Die deutsche Porzellanbranche hat große Namen und eine lange Tradition, doch seit Jahren kämpfen viele Hersteller von Geschirr und Zierporzellan ums Überleben. Schlagzeilen machte die Branche vor allem durch Pleiten und Personalabbau.

Zwar hat die EU vorerst Strafzölle gegen Billigkonkurrenz aus China verhängt. Aber auch im Jahr 2012 musste die Branche ein Minus von sechs Prozent verkraften. "Eine Trendwende ist noch nicht in Sicht", erklärt Lutz Graser vom Verband der Keramischen Industrie. Doch ostdeutschen Herstellern wie Kahla und der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen ist es offensichtlich gelungen, dem Abwärtsstrudel der Branche zu entkommen.

Beispiel Kahla: Bis 1844 reichen die Wurzeln des Werkes in dem ostthüringischen Ort südlich von Jena zurück. Zu DDR-Zeiten war es Stammsitz des VEB Feinkeramik mit 17 Porzellanwerken. Von den einst 2000 Beschäftigten in Kahla selbst sind noch 300 geblieben - die Zahl ist allerdings seit Jahren konstant.

Das Familienunternehmen schreibt nach Angaben des Geschäftsführenden Gesellschafters Holger Raithel schwarze Zahlen und konnte den Umsatz voriges Jahr entgegen dem Branchentrend immerhin um ein Prozent steigern. "Dieses Jahr wollen wir noch etwas dynamischer wachsen", sagt Raithel.

Kahla setzt dabei seit Jahren auf Design, was dem Unternehmen etliche Preise eingebracht hat. Auf der Konsumgütermesser "Ambiente" stellt es von heute an etwa die Kollektion "Café Sommelier", die in Zusammenarbeit mit Kaffee-Spezialisten entwickelt wurde, in neuen Farben vor. Zudem bringt das Unternehmen Lampenschirme aus Porzellan auf den Markt, die mit einer speziellen Samtbeschichtung versehen sind und in der Spülmaschine gereinigt werden können.

Auch eine Kollektion handgefertigter Stücke legt das Unternehmen auf, die von Designern entworfen wurden: Wandteller mit Street Art-Dekor sind ebenso dabei wie Gefäße für Schmuck oder Früchte aus Porzellan. "Unsere Kernkompetenz bleibt die Tischkultur", versichert Raithel.

Da im Inland kaum noch Wachstum möglich sei, will das Unternehmen mit eigenen Geschäften im Ausland punkten und so den Exportanteil von etwa 40 auf 50 Prozent steigern. Angedacht seien Geschäfte etwa in der Schweiz, den Niederlanden, Österreich und Italien.

Den Weg hat auch der wohl bekannteste deutsche Porzellanhersteller, die Manufaktur in Meißen, beschritten. Das Unternehmen ist nach wie vor im Besitz des Freistaates Sachsen. Nach eigenen Boutiquen und Läden unter anderem in Stuttgart, Berlin und Hamburg baut es nun seine Dependancen im Ausland aus und setzt neben Porzellan auch auf Interieur und Schmuck.

Neben der "Villa Meissen" in Mailand und einem Geschäft in Schanghai sollen nach Angaben des Unternehmens in nächster Zeit auch Niederlassungen etwa in Peking und Beirut folgen.

Nach mehreren Jahren mit roten Zahlen hatte die mehr als 300 Jahre alte Manufaktur im Jahr 2010 die Trendwende geschafft. Dabei war die Zahl der Arbeitsplätze nach Unternehmensangaben aber von rund 800 auf zuletzt 634 gesunken. Für das vergangene Jahr wurde erneut ein Plus bei Umsatz und Gewinn angepeilt - abschließende Zahlen sollen erst im Frühling genannt werden.

Geschafft haben die Sachsen den Umschwung auch, indem sie sich auf frühere Traditionen besannen und die Sparten Schmuck und Möbel wiederbelebten, wie Unternehmenssprecher Thomas Kleiber erläutert. Außerdem seien die Einstiegspreise heruntergesetzt worden, sodass weniger aufwendig bemalte Stücke günstiger zu erwerben sind.

Ein Patentrezept für die gesamte Branche will Porzellan-Experte Graser in den ostdeutschen Beispielen aber nicht sehen. Zwar sei es richtig, dass der Fachhandel in Deutschland schrumpft, sagte er. "Es ist aber nicht gesagt, dass eigene Geschäfte immer zum Erfolg führen." Zumal diese Strategie mit hohen Kosten verbunden sei. "Und gerade junge Leute kaufen überall, nur nicht im Fachhandel."

Auch die Strafzölle der EU sind laut Graser noch zu gering, um die hiesigen Hersteller vor Dumpingpreisen aus Asien zu schützen: "Wenn dies wirklich Wirkung zeigen soll, dann müssten sie mindestens das Dreifache betragen."