Umstritten ist dabei der Aufschluss des sogenannten Teilfelds II, wo nach dem bisher immer noch geltenden Lausitzer Revierkonzept theoretisch bis zu 300 Millionen Tonnen Rohbraunkohle gefördert werden könnten. Ein Aufschluss würde aber auch die Abbaggerung des Welzower Ortsteils Proschim und auch des Flugplatzes Welzow bedeuten.

Unwägbarkeiten für die Leag

Der Tagebaubetreiber Leag äußert sich derzeit nicht zu den Welzow-Perspektiven. Allem Anschein nach gilt das Feld als Verhandlungsmasse bei der bevorstehenden Debatte um ein Kohleausstiegsgesetz, dass die Bundesregierung noch in diesem Jahr auf den Weg bringen will. Es regelt das Ende des Kohleabbaus und auch eventuelle Entschädigungen für die Tagebau und Kraftwerksbetreiber.

Das Grundproblem für die Leag ist die Frage, wieviel Kohle und daraus gewonnener Strom lassen sich noch wie lange kostendeckend auf dem deutschen Markt verkaufen? Eine Antwort auf diese Frage gibt es bis heute nicht. Die Leag will mit der Kohleproduktion und dem Stromverkauf auch die Sanierung dann stillgelegten Tagebaue finanzieren. Im Fall des einstigen Tagebaus Cottbus-Nord, des künftigen Cottbuser Ostsees, sind das nach Leag-Angaben rund 350 Millionen Euro. Spätestens ab 2023 steht dann die Sanierung und Rekultivierung des Tagebaus Jänschwalde an, der dann beendet sein soll.

Der Tagebau Welzow-Süd könnte ohne das Teilfeld II wohl bis Anfang oder Mitte der 2030-er Jahre betrieben werden. Genaue Aussagen dazu gibt es nicht, weil bisher nicht klar ist, wie viel Rohbraunkohle genau in den kommenden Jahren tatsächlich abgebaut wird.

„Rote Linie“ für die Grünen

Für die Grünen in Brandenburg ist der Verzicht der Leag auf das Teilfeld II des Tagebaus Welzow-Süd essentiell. In ihrer Lesart wäre der Aufschluss des Teilfeldes ein neuer Tagebau und dagegen haben sie sich grundsätzlich ausgesprochen. Eine „rote Linie“ bei der sie den Tisch für Fraktionsverhandlungen höchstwahrscheinlich sofort verlassen würden, wäre Pläne zur Abbaggerung von Proschim.

Klare Ansage von der CDU

Auch der CDU-Spitzenkandidat bei den Brandenburger Landtagswahlen Ingo Senftleben hatte sich in seinem Wahlkampf festgelegt. Seien Partei werde keiner Abbaggerung von Dörfern mehr zustimmen, betonte der CDU-Mann immer wieder. Bliebe es auch nach Senftlebens Rückzug bei dieser Aussage, wäre das Teilfeld II in Welzow mit der CDU nicht machbar.

Sozialdemokraten in der Zwickmühle

Die Brandenburger SPD findet sich bei der Welzow-Debatte in einer unangenehmen Zwickmühle wieder. Die Sozialdemokraten haben bisher stets versucht, sich als Interessenvertreter der Lausitzer Bergleute darzustellen. Diese Klientel würden sie mit einer Absage an Welzow II komplett verprellen.

Auch will sich die SPD offenbar nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, um nicht fahrlässig eventuelle Schadenersatzforderungen des Bergbaubetreibers zu provozieren. Formal ist das Teilfeld II in Welzow-Süd Bestandteil des Lausitzer Revierkonzeptes.