Gert-Armin Schur, Direktor des Arbeitsamtes Cottbus, kann machen, was er will: Rund 21 000 Menschen haben er und seine Mitarbeiter 2002 in Arbeit vermittelt, 4800 Lohnkostenzuschüsse haben sie Arbeitgebern bewilligt, 30 000 Arbeitslosen Bewerbungskosten erstattet, 1000 Existenzgründungen angeschoben, 6500 Menschen eine Qualifizierung ermöglicht, 80 000 Anträge auf Arbeitslosenunterstützung bearbeitet. Die Zahl der Arbeitslosen blieb davon unberührt. Im Gegenteil. Die Zahl der Beschäftigten, die in die Sozialkassen einzahlen, ist weiter gesunken. Die Abwanderung hielt an.
„Ohne einen konjunkturellen Aufschwung verzögert sich auch der Strukturwandel in der Region weiter“, betont Schur. Und er ergänzt: „Allein der Umbau des Arbeitsmarktes wird nicht zu neuen Arbeitsplätzen führen.“

Mehr Arbeitslose 2003
Die Aussichten für das Jahr 2003 fallen entsprechend düster aus. Im Jahresdurchschnitt erwartet der Arbeitsamts-Chef für Südbrandenburg „1500 bis 2000 Arbeitslose mehr“ als 2002. Ein Blick auf die diesjährige Mittelplanung für die aktive Arbeitsmarktpolitik weist dieses Ziel als ehrgeizig aus. Der Gesamtetat ist um 60 Millionen Euro, das sind knapp 17 Prozent, gestutzt. Nachdem 2002 noch über 7600 Arbeitslose eine berufliche Weiterbildung begonnen haben, stehen für 2003 noch 4000 im Planansatz. Die Zahl der Beschäftigten in ABM soll sich um rund ein Viertel auf 2156 reduzieren.
Schur spricht von „neuen Wegen in der Arbeitsmarktpolitik“. Das heißt im Klartext: Bundesregierung und Bundesanstalt für Arbeit ziehen die Zügel an. Arbeitsmarktpolitik zur Schaffung regionaler Kaufkraft oder zur Entlastung der Kommunen bei Sozial- oder Umweltaufgaben wird es künftig nicht mehr geben. Stattdessen müssten sich alle Aktivitäten strikt an der Eingliederung Arbeitsloser in den ersten Arbeitsmarkt messen.
Günter Irmscher, Direktor des Arbeitsamtes Bautzen, hofft zumindest für 2003, „die Zahl der Arbeitslosen auf Vorjahresniveau zu halten“. Dass das ein Kraftakt wird, ist ihm klar. Auch seine Mittel für die arbeitsmarktpolitische Entlastung haben sich gegenüber dem Vorjahr um 37 Millionen Euro (minus elf Prozent) verringert. Zudem erwartet er einen „sich verschlechternden Arbeitsmarkt“.
Dennoch hält er sein Ziel „nicht für unrealistisch“. Das hat mehrere Gründe. Ganz besonders erwartet Irmscher „weitere Entlastung durch die überregionale Vermittlung“. Die Beweislast habe sich umgekehrt, erinnert er. Im Zweifelsfall müssten jetzt Arbeitslose nachweisen, warum ein Umzug für einen Arbeitsplatz unzumutbar ist. Zudem biete das Jugendsofortprogramm dieses Jahr mehr Möglichkeiten, da nur wenig Mittel aus dem Vorjahr gebunden seien. In Cottbus sind dagegen neue Spielräume durch Maßnahmen aus dem Vorjahr kaum vorhanden.
Das Arbeitsamt im Bezirk Wittenberg rechnet wie das Südbrandenburger mit steigenden Arbeitslosenzahlen. Das prognostizierte Plus beträgt rund 500. Auch dort gehen die verfügbaren arbeitsmarktpolitischen Mittel deutlich auf 60,4 Millionen Euro zurück, ein Minus von knapp 30 Prozent. Arbeitsamtssprecherin Margitta Harm: „Irgendwo muss es ja herkommen, wenn die Bundesanstalt dieses Jahr auf einen Zuschuss des Bundes verzichten will.“

Gespannt auf Reformen
Gespannt sind die regionalen Arbeitsmarktexperten darauf, wie sich die neuen Instrumente von Ich-AG über Minijobs bis Job-Floater entwickeln. „In Summe“ rechnet Irmscher mit etwas Entlastung. Sein Cottbuser Kollege Schur bleibt zurückhaltender: „Das müssen wir mal sehen.“ Noch stecken ihm die heiß diskutierten Reformen des Vorjahres wie „Mainzer Modell“ oder „Vermittlungsgutschein“ in den Knochen. Gebracht haben sie „erwartungsgemäß wenig“.

Zahlen & Fakten Das Jahr 2002
 Im Jahresdurchschnitt 2002 waren im Arbeitsamtsbezirk Bautzen 70 584 Menschen arbeitslos, 1248 mehr als 2001. Die Arbeitslosenquote lag bei 21,4 Prozent. Die Entlastung durch den zweiten Arbeitsmarkt ging 2002 deutlich zurück. Insbesondere wurde die Zahl der Beschäftigten in ABM gegenüber 2001 um rund ein Drittel auf 5359 reduziert.
Im Amtsbezirk Cottbus waren jahresdurchschnittlich 61 011 Personen ohne Job, 350 weniger als 2001. Die Quote betrug 19,9 Prozent. In Kurzarbeit, Fortbildungen, ABM und SAM wurden 13 531 Personen aufgefangen, 921 weniger als im Vorjahr.
Im Amtsbezirk Wittenberg ging die Arbeitslosenzahl binnen Jahresfrist um 864 auf 12 592 zurück. Die Quote sank auf 18,8 Prozent. Die Entlastung des zweiten Arbeitsmarktes stieg 2002 um 289 auf 3997 Förderfälle.