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| 07:47 Uhr

Energiewende
Schwarzheide soll zum Reallabor werden

 Testgelände für den großindustriellen Versuch mit erneuerbaren Energien: der Chemiestandort Schwarzheide der BASF.
Testgelände für den großindustriellen Versuch mit erneuerbaren Energien: der Chemiestandort Schwarzheide der BASF. FOTO: BASF
Schwarzheide. Ein Konsortium von acht Partnern der Lausitzer Wirtschaft und Forschung will erneuerbare Energien im industriellen Maßstab für den Chemiestandort Schwarzheide nutzbar machen. Auf einem lokalen Strom-Marktplatz. Von Kathleen Weser

Die BASF Schwarzheide und Partnerunternehmen schmieden Pläne für ein Reallabor als Blaupause für die Lausitzer Energiewende. Das bestätigt Unternehmenssprecher Arne Petersen. Das Konsortium bewirbt sich um Bundesfördermittel.

Durch das Abregeln von Windenergie- und Fotovoltaikanlagen geht wertvolle, nachhaltig erzeugte Energie verloren. Gründe dafür, dass erneuerbare Energien (EE) im Falle von Lastspitzen gekappt werden, sind vor allem Netzengpässe und die mangelnde Flexibilität konventioneller Kraftwerke. Ein Konsortium aus chemischer Industrie, Technologielieferanten, Erzeugern von alternativer Energie, Vermarktern und Netzbetreibern tritt nun an, um zu zeigen, dass es auch anders geht. „Wir wollen erneuerbare Energien im industriellen Maßstab für die chemische Industrie nutzbar machen. Das Projekt soll beweisen, dass dies trotz der hohen Anforderungen der chemischen Industrie an die Versorgungssicherheit möglich ist“, sagt Jürgen Fuchs, Geschäftsführer der BASF Schwarzheide.

Die Partner der Innovationsallianz haben eine Idee entwickelt, wie sich das regional vorhandene, schwankende Angebot an erneuerbarem Strom in die Energieversorgung des Chemiestandortes einbinden lässt und so zur Grundlage für die Herstellung nachhaltiger und klimafreundlicher Produkte wird. Neben der BASF Schwarzheide sind die Entelios Aktiengesellschaft, die Mitteldeutsche Netzgesellschaft (Mitnetz Strom), die Unternehmen Nodes AS und Regiogröön sowie die Stiftung Umweltenergierecht und Sunfire beteiligt. Das Konsortium nimmt damit am Ideenwettbewerb „Reallabore der Energiewende“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie teil. Beim 21. Brandenburger Energietag am Freitag in Cottbus soll das Vorhaben vorgestellt werden.

In Schwarzheide soll erprobt werden, wie regenerative Energiequellen als Primärenergie der Zukunft, direkt und mittels Kopplung zur Basis für innovative chemische Wertschöpfungsketten werden können. Bei einem Überangebot von Energie werden sie für die Produktion von Wärme (Power-to-Heat) und Basischemikalien wie Wasserstoff, Sauerstoff und Kohlenmonoxid (Power-to-Gas) genutzt, wobei ein lokaler Marktplatz als Bindeglied zwischen der vorhandenen Flexibilität und dem Netzbetreiber fungiert.

Wenn das Energieangebot den Bedarf nicht deckt, helfen neu zu entwickelnde Automatisierungs- und Speicherlösungen, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Auf Erzeugerseite werden regionale Wind- und Solarenergie mittels einer Handelsplattform in einem virtuellen Kraftwerk gebündelt, um passgenaue Energieprodukte zu entwickeln und Geschäftsmodelle zu begleiten.

In Schwarzheide und dem unmittelbaren Umkreis sind bereits heute mehr als 360 Megawatt Leistung aus erneuerbaren Energiequellen installiert. Somit repräsentiert die Region modellhaft die künftige Energielandschaft mit einem hohen Anteil alternativer Energien. „Wir wollen grünen Strom dort nutzen, wo er entsteht. So können Engpässe im Verteilnetz reduziert werden und wir mindern den Druck beim Netzausbaubedarf, der damit volkswirtschaftlich balanciert erfolgen kann“, erläutert Adolf Schweer, technischer Geschäftsführer von Mitnetz Strom, wie sich das Vorhaben positiv auf die Kosten der Energiewende auswirken soll.

Vom Start-up bis zum international agierenden Konzern sind im Kreis der acht Partner alle Unternehmensgrößen vertreten. Die Partner setzen große Hoffnung auf den eingereichten Projektentwurf: „In dieser traditionsreichen Energieregion kann ein Reallabor der Schlüssel für eine nachhaltige energie- und industriepolitische Perspektive sein“, sagt Jan Hinrich Glahr, Geschäftsführer der Regiogröön GmbH & Co KG. Deshalb habe die Kohlekommission auch Reallabore vorgeschlagen.

„Mehr Nachhaltigkeit in der Produktion eröffnet uns neue Chancen zur Erfüllung von Kundenwünschen. Das macht den Industriestandort Schwarzheide attraktiver für Investitionen und Kooperationen, was eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen des Strukturwandels ist“, betont BASF-Chef Fuchs.

 Testgelände für den großindustriellen Versuch mit erneuerbaren Energien: der Chemiestandort Schwarzheide der BASF.
Testgelände für den großindustriellen Versuch mit erneuerbaren Energien: der Chemiestandort Schwarzheide der BASF. FOTO: BASF