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| 01:02 Uhr

Siemens-Aktionäre loben von Pierer

Der scheidende Siemens-Chef Heinrich von Pierer verabschiedet sich von seinem Amt mit einem Gewinnsprung im ersten Quartal und der Aussicht auf ein höheres Umsatzwachstum im gesamten Geschäftsjahr. Seinem Nachfolger Klaus Kleinfeld hinterlässt er aber ungelöste Probleme mit der defizitären Handysparte. Nach zwölf Jahren an der Spitze von Siemens gab der 64-jährige Pierer gestern auf der Hauptversammlung in München seinen Posten als Vorstandsvorsitzender ab. Künftig soll er als Chef des Aufsichtsrates agieren. Von Heinz Simon <br> und Ralf Isermann

Siemens-Anteilseigner zogen eine positive Bilanz der Amtszeit. "Aus Sicht der Aktionäre würde ich ein sehr gut mit Stern im Abschlusszeugnis ausstellen", sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Das Unternehmen habe sich zu einem wettbewerbsfähigen und transparent agierenden Konzern entwickelt. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger lobte die positive Entwicklung des Aktienkurses.

Gewinnsprung zu Jahresbeginn
Vor Beginn der Hauptversammlung hatte Siemens die Zahlen für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2004/2005 (bis Ende September) vorgelegt. Der Technologiekonzern steigerte ungeachtet eines leichten Umsatzrückgangs seinen Gewinn deutlich. Der Ausblick auf das Gesamtgeschäftsjahr fiel aber eher zurückhaltend aus. Es gebe Chancen, das Konzernergebnis noch einmal zu verbessern, hieß es lediglich. Das Ergebnis nach Steuern stieg von Oktober bis Dezember auf gut eine Milliarde Euro nach 726 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Im operativen Geschäft legte das Ergebnis der Bereiche von 1,36 Milliarden auf 1,43 Milliarden Euro zu, während der Umsatz leicht von 18,33 Milliarden auf 18,16 Milliarden Euro zurückging.
Der große bittere Tropfen im Becher der Freude war der Bereich Handy. Beim Absatz musste der Konzern im ersten Quartal trotz Branchenboom einen Rückgang von 15,2 Millionen auf 13,5 Millionen verkaufte Geräte hinnehmen. Damit machte die Sparte einen operativen Verlust von 143 Millionen Euro nach einem Gewinn von 64 Millionen Euro im Vor-jahresquartal. Der Umsatz sank um 21 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro. Zur Zukunft der kränkelnden Handy-Sparte legte von Pierer auf der Hauptversammlung noch keine konkreten Pläne vor. Dafür gab es viel väterlichen Rat für den Nachfolger.
Der 47-jährige Klaus Kleinfeld wird von nun an die Geschicke des Siemens-Konzerns mit seinen 430 000 Mitarbeitern lenken. Der als Kommunikationstalent geltende Kleinfeld äußerte sich trotz wiederholter Aufforderung der Siemens-Aktionäre nicht zu seiner Strategie und seiner Vorgehensweise in Bezug auf die Handy-sparte. Vielen Beschäftigten ist aber gegenwärtig, wie Kleinfeld das US-Geschäft des Konzerns innerhalb von drei Jahren aus einem Verlust von einer halben Milliarde Dollar zu einem ebenso hohen Gewinn führte. Rund 10 000 Jobs blieben durch den Sanierungsplan des drahtigen Marathonläufers auf der Strecke.
Ein radikaler Schnitt unter dem neuen Boss scheint jedoch vom Tisch: Den Wert der Sparte gelte es zu erhalten, gab Pierer vor: "Die Marke Siemens steht für etwas, nicht nur hier in Deutschland. Das gilt es zu schützen."
Der nach zwölf Jahren scheidende Top-Manager Pierer nutzte seine Abschiedsrede, um eine Art unternehmerisches Vermächtnis für seinen Nachfolger zu formulieren. Demnach soll Siemens trotz Kritik von Aktionären am "Gemischtwarenladen" festhalten - Zukäufe seien dabei ebenso wenig ausgeschlossen wie Verkäufe. Gleichzeitig sollen die Kundenwünsche wieder mehr berücksichtigt und die Mitarbeiter besser ausgebildet werden.

Aktionäre wünschen ehrbares Geschäft
Die Aktionäre garnierten die Ansprüche Pierers mit konkreten Forderungen: Außer der Sanierung des Handybereichs forderte etwa der Vertreter eines Investmentfonds, dass Kleinfeld den US-Dauerrivalen General Electric (GE) angreifen und ihm die Rolle als globale Nummer eins streitig machen solle. Allerdings haben nach den Erfahrungen mit dem grundsoliden Pierer nicht alle Aktionäre die Sehnsucht nach aggressiverem Geschäftsgebaren. "Lieber Herr Kleinfeld, bitte kein 'american way of business'", mahnte der Sprecher eines Aktionärsvereins. "Halten Sie es einfach mit den Grundsätzen des ehrbaren Kaufmanns aus ihrer Heimatstadt Bremen."