Seehofer rief deutsche Großbetriebe und Familienhöfe gestern am Rande des informellen EU-Landwirtschaftsministertreffens im französischen Annecy auf, gemeinsam mit ihm in Brüssel für einen weitgehenden Erhalt der Direktzahlungen nach 2013 einzutreten. "Wenn wir in Deutschland den Bauernkrieg haben, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn es einen lachenden Dritten gibt, das sind dann die anderen Bauern in Europa", sagte Seehofer.

Das Agrarbudget der Europäischen Union (EU) beläuft sich auf rund 43 Milliarden Euro, das entspricht 40 Prozent des EU-Haushalts. Rund neun von zehn Euro entfallen auf Direkthilfen an die Bauern. In Deutschland profitieren von den Hilfen vor allem Großbetriebe in Ostdeutschland. Pro Arbeitsplatz gerechnet sei die Direkthilfe für einen ostdeutschen Betrieb aber nicht größer als für ein bayerisches Familienunternehmen, betonte Seehofer. "Neidpolitik" sei deshalb nicht angebracht.

Die EU-Kommission will die Direktzahlungen deutlich verringern, wie Landwirtschaftskommissarin Mariann Fischer Boel in Annecy bekräftigte. Die dänische Kommissarin verwies dabei auf den "enormen Druck auf den EU-Haushalt und die harte Konkurrenz zwischen verschiedenen Ausga-benbereichen".

Der Hintergrund: Die EU will im Zeitraum 2014 bis 2020 mehr Geld in Forschung und Entwicklung stecken. Seehofer pocht dagegen auf eine "Existenzsicherung" für deutsche Bauern. AFP/sha