Das Volk versteht einfach nicht, warum es für immer weniger Leistung des Staates immer mehr bezahlen soll. Es ist eben ungebildet und liest vor allem all die Hochglanzbroschüren der Ministerien nicht. In Frankreich hatte die Regierung jetzt eine Idee, wie das Volk Wirtschaft erlernen kann und trotzdem nicht viel lesen muss. Ein Internet-Spiel soll den Leuten begreiflich machen, dass die hohe Staatsverschuldung keinen Spielraum mehr lässt für Geschenke. Noch vor der Sommerpause können die Franzosen auf einer staatlichen Website in die Rolle ihres Haushaltministers schlüpfen und virtuell Steuern kassieren, Ausgaben verfügen oder Schulden tilgen. Die deutsche Regierung ist da zögerlicher. Denn es ist ein gefährliches Spiel. Was wäre denn, wenn die vielen kleinen Möchtegern-Finanzminister plötzlich wirklich begreifen, wie das läuft mit der Verteilung des von der Gesellschaft erarbeiteten Reichtums„ Was wäre, wenn sie plötzlich anfingen, die Einnahmen neu zu strukturieren und die Ausgaben völlig anders zu verteilen“ Im Spiel, versteht sich, nur mal so im Spiel. Dabei könnte aber mancher darauf kommen, dass die Welt durchaus nicht so bleiben muss, wie sie ist. Er könnte Bundesländer und Behörden auflösen, Ministerien drastisch dezimieren, Subventionen streichen oder viel stärker an Arbeitsplätze binden, Energie- und Pharmakonzerne in die Schranken weisen. Es wäre ein spaßvolles Schröpf-Training in eine neue Richtung. Am Computer geht das alles. Im Leben wäre das aber eine ganz andere Politik. Deshalb wird dieses Spiel in Deutschland nicht gebraucht. Es ist nur was für aufmüpfige Franzosen.