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| 18:05 Uhr

Lausitzer Unternehmergeschichten
„So, ich will jetzt digitalisieren!“

2014 gründete Michael Freudenberg in Senftenberg seine eigene Digitalagentur neuZIEL. Mit drei Kollegen, unterstützt durch Praktikanten und Werkstudenten, werden Webseiten erstellt oder Web-Anwendungen entwickelt.
2014 gründete Michael Freudenberg in Senftenberg seine eigene Digitalagentur neuZIEL. Mit drei Kollegen, unterstützt durch Praktikanten und Werkstudenten, werden Webseiten erstellt oder Web-Anwendungen entwickelt. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche
Senftenberg. Lausitzer Unternehmer berichten in loser Folge von ihren Erfahrungen in der sich wandelnden Region – heute: Michael Freudenberg, Gründer und Chef der Senftenberger Firma NeuZIEL. Von Michael Freudenberg

Ich bin Gründer und Geschäftsführer der Firma neuZIEL. Wir sind eine Digitalagentur aus Senftenberg mit drei Kollegen, unterstützt durch Praktikanten und Werkstudenten. Wir erstellen Webseiten, entwickeln webbasierte Anwendungslösungen und beraten Unternehmen.

Seit 2008 arbeitete ich als Administrator an der Hochschule Lausitz in Cottbus. Nebenher begann ich, eigene Web-Projekte zu entwickeln und damit
die Grundlagen für die Selbstständigkeit zu legen. 2014 ließ sich beides nicht mehr vereinbaren: Auf der einen Seite die Festanstellung im öffentlichen Dienst, mit all seinen 
Klischees und Vorurteilen, auf der anderen Seite meine
 selbstständige Tätigkeit als Webentwickler. Meine Vorstellung von Arbeit ist es, Entwicklungs- und Gestaltungsfreiraum zu haben, offen und agil arbeiten zu können, mit flachen Hie­rarchien zu wirken und zu kommunizieren. Das bietet eine Hochschule leider nicht.

Ich legte meine Kündigung auf den Tisch und konzentrierte mich fortan auf die Selbstständigkeit. Es war eine der besten Entscheidungen in meinem Leben.

Dabei fing alles mit dem Erstellen von Webseiten an. Das ist ein hart umkämpfter Markt, auf dem viel Akquise betrieben werden muss. Immer und immer wieder müssen wir uns potenziellen Kunden vorstellen und sie von unserer Qualität und Leistungsfähigkeit überzeugen. Der Bewerbungsprozess beginnt jedes Mal von vorn. Mit der Zeit entdeckten wir ein zweites, sehr interessantes Segment: die Digitalisierung von Geschäftsabläufen und -prozessen.

Heutzutage ist mit der richtigen IT eine Menge möglich. Das Problem ist, dass Kunden oft gar nicht wissen, was alles umsetzbar ist. Zudem fürchten sie: „Das kostet uns sicher viel Geld!“ Wenn jedoch relevante Prozesse digitalisiert werden, rechnet es sich für ein Unternehmen in mehrfacher Hinsicht. Die neue Software amortisiert sich in der Regel schnell. Außerdem steigern sich Service und Qualität. Und: Das Unternehmen bleibt auch in Zukunft wettbewerbsfähig.

Die Mitarbeiter der Firmen werden von uns bei jedem Auftrag eng eingebunden. Die Zusammenarbeit beginnt mit vielen Treffen, bei denen
wir in das Unternehmen „hineinhorchen“, Fragen stellen und uns die Arbeitsprozesse erklären lassen. Für die
Mitarbeiter ist es oft schwierig, die in
der Firma ablaufenden Prozesse zu überblicken. Wir greifen dann zu analogen Mitteln und visualisieren die Prozesse. Anschließend folgt sehr schnell der Aha-Effekt: „Oh, wow! Das ist ja umständlich!“

Ab diesem Punkt arbeiten wir in vielen kleinen Teilschritten weiter. Ein sehr sensibler und agiler Prozess. Der Chef einer Firma kann zumeist nicht einfach sagen: „So, ich will jetzt digitalisieren!“ Das schürt bei den Mitarbeitern schnell die Angst: „Jetzt hat sich der Chef schon wieder etwas Neues ausgedacht! Was passiert, wenn die Software mich in meiner Arbeit nicht nur unterstützt, sondern ablöst? Verliere ich am Ende meinen Job?“ Die Mitarbeiter müssen von Beginn an mitgenommen werden.

Es darf zudem nie darum gehen, dass wir jemandem etwas überhelfen, frei nach dem Motto: „Wir haben da eine tolle Software, die verwendet ihr jetzt mal.“ Stattdessen geht es darum, für jeden konkreten Arbeitsschritt das genau Passende zu entwickeln. Bei einer Standardsoftware, die viele Unternehmen einsetzen, werden oft nur zehn Prozent der Funktionen benötigt. Andererseits gibt es Bedarfe, die nicht abgedeckt werden. Bei uns geht es darum, die Software den Bedürfnissen der Firma entsprechend zu programmieren. So viel wie nötig, aber so schlank wie möglich.

Unsere Kunden sind Profis in dem, was sie tun – wir sind die Profis in Sachen Internet, Web-Anwendungen und digitale Medien. Auch wenn jeder sein spezialisiertes Arbeitsfeld hat, müssen wir uns auf vielen Ebenen verstehen, um zusammenarbeiten zu können. Wenn es dabei ein Ungleichgewicht gibt, passt es auf lange Sicht nicht. Am besten läuft die Zusammenarbeit mit Unternehmen, die genauso wie wir eine Vision, Innovationsfreude und den Drang nach vorn haben. Wer für die Zukunft gut  aufgestellt sein  möchte,  kommt   an  der  Digitalisierung  nicht  vorbei.