ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:40 Uhr

Sinnvoll mit zu viel Strom umgehen

Prof. Dr. Felix Müsgens (l.) und Stefan Wald stecken viel Zeit und Energie in das sechsmonatige Innovationsforum an der BTU.
Prof. Dr. Felix Müsgens (l.) und Stefan Wald stecken viel Zeit und Energie in das sechsmonatige Innovationsforum an der BTU. FOTO: hil
Cottbus. Die Speicherung großer Strommengen ist bisher ein Problem. Fachleute und Wissenschaftler in der Lausitz wollen es jetzt gemeinsam lösen. Andrea Hilscher

Es ist eine kniffelige Herausforderung: Wie lassen sich Stromüberschüsse, die aus Solar- und Windkraft gewonnen werden, speichern? Eine Antwort verbirgt sich hinter dem Prinzip "Power-to-Heat", der Nutzung von Strom zur Wärmegewinnung. Genau diesem Thema widmet sich ein Innovationsforum an der BTU Cottbus-Senftenberg.

Es ist so ein Wort, das überall hinpasst und nirgends wirklich etwas aussagt: Innovationsforen können sein wie schillernde Seifenblasen, von denen nichts bleibt außer einem schönen Augenblick. Das Innovationsforum "Power-to-Heat", das derzeit den Lehrstuhl für Energiewirtschaft an der BTU in Atem hält, will allerdings mehr sein. Innerhalb von sechs Monaten soll ein nachhaltiges regionales Netzwerk geknüpft werden, das die Akteure des Energiesektors miteinander ins Gespräch bringt. Ihr gemeinsames Thema: Power-to-Heat (P2H), zu Deutsch etwa: Strom zu Wärme.

Dabei geht es nicht etwa um herkömmliche Stromheizungen. P2H soll genutzt werden, um derzeit nicht speicherbare Stromspitzen aus Wind- und Solarenergie sinnvoll zu nutzen.

Professor Felix Müsgens vom Lehrstuhl für Energiewirtschaft: "In großem Stil wurde bisher erforscht, wie sich der Stromsektor dekarbonisieren lässt. Da aber auf dem Wärmesektor weitaus mehr CO{-2} produziert wird, macht es Sinn, gerade hier den Umsatz von Kohlenstoff weitgehend zu verringern."

Power-to-Heat hat, wenn das Prinzip funktioniert, folgenden Vorteil: Nutzt man überschüssigen Strom für die Einspeisung in eine Wärmepumpe, dann kann man sehr effektiv Wärme erzeugen. Die Wärmepumpe erzeugt mit Strom und Umgebungswärme (draußen) Heizungswärme für drinnen.

Da dabei aus jeder kWh Strom mehrere kWh Wärme erzeugt werden können, ist diese Technologie umweltschonend. Ein bestechend hoher Wirkungsgrad, der auch die Stadtwerke Forst dazu gebracht hat, eine kleine P2H-Anlage zu installieren.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt das sechsmonatige Innovationsforum der BTU mit rund 100 000 Euro. Derartige Foren sollen vor allem in den neuen Bundesländern die Entwicklung von Wachstumskernen anstoßen und so den Strukturwandel stützen.

In den Fachforen, die Projektleiter Stefan Wald in Cottbus organisiert, geht es um innovative Techniken, um Prognosen für den Strom- und Wärmemarkt, Betriebserfahrungen und Wirtschaftlichkeit. Die Teilnehmerliste ist beeindruckend: BASF ist ebenso vertreten wie zahlreiche regionale Stadtwerke, Netzbetreiber, Anlagenhersteller oder Forschungseinrichtungen wie Fraunhofer.

Stefan Wald, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl: "Gerade die Wirtschaftlichkeit von Power-to-Heat ist eine brisante Frage." Strom wird momentan an der Börse zu Niedrigstpreisen gehandelt, teilweise sogar verschenkt. Die Umlagen aber, die trotz allem fällig werden, potenzieren die Kosten von Power-to-Heat. senken entsprechend die Wirtschaftlichkeit. Prof. Felix Müsgens: "Wir brauchen also dringend neue Geschäftsmodelle, vielleicht auch neue Regularien für den Strommarkt." Vielleicht, so hofft er, fließen die Ergebnisse des Cottbuser Innovationsforums künftig in die Gesetzgebung des zuständigen Bundesministeriums ein. Im März, zur großen Abschlussveranstaltung des Forums, haben sich etliche Vertreter aus Berlin angemeldet.

Felix Müsgens: "Power-to-Heat wird allein nicht die Lösung aller Probleme bringen, kann aber einen Baustein der Energiewende liefern." Und die BTU Cottbus-Senftenberg sollte daran ihren Anteil haben.

Zum Thema:
Unter Power-to-Heat (P2H) versteht man die Erzeugung von Wärme unter dem Einsatz von Strom. P2H ist eine Möglichkeit Stromüberschüsse aus erneuerbaren Energien durch Kopplung für die Wärmebereitstellung zu verwenden, womit dann fossile Energieträger als auch Emissionen im Wärmebereich eingespart werden können. Zur Erhöhung der Flexibilität sind Power-to-Heat-Anlagen häufig mit Wärmespeichern gekoppelt.