So gingen 2002 die Erlöse der Restaurant-, Hotel- und Gaststättenbesitzer nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um vier Prozent zurück, meldete das Statistische Bundesamt gestern.

Schlechter Dezember
Das war fast doppelt so viel wie das bislang größte Minus von 2,2 Prozent im Jahr 1996. Die Preiserhöhungen herausgerechnet betrug der Rückgang 2002 sogar 7,3 Prozent. Besonders schlecht lief das Weihnachtsgeschäft. Nach Abzug der Preisaufschläge liefen in den Gaststätten, Restaurants und Hotels im Dezember die Geschäfte 11,4 Prozent schlechter als im Vorjahr. Einigen Betrieben bringt aber gerade die Adventszeit gewöhnlich ein Fünftel des gesamten Umsatzes.
Kein Zweig des Gastgewerbes wurde von Einbußen verschont. Am schlimmsten erwischte es die Gaststätten mit 8,3 Prozent. Kantinenchefs und Inhaber von Lieferunternehmen erlösten 7,3 Prozent weniger. Bei den Hotels und Pensionen fiel der Rückgang mit 5,9 Prozent moderater aus.
Das Gastgewerbe gehört erwiesenermaßen zu den "Teuro-Sündern". Es nutzte die Bargeldumstellung für deutliche Preisaufschläge. Während die Inflation 2002 bei 1,3 Prozent lag, gab es in dieser Branche eine fast drei Mal so hohe Teuerung von 3,6 Prozent. Das räumt auch der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, Christian Ehlers, ein. Er fügt aber hinzu, die allgemeine Konsumzurückhaltung habe die Branche besonders schlimm erwischt.
"Das Essen im Restaurant oder das Bier in der Kneipe - das ist eine stark emotionale Angelegenheit." An solchen Vergnügen werde in der Wirt-schaftsflaute schnell gespart. In diesem Jahr komme noch die Angst der Verbraucher hinzu, die wegen höherer Steuern und Abgaben nicht wüssten, wie viel Geld im Portemonnaie verbleibt. "Diese Ungewissheit ist schlimmer als der tatsächliche Zugriff", betont Ehlers. Hinzu komme der Benzinschock an der Tankstelle.
Die Flaute der Branche hat sich in einer deutlich gestiegenen Zahl an Geschäftsaufgaben niedergeschlagen. Statt der üblichen 20 Prozent mussten 2002 rund 30 Prozent der Besitzer aufgeben. Erstaunlicherweise blieb dies ohne Auswirkung auf die Beschäftigung, die bei 1,1 Millionen stagnierte. "Doch 2003 dürfte es bei den größeren Betrieben etwa fünf Prozent Stellenabbau geben", befürchtet Ehlers.
Dennoch will die Branche die Preisaufschläge nicht zurücknehmen. "Wir werden keine Aldi-Gastronomie bekommen", sagt Ehlers. Denkbar seien aber wechselnde günstige Angebote oder verschiedene Preise je nach Tageszeit.

Mehr um Kunden bemühen
Commerzbank-Volkswirtin Elisabeth Andreae rät, sich stärker um die Kunden zu bemühen, um das "Teuro-Image" wieder loszubekommen: "Die Betreiber müssen innovativ sein, indem sie sich etwa besondere Aktionen, Veranstaltungen oder Feste einfallen lassen, wie dies auch der Einzelhandel macht." Denn vor dem 2. Halbjahr sei nicht mit einer Erholung beim privaten Konsum zu rechnen.