Vorstandschef Hubertus Erlen warb vor den Aktionären für eine Annahme der Offerte des Leverkusener Konzerns, der Schering für 16,5 Milliarden Euro kaufen will. Bei einer Fusion steht das Berliner Unternehmen nach 155 Jahren vor dem Verlust seiner Eigenständigkeit.
"Gemeinsam mit Bayer wollen wir unsere Stärken weiter ausbauen", sagte Erlen vor den Anteilseignern. Nach dem Übernahmepoker, bei dem Bayer den Darmstädter Rivalen Merck übertrumpft hatte, sei der "Traum" einer weiteren Unabhängigkeit beendet. Bayers Angebot von 86 Euro je Aktie sei aber angemessen. Die Spitze des neuen Unternehmens "Bayer-Schering-Pharma" werde verbindlich am Schering-Stammsitz in Berlin angesiedelt. Vereinbart worden sei eine faire und ausgewogene Integration.
Mit einem Jahresumsatz von rund neun Milliarden Euro soll die künftige Nummer eins im deutschen Pharma-Markt entstehen. Vertreter von Aktionärsvereinigungen unterstützten den Kurs des Schering-Vorstands. Es sei richtig, dass die feindliche Attacke von Merck abgelehnt worden sei, sagte Malte Dieselhorst von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Kai Weigert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger verwies allerdings darauf, ohne den Übernahmepoker wäre der Kurs der Schering-Aktie nicht derart hoch gestiegen. Schering habe es versäumt, sich durch eigene Zukäufe gegen eine Übernahme zu wappnen. Bayer müsse nun seine Zusagen einhalten.
Beschlüsse zur Übernahme standen bei der Hauptversammlung nicht an. Für den weiteren Geschäftsverlauf äußerte sich Konzernchef Erlen angesichts der Zahlen für das erste Quartal zuversichtlich. Der Umsatz stieg bis Ende März auch dank positiver Wechselkurseffekte um 16 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Im Gesamtjahr sollen die Erlöse in lokalen Währungen im mittleren bis hohen einstelligen Prozent-Bereich zulegen.
Der Umsatz des wichtigsten Produkts Betaferon soll im hohen einstelligen Bereich steigen, der der Verhütungspille Yasmin im zweistelligen Bereich. Um die Produkt-Familie um Yasmin auszubauen, wurde die niedriger dosierte Version Yaz auf den US-Markt gebracht.
Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Schering den Gewinn um 23 Prozent auf 619 Millionen Euro erhöht. Die Hauptversammlung billigte eine Dividende von 1,20 Euro je Aktie (Vorjahr: ein Euro). (dpa/rb)