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| 20:32 Uhr

Wirtschaft
Schlechte Karten am Arbeitsmarkt

Berlin. Schwerbehinderte finden trotz guter Konjunktur nur selten regulären Job. Stefan Vetter

Trotz der anhaltend guten Konjunktur in Deutschland haben Schwerbehinderte offenbar immer noch große Probleme, einen regulären Job zu finden. Von den schwerbehinderten Erwerbslosen, die im vergangenen Jahr nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik auftauchten, fand nur jeder sechste eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt. In der Vergleichsgruppe der Arbeitslosen ohne Handicap gelang dies immerhin gut jedem vierten Betroffenen. Das zeigt eine aktuelle Datenübersicht der Bundesagentur für Arbeit (BA), die der RUNDSCHAU vorliegt.

Demnach fanden nur 16,6 Prozent der Schwerbehinderten, die nicht mehr als arbeitslos registriert waren, im vergangenen Jahr eine reguläre Anstellung. Die anderen fielen zumeist deshalb aus der Statistik, weil sie sich in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen befanden oder ihnen eine Arbeitsunfähigkeit bescheinigt wurde.

Für den gleichen statistischen Effekt sorgte auch eine vorruhe­stands­ähnliche Sonderregelung, wonach Arbeitslose über 58 Jahre nicht mehr als arbeitslos gelten, wenn ihnen ein Jahr lang kein Job angeboten wurde.

Nach den gesetzlichen Bestimmungen sind Arbeitgeber je nach Betriebsgröße zur Beschäftigung von Schwerbehinderten verpflichtet. So müssen in Unternehmen mit mindestens 20 Arbeitsplätzen wenigstens fünf Prozent der Stellen für schwerbehinderte Menschen zur Verfügung stehen. Frauen sind dabei besonders zu berücksichtigen. Entziehen sich die Betriebe dieser Verpflichtung, wird eine Ausgleichsabgabe für jeden nicht entsprechend besetzten Arbeitsplatz fällig. Derzeit können das bis zu 320 Euro pro Monat sein.

Nach den Daten der BA wurde die Beschäftigungsquote im aktuellen Berichtsjahr 2015 nicht erfüllt. Statt fünf Prozent betrug sie insgesamt nur 4,7 Prozent. Die private Wirtschaft kam lediglich auf 4,1 Prozent. Fast 39 000 private Arbeitgeber mit Unternehmen von jeweils mehr als 20 Arbeitsplätzen hatten demnach überhaupt keine Schwerbehinderten unter Vertrag. Vorbildlich waren dagegen die öffentlichen Arbeitgeber. 2015 waren in den staatlichen Behörden 6,6 Prozent der Beschäftigten schwerbehindert.