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| 14:43 Uhr

Für krumme Geschäfte mit Prostituierten „entlohnt“
Sexskandal um prominenten polnischen Politiker

 Mehrere Zeitungen berichteten in Polen über den Sejm-Abgeordneten Stefan Niesiolowski.
Mehrere Zeitungen berichteten in Polen über den Sejm-Abgeordneten Stefan Niesiolowski. FOTO: Agentur
Zielona Góra. Sejm-Abgeordneter aus Zielona Góra soll mit Prostituierten für krumme Geschäfte entlohnt worden sein.

Stefan Niesiolowski kann auf eine bemerkenswerte politische Biografie verweisen. Schon 1970 wurde der damals 26-jährige Universitätsdozent zu sieben Jahren Gefängnis wegen „Vorbereitung der gewaltsamen Abschaffung des sozialistischen Systems“ verurteilt. Und als im Dezember 1981 das Kriegsrecht in der Volksrepublik Polen verhängt wurde, musste er ein weiteres Jahr in Haft.

Seit den Veränderungen von 1989 gehört der Solidarnosc-Aktivist bis auf eine kurze Unterbrechung dem polnischen Parlament an. Zuletzt wurde er in dem an Brandenburg grenzenden Wahlkreis Zielona Góra gewählt, obwohl sein eigentlicher Wohnort Lodz ist.

Doch seit dieser Woche hat Nisiolowski  ein Problem: „Der geile Stefan und die drei Businessmänner“ – mit diesen Worten titelten gleich mehrere Zeitungen am Freitag Berichte über eine Affäre, in deren Zentrum der mittlerweile 73-Jährige stehen soll.

Was ist geschehen? Am Donnerstag waren drei Geschäftsleute aus Lodz von der Antikorruptionsbehörde CBA verhaftet worden. Sie hätten ausgesagt, in mehr als 30 Fällen für Niesiolowski Prostituierte finanziert zu haben, heißt es in den Berichten. Den Verhafteten wird vorgeworfen, mit Hilfe des Politikers fragwürdige Lieferverträge für Kohle und Phosphorit-Dünger abgeschlossen zu haben.

Niesiolowski bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Er habe nie Schmiergelder bezahlt oder empfangen, erklärte er.

An dem vermeintlichen Skandal ist jedoch noch etwas auffällig: Die Fülle an Details, die sofort an die Medien gelangten. „Ich will, dass wir uns um halb zehn treffen, denn um eins muss ich zum Gartenhaus.“ Das soll der Abgeordnete an einem Tag im Juli 2015 gesagt haben, als ein Treffen mit einer Prostituierten vereinbart wurde, berichtet das Boulevardblatt „Fakt“.

Und dass die dubiosen Partner des Politikers dessen sexuelle Ausdauer offenbar gering einschätzten, „Wie lange wirst Du bei ihm sein? Vielleicht 15 Minuten?“ soll einer der jetzt Verhafteten gesagt haben, als er mit dem Callgirl über deren Lohn verhandelte. Niesiolowski, der der oppositionellen Bauernpartei PSL angehört, betrachtet die Behauptungen gehen ihn als Versuch, von einer anderen  Affäre abzulenken, die Polen seit Tagen bewegt. Seit Montag wurden illegale Aufzeichnungen von Gesprächen bekannt, die der Chef der Regierungspartei PiS, Jaroslaw Kaczynski, mit einem österreichischen Bauunternehmer geführt hatte. Dabei ging es um den Bau von zwei Apartment-Hochhäusern in Warschau, aus deren Vermietung die PiS-Partei offenbar ihre Parteikasse füllen wollte. Zwar kam das Geschäft letztlich nicht zustande, doch der Mythos von Kaczynski als Saubermann ist seither angekratzt.