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Solarkürzung kann für viele Firmen der Todesstoß sein

Viktor Wesselak Foto: dpa
Viktor Wesselak Foto: dpa FOTO: dpa
Die von der Bundesregierung geplante Kürzung der Einspeisevergütung für Solarstrom um bis zu 30 Prozent könnte viele deutsche Hersteller in Existenznot bringen. Die Unternehmen sollten nun verstärkt kooperieren, um sich gegen die massive Konkurrenz aus China zu behaupten, sagt der Professor für erneuerbare Energien an der Fachhochschule Nordhausen, Viktor Wesselak.

Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) hat die Kürzung der Einspeisevergütung als „industriepolitischen Irrsinn“ bezeichnet. Hat er recht?

Aus industriepolitischer Sicht durchaus. Jahrelang hat man die Solarbranche gefördert, und nun kürzt und zerstört man das teilweise wieder. Im Grunde wirft man die deutschen Fotovoltaikhersteller der billigeren Konkurrenz aus China zum Fraß vor.

Welche Auswirkungen wird das auf die deutsche Solarbranche haben?

Für nicht wenige Unternehmen kann das der Todesstoß sein. Chinesische Hersteller werden in ihrem Heimatland massiv gefördert und sind mitunter bis zu 30 Prozent günstiger. Der Modulpreis wird mit der niedrigeren Einspeisevergütung für die Interessenten noch mehr zum Kaufargument. Die deutschen Unternehmen sollten nun einerseits verstärkt kooperieren. Es ist wichtig, dass sie nicht nur einzelne Schritte der Produktion beherrschen, sondern bestenfalls alles – von der Herstellung des Rohsiliziums bis zum fertigen Solarmodul. Letztlich müssen sie komplette Systemlösungen anbieten können. Das beinhaltet auch, dass sie selbst Strom auf dem Strommarkt anbieten.

Warum setzt die Bundesregierung die Kürzungen gegen den Widerstand einiger Parteifreunde in den Landesregierungen durch?

Die Regierung ist unter Zugzwang geraten, weil die Einspeisevergütung für die eigenen Maßstäbe zu erfolgreich geworden ist. Bei den derzeitigen Zuwachsraten hätten wir noch vor dem Jahr 2020 das Ziel von 60 Gigawatt Fotovoltaikleistung im deutschen Netz erreicht. Das hatte man ursprünglich für 2050 geplant. Trotzdem müsste man den Übergang schonender gestalten.

Einige Bundesländer haben die Ansiedlung von Solarunternehmen stark gefördert. War das vom heutigen Standpunkt sinnvoll?

Die erneuerbaren Energien sind leider im Moment für viele der Buhmann, weil sie den Strom angeblich teurer machen. Durch die Förderung der Solarbranche haben sich aber die Preise der Module jede Dekade halbiert. Es gibt erfolgreiche Ansiedlungen, beispielsweise in Arnstadt, die auch viele Arbeitsplätze geschaffen haben. Nicht zuletzt ist Deutschland in bestimmten Bereichen noch Weltmarktführer, und es erfordert Investitionen, wenn man das bleiben möchte.

Lohnt es sich für Hauseigentümer noch, eine Solaranlage aufs Dach bauen zu lassen?

Auf jeden Fall. Durch die Kürzung werden für die Verbraucher andere Aspekte interessanter, wie der Eigenverbrauch. Zudem rechne ich in den kommenden Monaten mit einem Preisverfall der Module. Dadurch wird es mittelfristig wieder genauso rentabel sein.

Mit Viktor Wesselak

sprach Peter Althaus, dpa