• Warum sind DDR-Mopeds eigentlich immer noch Kult?
  • Welche Marken und Modelle gab es eigentlich?
  • Außerdem wollen wir noch wissen, welches Ihr Lieblings-DDR-Moped war bzw. ist
  • Hier gibt es alle Infos zu Simson, Schwalbe & Co.:
Sie heißen Simson, Schwalbe, Star, Sperber oder SR und sind auch mehr als 30 Jahre nach der Wende auf den Straßen Deutschlands unterwegs – und das nicht nur im Osten. Die Mopeds und Mokicks aus DDR-Produktion sind Kult und das aus guten Gründen. Welche Marken und Modelle wurden in der DDR produziert und gefahren?

Simson S51: Motorisierter Held vieler Jugendlicher

Die Simson S51 ist das meistverkaufte Mokick in Deutschland. Sage und schreibe 1,6 Millionen Fahrzeuge wurden produziert. Gebaut wurde diese Maschine vom VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst Thälmann“ in Suhl. Die S51 wurde zwischen 1980 und 1990 hergestellt und war unter Jugendlichen besonders beliebt. Sie brachte es nämlich schon ohne „Verbesserungen“ auf eine Höchstgeschwindigkeit von 60 Kilometern in der Stunde. Bergab und mit Rückenwind schaffte es so manche Maschine auf Tempo 70. Damit diese Simson auch weiterhin als Kleinkraftrad mit einem Versicherungsschein zulassungsfrei gefahren werden darf, gab es für die S51 sogar eine Ausnahmeregelung im Einheitsvertrag. Normalerweise gilt hier nämlich eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 45km/h. Auch in der Fahrerlaubnisverordnung ist diese Sonderregelung zu finden ((§§ 76 FeV, Nr. 8 § 6 Abs. 1).

Einige technische Daten zur Simson S51

  • Motor: Einzylinder-Zweitakt-Ottomotor
  • Hubraum: 49,8 Kubikzentimeter
  • Leistung: 2,7 kw/3,7 PS
  • Höchstgeschwindigkeit: 60 km/h
  • Antrieb: Kette
  • Bremsen: Trommeln
  • Getriebe: 3- oder 4-Gang
  • Leergewicht: 78,5 Kilogramm
  • Tankinhalt: 8,7 Liter
  • Verbrauch: 2,5 Liter je 100 Kilometer

Mit welchem Führerschein darf ich Simson fahren?

Gefahren werden darf die Simson S51 mit dem Führerschein der Klasse AM. Jugendliche in ganz Deutschland können jetzt den Führerschein AM mit 15 machen. Das entsprechende Gesetz ist am Ende Juli 2021 in Kraft getreten. Vorher gab es in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Regelungen. In einige Regionen durften schon Jugendliche mit 15 Jahren diesen Mopedführerschein machen, in anderen erst ab 16. Das ist im Sommer 2021 nun vereinheitlicht worden.

Was kostete die Simson S51 damals und was kostet sie heute?

In der DDR war die Simson S51 als Neufahrzeug nur mit langer Wartezeit erhältlich. Der Neupreis der Maschine wurde damals mit etwa 1200 DDR-Mark angegeben. Je nach Ausstattung ging es bis auf 2000 DDR-Mark und mehr herauf.
Aufgrund der andauernden oder in den vergangenen Jahren sogar gestiegenen Beliebtheit der DDR-Mopeds sehen auch die Preise dementsprechend aus. Ein Blick in die gängigen Online-Börsen zeigt, dass der Kauf einer Simson S51 in gutem Zustand für unter 2000 Euro im Jahr 2021 einem echten Schnäppchen nahekommt.

Mit Höchstgeschwindigkeiten von mehr als 60 km/h waren Simson, Schwalbe und Co besonders bei den Jugendlichen in der DDR beliebt und sind es bis heute.
Mit Höchstgeschwindigkeiten von mehr als 60 km/h waren Simson, Schwalbe und Co besonders bei den Jugendlichen in der DDR beliebt und sind es bis heute.
© Foto: Hendrik Schmidt

Simson S50 und S53 - Vorgänger und Nachfolger der S51

Vor der Simson S51 rollte die Simson S50 über die Straßen der DDR. Diese Maschine wurde zwischen 1975 und 1980 in Suhl hergestellt. Insgesamt sollen rund 600.000 Stück ausgeliefert worden sein. Auch diese Maschine brachte es auf eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h und kann mit dem Führerschein der Klasse AM gefahren werden. Die S50 war wegen seines für damalige Verhältnisse sportlich-modernen Aussehens bei den Jugendlichen in der DDR besonders beliebt.
Die Simson S53 kam im Jahr 1990 auf den Markt. Es ist das letzte in der DDR entworfene Mokick von Simson. Sie hatte aber im Vergleich zu den Vorgängermodellen nur bescheidenen Erfolg. Das lag einerseits sicher an den Wirren der Wendejahre und andererseits auch an der verminderten Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h, die ab dem Jahr 1992 produzierte Modelle fahren durften. Die letzte Simson S53 wurde im Jahr 2001 gebaut.
Eine Schwalbe im Dokumentationtszentrum für Alltagskultur in der DDR in Eisenhüttenstadt. Die Schwalbe ist aber nicht nur ein beliebtes Museumsstück, sondern nach wie vor auf den Straßen (Ost)-Deutschlands unterwegs.
Eine Schwalbe im Dokumentationtszentrum für Alltagskultur in der DDR in Eisenhüttenstadt. Die Schwalbe ist aber nicht nur ein beliebtes Museumsstück, sondern nach wie vor auf den Straßen (Ost)-Deutschlands unterwegs.
© Foto: Frank Groneberg

Schwalbe, Sperber, Star - Die Vogelserie aus dem Hause Simson

Auch die Maschinen aus der sogenannten Vogelserie aus dem Fahrzeugwerk in Suhl sind heute noch auf den Straßen zu sehen – besonders die Schwalbe. Der Kleinroller wurde zwischen 1964 und 1986 in unterschiedlichen Baureihen gefertigt. Insgesamt wurden in Suhl mehr als eine Million Stück gebaut. Auch die Schwalbe kann seit der Wende mit der oben beschriebenen Ausnahmegenehmigung gefahren werden. Seit 2017 vertreibt der in München ansässige Hersteller Govecs unter dem Namen Schwalbe einen Elektroroller, der ursprünglich am ehemaligen Simson-Standort Suhl entwickelt wurde und dessen Form an die Simson Schwalbe angelehnt ist. Die Produktionsstätten der Firma Govecs liegen allerdings nicht in Suhl, sondern nach eigenen Angaben in Polen und Spanien.
Es gab in der DDR noch andere Modelle der Vogelserie. Diese waren aber nicht so erfolgreich und verbreitet wie die Schwalbe. Zu nennen sind hier der Spatz (Bauzeit zwischen 1964 und 1970), der Star (1964 und 1975), der Sperber (1966 und 1972) und der Habicht (1972 bis 1975).

5. Juli 2014 - Ein Festtag für Fans der Schwalbe

Zum 50-jährigen Jubiläum des Rollers versammelten sich im Juli 2014 mehr als 1000 Schwalbe-Fahrer und Vertreter von etwa 50 Fanclubs aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz in Suhl. Die schönsten Fotos vom Event gibt es noch einmal in dieser Bildergalerie:
Die schönsten Bilder vom Treffen der Simson-Fans in Suhl

50 Jahre Schwalbe Die schönsten Bilder vom Treffen der Simson-Fans in Suhl

Simson-Museum in Suhl

Für Fans historischer Fahrzeugtechnik gibt es in Suhl aber weiterhin einen guten Anlaufpunkt. Im Fahrzeugmuseum Suhl lässt sich die Geschichte der legendären Simson-Mopeds gut nacherleben. Seit Mai 2007 präsentiert sich das Fahrzeugmuseum Suhl im Stadtzentrum. Auf 1100 Quadratmetern Ausstellungsfläche werden etwa 180 Ausstellungsstücke aus allen Bereichen des Fahrzeugbaus gezeigt: Fahrräder, Mopeds, Motorräder und Automobile. Einen besonderen Raum nimmt dabei der überaus erfolgreiche Suhler Motorsport ein.
Verschiedene Modelle der Simson Schwalbe (vordere Reihe) stehen im Fahrzeugmuseum in Suhl (Thüringen) nebeneinander.
Verschiedene Modelle der Simson Schwalbe (vordere Reihe) stehen im Fahrzeugmuseum in Suhl (Thüringen) nebeneinander.
© Foto: Martin Schutt/dpa

S51, Schwalbe oder SR? – Die Simson-Umfrage

Und jetzt seid Ihr gefragt. Wir wollen von Euch wissen, welches der Mopeds, die in der DDR über die Straßen knatterten und dies bis heute tun, war Eure Lieblingsmaschine? Hier geht es zur Umfrage:
Text wird ständig erweitert