Wirtschaftliche Neuansiedlungen im strukturschwachen Süden Brandenburgs gibt es nicht allzu oft. Deshalb ließen es sich Elbe-Elster-Landrat Christian Jaschinski (CDU) und Doberlug-Kirchhains Bürgermeister Bodo Broszinski (FDP) am Montag nicht nehmen, die Erfolgsmeldung gemeinsam mit dem geschaftsführenden Gesellschafter der Scheeff GmbH, Manfred Meier, zu verkünden.

Weg öffnen für Neukunden

Die Bayern haben nach etwa sieben Monaten Verhandlungen von der ehemaligen Xella-Gruppe 50 000 Quadratmeter Fläche des einstigen Hebel-Werkes Hennersdorf gekauft. Wo in den 90er-Jahren infolge einer Konzernentscheidung mehrere Hundert Arbeitsplätze wegbrachen, werden jetzt mit der Bra-Guss Aluminiumgießerei bis zu 80 Arbeitsplätze im ersten Schritt errichtet. Weitere Stellen sind nicht ausgeschlossen. Bürgermeister und Landrat sowie deren Behörden attestiert Meier, den Weg bis zum erfolgreichen Abschluss entscheidend beeinflusst zu haben.

Die Metallgießerei Scheeff produziert seit mehr als 50 Jahren in Nersingen (bei Ulm) Aluminiumguss. Sie hat nach eigenen Angaben 330 Mitarbeiter, inklusive Auslagerungen seien 500 Personen beschäftigt. Meier spricht von stabilen zweistelligen Zuwachsraten pro Jahr und 60 Millionen Euro Jahresumsatz, die 2012 angepeilt werden. Zum Kundenkreis gehören alle namhaften Fahrzeughersteller wie Audi, Porsche, VW, MAN, Deutz, Liebherr und Daimler.

Um auch Neukunden zu bedienen, fehlen in Nersingen allerdings Erweiterungsmöglichkeiten, so Meier. Eine bereits in Thüringen geplante Expansion fiel 2008 der allgemeinen Wirtschaftskrise zum Opfer. Mit dem neuerlichen Anlauf und der Produktion in Hennersdorf wolle man verstärkt Kunden aus dem skandinavischen Raum, unter anderem Volvo, an sich binden.

Für den Produktionsstandort Hennersdorf hätten die einer Gießerei angemessene Lage des Grundstücks mit fertiger Produktionshalle, aber auch ein erhofftes Fachkräftepotenzial den Ausschlag gegeben. Und die Berlinnähe war entscheidend. Denn von einem dortigen Schwesterunternehmen werde die Bra-Guss das Roh-Aluminium beziehen.

Gestartet werden soll in Hennersdorf mit dem Kokillenguss, der gänzlich aus dem Bayerischen nach Südbrandenburg verlagert wird. Eine spätere Sandgussproduktion setze zunächst Hallenerweiterungen voraus, die Meier von der Marktsituation abhängig macht. Der Geschäftsführer spricht von fünf bis neun Millionen Euro, die in den nächsten fünf Jahren in Hennersdorf investiert werden.

16 Millionen Euro fließen zudem bis zum Jahr 2014 in die Modernisierung des Produktionsstandortes in Nersingen. Stückgewichte bis zu zwölf Kilogramm sollen künftig in Hennersdorf gegossen werden.

Erste Arbeitsverträge

Die Tinte unter den ersten Arbeitsverträgen für das Hennersdorfer Werk ist trocken. Insbesondere die obere Führungsebene sei besetzt, so Meier. Einen Werkleiter habe er im Dresdner Raum gefunden. Gießerei-Mechaniker und Werkzeugmacher würden noch gebraucht und perspektivisch, wenn die mechanische Bearbeitung in Hennersdorf ausgebaut werde, auch CNC-Fachkräfte. Manfred Meier ist optimistisch, legt aber auch hohe Maßstäbe an: "Derzeit liegen uns 150 Bewerbungen vor. Die Flut reißt nicht ab", sagt er. Von den künftigen Mitarbeitern erwarte er vor allem Schulungsfähigkeit und Akribie.

Landrat und Bürgermeister hoffen indes auch auf einen Zuwachs an Beschäftigung im Umfeld. Insbesondere im Werkzeugbau, Modellbau, im Bereich der Elektroinstallation, mechanischen Bearbeitung und Montage wird das neue Werk Dienstleister brauchen.