenergie und stündlich bis zu 4500 Kilogramm Dampf auf kurzem Wege von dem benachbarten Chemieunternehmen BASF geliefert. Dies mache Sinn, weil das zu verarbeitende Rohmaterial zu etwa 98 Prozent aus Luft besteht.

Die BASF war es auch, erinnert sich Markus Feurer, die das Familienunternehmen innerhalb der Ansiedlungsinitiative in den 1990er-Jahren nach Schwarzheide "gelockt" hat. Die hervorragenden Standortbedingungen und die hohen öffentlichen Investitionszuschüsse hätten dafür gesprochen. Die geforderte zehnjährige Arbeitsplatzgarantie hat Feurer locker eingehalten. Bald liegt die erfolgreiche Ansiedlung zwei Jahrzehnte zurück. Markus Feurer lässt auch keine Zweifel an der Zukunft in Schwarzheide aufkommen: "Wir sind lösungsorientiert, eben schwäbische Tüftler. Das zeichnet uns als Familienunternehmen aus." Der Umsatz der Firmengruppe lag im Jahr 2014 bei 71 Millionen Euro.

Zum Thema:
Das Familienunternehmen Feurer ist 1898 vom Urgroßvater des heutigen Geschäftsführenden Gesellschafters Markus Feurer gegründet worden. Aus dem Kleinbetrieb wurde eine Unternehmensgruppe mit heute insgesamt mehr als 500 Mitarbeitern. Der Stammsitz befindet sich in Brackenheim (Baden-Würtemberg). Weitere Standorte sind Muggensturm, Pohlheim, Schwarzheide und das tschechische Znojmo. Feurer ist Geschäftspartner zahlreicher namhafter Unternehmen in Deutschland, in Europa und in den USA. Die Gruppe entwickelt, produziert und liefert innovative und wirtschaftliche Ladungsträger, Verpackungen und Automobilkomponenten. Die Kunden kommen zum Beispiel aus den Branchen Automobil- und Zulieferindustrie sowie aus der Pharmaindustrie.